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Sturheit gehört zum Westfalen – eine zeitlose Geschichte im Sommerloch-Blogpost

Bernd Szarkowski-Tegtmeier  17 August 2014 01:00:00
Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann ist es das Sommerloch. Es kommt jedes Jahr sehr zuverlässig und bleibt ein paar Wochen. Und das ist auch gut so. Es ist Urlaubszeit und alles ist etwas entschleunigt. Besonders freue ich mich aber in dieser Zeit auf die „Lückenfüller-Meldungen“ in den Zeitungen, die zwar grundsätzlich belanglos sind, aber durchaus amüsant sein können. Ja, hin und wieder nehme ich gern Papier und die Hand, auch wenn das oldschool ist.

Lückenfüller bedeutet, dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden „wichtigen“ Meldungen nicht ausreicht, um eine Zeitung zu füllen. Ein ganz natürliches Phänomen. Und das kommt im Sommerloch so oft vor, dass man diese Texte regelmäßig aufspüren kann. Zugegeben mit etwas Argwohn freut man sich regelrecht darauf. Und man möchte sagen: Das ist schon immer so gewesen – solange es Printmedien gibt.

Im Netz gibt es so etwas auch, jedoch aus anderen Beweggründen. Schließlich entstehen dort ja gar keine Lücken. Die trotzdem ehr inflationäre Menge an - nennen wir sie - Online-Lückenfüllern im Sommerloch sind einzig dazu da, um Traffic zu generieren; also Geld zu verdienen. Und man kommt im Netz sehr einfach an solche Füller. Da wird schnell kopiert, was irgendein Vogel gerade gezwitschert hat. Dann werden Schlagwörter aufbereitet und ein Intro davor geschrieben, das die Sache etwas dramatisiert. Eine nicht unbedingt positive Entwicklung, die die klassischen Beispiele hoffentlich nie verdrängen wird.

In diesem Zusammenhang erzähle ich heute von einer Sommerloch-Geschichte aus den 1950er Jahren. Der Artikel stand heute vor genau 55 Jahren in dem Tageblatt Freie Presse und ist einer der sehr wenigen, die man durchaus als zeitlos bezeichnen kann.

Aber der Reihe nach. Vor einigen Jahren fand ich bei Renovierungsarbeiten ein paar alte Zeitungen. Mit dabei waren diverse Teile der Freien Presse, einer der Vorläufer der Neuen Westfälischen. Ich hob sie mir natürlich auf. Allesamt stammen sie aus dem (tiefsten Sommerloch im)  August 1959 – sie werden also in diesen Tagen 55 Jahre alt. Nachdem ich die Blätter in gewohnter Manier durchstöbert hatte, fiel mir sofort dieser klassische Sommerloch-Artikel auf, der aufgrund eines Schnappschusses in Bielefeld-Milse entstanden ist.




Sturheit gehört zum Westfalen - Hupen zwecklos - bin Westfale - Freie Presse 1959
Die Westfalen sind stur. Diese Ansicht ist im allgemeinen Sprachgebrauch genau so bekannt wie die Legende vom schottischen Geiz. Und nur Bielefelder sind - Hand aufs Herz, liebe Freunde - echte Westfalen! Die Sturheit der Westfalen gehört anscheinend ebenso zum Charakter dieser Landschaft wie der Pumpernickel, der Schinken und der Steinhäger. Inwieweit ein sturer Autofahrer anderen gegenüber im Vorteil ist, soll und kann hier nicht untersucht werden, aber eines ist sicher: Bei dem Besitzer dieses Volkswagens, der auf unserem Bild zu sehen ist, paart sich die Sturheit mit dem Humor! Und das wird angenehm empfunden. Schon deshalb, weil es haargenau der Humor ist, der zu der Mentalität der hier wohnenden Menschen gehört. Dieser Schnappschuss, der am Rande des Milser Feuerwehrfestes gemacht wurde, hat etwas Versöhnliches. Man spürt, wenn man den Spruch liest, der mit ungelenker Hand aufgemalt ist – es ist nicht so gemeint. Unser Freund wird sich sicher im Ernstfall als ein Kavalier der Straße erweisen. In diesem Sinne wünschen wir ihm eine gute Fahrt.

"Hupen zwecklos - bin Westfale", Sommerloch-Artikel aus dem Jahr 1959, Quelle: Freie Presse vom 17.08.1959, mit freundlicher Freigabe der
Neuen Westfälischen *


"Hupen zwecklos - bin Westfale" war schon in den 1950er Jahren ein geflügeltes Wort. Was hier noch mit freier Hand gepinselt war, wurde später auch als Autoaufkleber verkauft. Der Artikel über den sturen Westfalen als „Tattoo“ auf einem VW Käfer könnte somit auch heute fast 1:1 übernommen werden, denn für unsere Sturheit sind wir Westfalen (eigentlich ehr Ostwestfalen) wahrlich immer noch bekannt. Ich hoffe, dass solche Artikel nie ganz verschwinden werden. Und so lange es noch gedruckte Zeitungen gibt, werde ich meine Freude daran haben - da bin ich ganz Westfale.


* Dieser Scan wurde durch die Chef-Redaktion der Neuen Westfälischen, Nachfolger der Zeitung Freie Presse, schriftlich für diesen Artikel freigegeben
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