Ein bemerkenswertes Fundstück ist ein kleiner Stadtführer, den das „Öffentliche Verkehrsbureau“ der Stadt Bielefeld im Jahr 1919 herausgab. Die Behörde war damals in der Lützowstraße 18 ansässig, der heutigen Karl-Eilers-Straße, in direkter Nachbarschaft des Volkswacht-Gebäudes an der Arndtstraße. Gemeinsam mit der sogenannten Bielefelder Schreibstube – einer frühen Form des Copyshops – diente sie als erste Anlaufstelle für Fremde und Neuankömmlinge.
Der „Kleine Führer durch Bielefeld“ ist weit mehr als eine bloße Orientierungshilfe. Er informiert über Geschichte und Sehenswürdigkeiten, empfiehlt Spaziergänge, Ausflüge und Gaststätten und lädt ganz selbstverständlich zum Einkaufsbummel ein. Vor allem aber eröffnet er einen unmittelbaren Blick auf das Bielefeld der unmittelbaren Nachkriegszeit: eine Stadt im Umbruch, geprägt von Traditionen, neuen Verkehrswegen und einem erstaunlich ausgeprägten touristischen Selbstbewusstsein.
Besonders aufschlussreich sind der detailliert beschriebene Rundgang durch die Stadt sowie die Spaziergänge und Ausflüge in das nähere und weitere Umland. Viele der genannten Orte existieren bis heute, andere sind verschwunden, umbenannt oder haben ihre Funktion grundlegend verändert. Gerade diese Mischung aus Kontinuität und Verlust macht den Text so lesenswert.
Ich habe die entsprechenden Abschnitte aus dem Stadtführer unverändert digitalisiert und lediglich durch sachliche Anmerkungen, heutige Straßennamen und Kartennachweise ergänzt. Die im Original enthaltenen Abbildungen sind nicht Teil der Textübertragung und werden separat mit Quellenangaben dokumentiert.
Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre – und, ganz im Sinne des Originals, auch beim eigenen Erkunden der Stadt und ihrer Umgebung.
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