Kategorie: Bielefeld

  • Liste der Diskotheken in Bielefeld

    Liste der Diskotheken in Bielefeld

    Diese Liste dokumentiert die Diskotheken- und Clubgeschichte Bielefelds von den 1960er-Jahren bis heute.

    Sie basiert auf zeitgenössischen Quellen, Erinnerungen, eigenen Aufzeichnungen, vielen Gesprächen sowie Presseberichten und wird laufend aktualisiert.

    Wer mich kennt, weiß, dass auch ich in der Szene aktiv bin. Mir geht es dabei jedoch nicht um ein einzelnes Genre, sondern um den Blick auf das Ganze. Immer wieder tauchen Fragen auf, wann eine bestimmte Stammdisco existierte, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt hieß oder welche Orte sich im Laufe der Jahre verändert haben.

    Diese Liste soll darauf Antworten geben – und dem einen oder anderen ehemaligen Betrieb ein kleines Denkmal setzen.

    Für Vollständigkeit und Korrektheit ist Mithilfe ausdrücklich willkommen. Wer Informationen oder Korrekturen beisteuern kann, möge sich gern über die Kommentare melden.

    Obwohl die Übergänge manchmal fließend sind, bleiben Musikkneipen hier bewusst weitgehend außen vor, um den Rahmen nicht zu sprengen. Ich bitte das bei Vorschlägen zu berücksichtigen.

    Für die Dokumentation ist es ein günstiger Umstand, dass Diskotheken selten einfach verschwinden, sondern häufig bestehende Konzessionen übernommen werden. Das ermöglicht ein übersichtliches, standortbezogenes Bild. Die Liste ist alphabetisch sortiert – entweder nach dem jeweils letzten Namen oder nach dem geläufigsten, von Abajo bis Zweischlingen.

    Letzte Aktualisierung: 09. Januar 2026

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  • Der öffentliche bewegliche Landfunk und das Mobiltelefon B72 von TeKaDe

    Der öffentliche bewegliche Landfunk und das Mobiltelefon B72 von TeKaDe

    Manche musealen Telefone sind sehr selten, weil sie nur in geringer Stückzahl gebaut wurden. Andere sind es, weil sie nicht „schön“ genug für die heimische Vitrine sind und sie deshalb schon mal unbeachtet auf dem Müll landen. Auf das Mobiltelefon B72 von TeKaDe trifft wohl beides zu.

    Zugegeben – in der Telefonsammlung macht es sich sperrig. Es besteht aus drei Teilen und hat den Charme eines Schaltschranks. Der Receiver allein wiegt 13,8 kg, das Bediengerät 2,4 kg und der gesonderte Selektiv-Rufsatz (dazu später mehr) nochmal 3,2 kg. Damit ist es kein wirkliches „Handy“, sondern ein drahtloses Telefon, das in den 1960er Jahren in PKWs, auf Schiffen und in Zügen eingebaut wurde.

    Gebaut wurde das B72 für den öffentlichen beweglichen Landfunk („öbL“), der 1955 seinen Ursprung im Zugfunk hatte und 1958 schließlich bei der Deutschen Bundespost in Westdeutschland eingeführt und dort für Endkunden angeboten wurde. Es gab eine Reihe Hersteller, die passende Telefone anboten; darunter BBC, Becker, Bosch, Hagenuk, SEL, Siemens, Telefunken und eben auch TeKaDe. Das B72 war aufgrund seiner relativ geringen Anschaffungskosten von 5300 DM zzgl. 68 DM für jeden bestückten Funkkanal das am weitesten verbreitete. Allerdings kostete es damit immer noch mehr als so manches Auto. Bei anderen Herstellern musste man jedoch teilweise das Dreifache berappen.

    Das hier vorgestellte Gerät

    Mein Exemplar bekam ich nach meinen Recherchen aus zweiter Hand, allerdings direkt vom letzten Benutzer des Geräts. Irgendwann Mitte der 1980er Jahre hatte ich es das erste Mal in Augenschein genommen. Es gehörte einem guten Bekannten von mir, der es 1964 oder 1965 vermutlich als Gebrauchtgerät angeschafft hatte. In dieser Zeit entdeckte er Abbaugebiete für Gestein in der Gegend um Bielefeld, die er fördern wollte. Ein für die Gründung eines Unternehmens hilfreicher Telefonanschluss scheiterte jedoch zunächst daran, dass die weit abgelegene Grube nicht von der Deutschen Bundespost erschlossen war. Durch die Versorgung der Bahnstrecke Hamm-Hannover mit Sendemasten des öbL konnte man in Bielefeld jedoch schon mobil telefonieren. Hier war die zentrale Funkstation auf dem Fernsehturm „Hünenburg“ angebracht. Also schaffte er gleich zwei B72 an und war damit telefonisch bestens erreichbar. Allerdings nutzte er sie nur ein oder zwei Jahre, da die Kupferleitung sein Grundstück früher als erwartet erreichte und die teuren Geräte überflüssig machte.

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  • Eisenbahnunglück von Avenwedde 1851 – Ein Unfall mit weitreichenden Folgen

    Eisenbahnunglück von Avenwedde 1851 – Ein Unfall mit weitreichenden Folgen

    Wie ein Zugunfall den Lokomotivbau, die Eisenbahnsicherheit und die Erinnerungskultur in Preußen veränderte

    Das Eisenbahnunglück von Avenwedde 1851

    Das Eisenbahnunglück von Avenwedde am 21. Januar 1851 war das bis dahin schwerste Zugunglück in Deutschland. Drei Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt, und mit Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen befand sich ein direkter Thronfolger im verunglückten Zug. Das Ereignis erregte landesweit Aufmerksamkeit – nicht nur wegen der prominenten Beteiligung, sondern vor allem wegen seiner weitreichenden technischen Folgen.

    Ein Unfall von nationaler Bedeutung

    Der Unfall ereignete sich auf der Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft zwischen Bielefeld und Gütersloh, im Bereich des heutigen Isselhorst-Avenwedde. Eine entgleiste Dampflokomotive riss mehrere Wagen mit sich und ließ sie vom Bahndamm stürzen. Während die zeitgenössische Berichterstattung sich rasch auf die wundersame Rettung des Kronprinzen konzentrierte, gerieten die eigentlichen Ursachen und Konsequenzen des Unglücks zunächst in den Hintergrund.

    Technischer Wendepunkt und verdrängte Ursachen

    Dabei markiert der Eisenbahnunfall von Avenwedde einen technischen Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Lokomotivbaus. Die Entgleisung führte zu einer systematischen Neubewertung von Konstruktion, Achsfolgen und Sicherheitsstandards im Eisenbahnbetrieb Preußens. Erstmals wurde nicht nur ein einzelner Defekt untersucht, sondern die Bauart ganzer Lokomotivtypen infrage gestellt.

    Industrialisierung zwischen Fortschrittsglauben und Risiko

    Der Unfall steht damit exemplarisch für die Ambivalenz der frühen Industrialisierung: technischen Fortschritt, getragen von Optimismus und Leistungsdrang – und die schmerzhaften Lernprozesse, die oft erst durch Katastrophen ausgelöst wurden.

    Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft und die frühe Industrialisierung

    Die noch junge Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, kurz CME, war der Betreiber der Strecke, auf der der Unfall passierte. Sie verband mit ihrem Schienenstrang zwischen eben diesen Städten den Rhein in Köln mit der Weser in Minden. Dabei profitierten auch viele Städte an der Strecke, die mit einem Bahnhof bedacht wurden. Mit dabei waren von Anfang an Bielefeld und Gütersloh, zwischen denen zunächst kein weiterer Bahnhof lag, doch führte die Strecke dazwischen damals wie heute über Avenwedde.

    Friedrich Harkort, Visionen und technischer Optimismus

    Die CME war als Aktiengesellschaft das Resultat von Bestrebungen verschiedener Visionäre und Funktionäre. Maßgeblich getrieben von Friedrich Harkort wurde sie 1843 gegründet und verfügte ab 1847 über die gesamte angestrebte Streckenführung. Bielefeld, Gütersloh und damit auch Avenwedde liegen am neuesten Teilstück der Strecke.

    Harkorts Rolle selbst war nur die des Initiators; als Unternehmer hatte er bezüglich der Eisenbahn seine eigenen Interessen im Blick und war daher später nicht selbst an der Eisenbahngesellschaft beteiligt.

    Dieser technische Optimismus war kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Denkens, das die frühe Industrialisierung prägte. Er legte bereits 1833, also vor Eröffnung der ersten Eisenbahn in Deutschland überhaupt, grundlegende Berechnungen und beispielhafte Vorteile in seiner Denkschrift „Die Eisenbahn von Minden nach Cöln“ vor und brachte damit viele fürsprechende Argumente auf Papier. Dabei schreckte er auch nicht vor sehr weitreichenden Herleitungen zurück.

    Vorteile der Regionen an der Strecke am Beispiel Bielefeld

    Für Bielefeld sah er beispielsweise außer dem allgemeinen wirtschaftlichen Vorteil und der möglichen Versorgung mit Kohle aus dem Ruhrgebiet auch eine Verbesserung der Wasserversorgung bei den Bleichen. Durch die Erdarbeiten am Pass des Teutoburger Waldes sollte es zu einer „Senkung der Wasserscheide“ kommen und dadurch würden die Quellen freier fließen. Vielleicht braucht es manchmal solch einen Übereifer.

    Technischer Fortschritt als Heilsversprechen

    Friedrich Harkort war ein zielstrebiger Techniker und zugleich ein belesener Intellektueller mit guten Beziehungen. Und er verdeutlichte dies gleich zu Anfang in seinem oben genannten Buch mit einem Zitat von Charles Babbage im originalen Englischen Wortlaut.

    „It may possibly be found that the dominion of mind over the material world advances with an ever-accelerating force.“

    Charles Babbage

    Das Zitat stammt aus Babbages Werk On the Economy of Machinery and Manufactures von 1832.

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  • The Sisters of Mercy im PC69 Bielefeld (1985) – Das legendäre Bootleg „The Last Time Around“

    The Sisters of Mercy im PC69 Bielefeld (1985) – Das legendäre Bootleg „The Last Time Around“

    40 Jahre später – warum dieser Abend im PC69 bis heute nachhallt

    Vor wenigen Tagen jährte sich ein besonderes Ereignis zum 40. Mal: der Auftritt von The Sisters of Mercy im PC69 in Bielefeld am 21. April 1985. Eigentlich war geplant, diesen Text pünktlich zum Jubiläum zu veröffentlichen. Das hat nicht ganz geklappt. Dafür habe ich die Zeit genutzt, den Blog technisch zu erneuern – und nach über zehn Jahren Schreibpause meine publizistische Arbeit wieder aufzunehmen. In dieser Zeit hat sich einiges angesammelt, thematisch wie inhaltlich.

    Dieser Text widmet sich einem legendären Konzert und einer ebenso legendären Aufnahme, die als Bootleg unter dem Titel „The Last Time Around“ bis heute in Sammlerkreisen kursiert. Warum gerade dieses Bootleg eine besondere Stellung einnimmt, erkläre ich anhand eines kleinen LP-Reviews – ergänzt um den notwendigen historischen und lokalen Kontext.

    21. April 1985: The Sisters of Mercy live im PC69 Bielefeld

    Von langer Hand geplant tauchten The Sisters of Mercy bereits auf dem Eröffnungsflyer des PC69 auf. Am 21. April 1985 betraten Andrew Eldritch, Wayne Hussey und Craig Adams die Bühne der noch jungen Diskothek. Ein Bandmitglied hatte die Gruppe kurz zuvor verlassen: Gary Marx war am 2. April 1985 ausgestiegen.

    The Sisters of Mercy auf dem Eröffnungsflyer des PC69 – lange vor dem Konzert am 21. April 1985.
    The Sisters of Mercy auf dem Eröffnungsflyer des PC69 – lange vor dem Konzert am 21. April 1985.

    Mit dabei war jedoch weiterhin das – zumindest offiziell – vierte Bandmitglied: Dr. Avalanche, so nannte Eldritch seinen Drumcomputer, einen Boss DR-55 „Doctor Rhythm“ mit Mono-Ausgang. Ein Detail, das für den späteren Mythos dieses Konzerts nicht ganz unwichtig werden sollte.

    Eintrittskarte des Konzerts am 21.04.1985 im PC69
    Eintrittskarte des Konzerts am 21.04.1985 im PC69
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  • Sturheit gehört zum Westfalen – eine zeitlose Geschichte

    Sturheit gehört zum Westfalen – eine zeitlose Geschichte

    Wenn es eine Konstante im Jahreslauf der Medien gibt, dann ist es das Sommerloch. Es erscheint zuverlässig, dauert ein paar Wochen und erfüllt dabei eine erstaunlich wichtige Funktion: Es entschleunigt. Die Welt dreht sich langsamer, die Schlagzeilen werden kleiner, und plötzlich ist wieder Platz für das scheinbar Belanglose.

    Gerade in dieser Zeit habe ich eine besondere Schwäche für jene Texte, die man früher „Lückenfüller“ nannte. Meldungen ohne große Tragweite, aber mit Witz, Lokalkolorit oder einem Augenzwinkern. Ja, ich gebe es zu: Hin und wieder nehme ich dafür sogar noch Papier in die Hand – ganz bewusst oldschool.

    Der Begriff „Lückenfüller“ klingt abwertend, beschreibt aber ein völlig normales Phänomen des Zeitungsalltags. Wenn es an „wichtigen“ Nachrichten mangelt, rücken die kleinen Beobachtungen des Alltags in den Vordergrund. Und gerade im Sommerloch passiert das so regelmäßig, dass man diese Texte fast gezielt aufspüren kann. Mit einer gewissen Vorfreude, vielleicht sogar mit Argwohn. Denn sie erzählen oft mehr über Mentalität, Humor und Selbstbild einer Region als manche Leitartikel.

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  • Ledeburs Geschichte der Sparrenburg vor dem Turmbau 1842 – Eine Buchempfehlung

    Ledeburs Geschichte der Sparrenburg vor dem Turmbau 1842 – Eine Buchempfehlung

    Was lange währt, wird endlich gut. Über Monate hinweg war das bekannteste Wahrzeichen Bielefelds, der Turm der Sparrenburg, vollständig verhüllt. Selbst zum offiziellen 800-jährigen Stadtjubiläum im Rahmen des NRW-Tages 2014 blieb er aus baulichen Sicherheitsgründen verborgen. In diesen Tagen jedoch fallen die Hüllen – und damit ist ein guter Moment gekommen, den Blick zurück zu richten.

    Denn kurz vor dem Bau dieses Turms erschien ein Buch, das die Sparrenburg nicht aus heutiger Sicht beschreibt, sondern aus der Perspektive einer Zeit, in der sie noch kein romantisches Wahrzeichen, sondern ein geschichtliches Rätsel war.

    Das Buch - Geschichte der vormaligen Burg und Festung Sparrenberg
    Bild 1: Das Buch – Geschichte der vormaligen Burg und Festung Sparrenberg

    Geschichte der vormaligen Burg und Festung Sparenberg (1842)

    Meine Buchempfehlung ist die „Geschichte der vormaligen Burg und Festung Sparenberg“ des Historikers Leopold von Ledebur. Das Werk erschien im Jahr 1842, unmittelbar bevor mit dem Bau des heutigen Turms begonnen wurde. Der Turmbau selbst war auch der eigentliche Anlass für diese Niederschrift. Ledebur widmete das Buch seinem Onkel Ludwig von Ledebur anlässlich dessen fünfzigjährigen Dienstjubiläums im Militär. Ludwig hatte mehrere Jahre seines Lebens bei Verwandten im benachbarten Schildesche verbracht, was die regionale Verbundenheit des Autors zusätzlich unterstreicht.

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  • Eine Not-Goldmark aus Bielefeld und ihre Geschichte

    Eine Not-Goldmark aus Bielefeld und ihre Geschichte

    Meine Heimatstadt Bielefeld hat in der Vergangenheit eine bewegte Geschichte erlebt – und natürlich auch geschrieben. Aus der einstigen Hauptstadt der Grafschaft Ravensberg wurde im 19. Jahrhundert ein industrieller Standort, eine Hochburg des Handels und zeitweise sogar ein beliebtes Reiseziel. Die beiden Weltkriege trafen Bielefeld jedoch schwer und veränderten das Stadtbild nachhaltig.

    Aus all diesen Epochen sind immer wieder kleine Überbleibsel erhalten geblieben, die man auch heute noch entdecken kann – wenn man genau hinschaut.

    Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist eine Not-Goldmark-Medaille der Stadtsparkasse Bielefeld, die ab Ende 1923 in verschiedenen Materialausführungen als Spendenmedaille zugunsten der Bevölkerung des von Frankreich und Belgien besetzten Ruhrgebiets verkauft wurde. Es gibt sie in Messing, vergoldeter Bronze und – äußerst selten – auch aus massivem Silber. Mit einem Durchmesser von 31,75 mm ist sie deutlich größer als eine heutige 2-Euro-Münze.

    Die Not-Goldmark wurde 1923 als Reaktion auf die durch die Hyperinflation nahezu entwertete Papiermark eingeführt. Sie war fest an den US-Dollar gekoppelt und sollte so Vertrauen und Stabilität zurückbringen. Über das Bielefelder Notgeld im Allgemeinen habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich geschrieben.

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  • Der Wirt von Bielefeld – Was die Sage bedeutet

    Herkunft eines geflügelten Wortes

    Über fast zwei Jahrhunderte hinweg war in Bielefeld und darüber hinaus ein Ausspruch geläufig, der heute nur noch selten zu hören ist:

    „Er geht mit wie der Wirt von Bielefeld.“

    Im ostwestfälischen Plattdeutsch lautete er entsprechend: „Hei geit met as de Wed van Bielefeld.“

    Der Sinn dieses Sprichworts ist auch ohne nähere Erklärung bereits angedeutet: Gemeint ist jemand, der zwar behauptet, keine Verantwortung zu tragen, sich aber dennoch bereitwillig mitziehen lässt – bis zu dem Punkt, an dem es gefährlich wird. Doch wie so oft liegt hinter einem geflügelten Wort eine konkrete Geschichte.

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  • Bielefelder Notgeld – Eine Zukunftsvision aus dem Jahr 1921

    Bielefelder Notgeld – Eine Zukunftsvision aus dem Jahr 1921

    Bielefelder Notgeld, Hoffnung und Humor nach dem Ersten Weltkrieg

    Beim Lesen alter Texte begegnet man manchmal nicht der Vergangenheit – sondern einer Zukunft, die nie eingetreten ist. Einen in dieser Hinsicht besonders bemerkenswerten Text stelle ich hier vor.

    Ein Text aus der Zwischenzeit

    Der hier zitierte Artikel entstand im Jahr 1921, wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sein Autor blickt nicht zurück, sondern nach vorn: Er entwirft eine Zukunftsvision, angesiedelt im Jahr 2000, und nutzt sie als erzählerisches Mittel, um Hoffnung, Stolz, Wut und Humor in Worte zu fassen.

    Gerade darin liegt die besondere Spannung dieses Textes. Denn wir lesen ihn heute mit dem Wissen um einen zweiten Weltkrieg, um weitere Entbehrungen und Brüche, die der Autor noch nicht erahnen konnte. Was als optimistischer Ausblick gedacht war, wird rückblickend zu einem eindrucksvollen Zeitdokument – und zu einem Zeugnis dafür, wie sehr Menschen nach extremen Erfahrungen nach Sinn, Ordnung und Zuversicht suchen.

    Paul Hanke und die Idee des Bielefelder Notgelds

    Der Text erschien 1921 in einer Sonderausgabe der Zeitschrift „Niedersachsen“ anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums von Bielefeld. Verfasst wurde er von Paul Hanke, dem damaligen Direktor der Sparkasse Bielefeld und einem der geistigen Väter des berühmten Bielefelder Notgeldes.

    Dieses Notgeld war weit mehr als ein Zahlungsmittel. Es war Träger von Geschichten, Bildern, Zahlen und Anekdoten – und bewusst als Gedächtnis der Stadt in Zeiten der Not angelegt.

    Hinweise zum historischen Originaltext

    Der nun folgende Text ist vollständig und wortgetreu aus der Originalveröffentlichung von 1921 übernommen. Rechtschreibung, Tonfall und Weltbild entsprechen ihrer Zeit. Lediglich ergänzende Hinweise, Abbildungen und Verlinkungen wurden hinzugefügt.

    Besonders auffällig ist die Mischung aus:

    • nüchternen Zahlen,
    • lokalem Patriotismus,
    • beißendem Humor,
    • und einer erstaunlich detailreichen Zukunftsphantasie.

    Der plattdeutsche Abschnitt stellt eine Abwandlung des Märchens „Dat Schmidken van Bielefeld“ dar („Der Schmied von Bielefeld“). Während der Schmied im Original einen Pakt mit dem Teufel schließt, dreht sich hier alles um das Bielefelder Notgeld – im Himmel und mit augenzwinkernder Botschaft an Sammler und Zeitgenossen. Eine vollständige Übersetzung ins Hochdeutsche befindet sich im Kapitel „Einordnung: Paul Hanke, das Notgeld und der Blick zurück“ weiter unten.

    Nach dem Hauptartikel folgt ein Nachtrag des Autors, der weiter hinten im Heft abgedruckt war. Offenbar wollte Hanke noch einige zusätzliche Details für die Nachwelt festhalten.

    Es empfiehlt sich, den gesamten Text langsam zu lesen. Viele Anspielungen erschließen sich erst beim zweiten Blick. Oft ist nicht sofort erkennbar, wo historische Tatsache endet und ironische Überzeichnung oder hoffnungsvolle Zukunftsvision beginnt.

    Und genau darin liegt sein Reiz.

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  • Anweisung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg zur Taufe 1651

    Anlässlich der Taufe meines Ältesten habe ich gestern einen Text vorgelesen, der mir zufällig kurz zuvor aufgefallen ist. Er handelt unter Anderem von der Kindstaufe, daher passte er – wie man so schön sagt – wie die Faust aufs Auge. Der Text befindet sich im dritten Teil einer Buchserie mit dem Titel „Ravensbergische Merckwürdigkeiten“, das im Jahr 1752 von Ernst Albrecht Friedrich Culemann verfasst wurde. In ihm sind vielerlei Urkunden der Stadt Bielefeld zusammengetragen. Das Wort „Merckwürdigkeiten“ hat sich in der Zeit nicht nur in der Schreibweise, sondern auch sinngemäß gewandelt und muss hier im Sinne von „Dinge, die es würdig sind, sich zu merken“ verstanden werden.

    Dieses Buch kann man aufgrund seines Alters an verschiedenen Stellen per Download frei beziehen, so z. B. in der Bayrischen Staatsbibliothek. Den besagten Text findet man ab der Seite 107 ff. Es ist eine Anweisung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Bielefeld. Der Kurfürst ist in dieser Zeit praktisch der Herrscher in diesem Gebiet. Gleichzeitig hat er eine sehr enge Beziehung zu Bielefeld und ist auch oft und gern Gast auf der Sparrenburg. Und so missfallen ihm die „unchristlichen Zustände“ in dieser Stadt nach dem 30jährigen Krieg. Also verfasst er am 08.04.1651, drei Jahre nach Kriegsende, diese umfassende Erweiterung bestehender Regeln. Er gibt sie sodann an den Bürgermeister der Stadt weiter, damit dieser die Regeln publiziert. Sein Problem mit den Istzuständen bringt er dabei bereits in der Einleitung schonungslos auf den Punkt. Es folgen 10 Kapitel, die diverse Themen rund um Fest- Feier- und Sonntage und im Speziellen auch Hochzeiten, Kirchgängen, Taufen und auch Beerdigungen behandeln. In meinem kleinen Vortrag habe ich mich natürlich nur mit der Einleitung und dem 8. Kapitel befasst, in dem es um die Taufe geht. Diesen Teil des Textes habe ich heute digitalisiert und hier einmal angefügt.

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