Autor: Bernd Szarkowski-Tegtmeier

  • Anweisung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm zur Ordnung der Kindstaufe in Bielefeld (1651)

    Anweisung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm zur Ordnung der Kindstaufe in Bielefeld (1651)

    Anlässlich einer Taufe habe ich kürzlich einen historischen Text vorgelesen, der mir wenige Tage zuvor eher zufällig begegnet war. Sein Thema: die Ordnung der Kindstaufe. Anlass und Quelle trafen sich dabei auf bemerkenswerte Weise.

    Der Text findet sich im dritten Teil der Ravensbergischen Merckwürdigkeiten, einer 1752 erschienenen Sammlung städtischer Urkunden, zusammengestellt von Ernst Albrecht Friedrich Culemann. Der Titel ist dabei wörtlich zu nehmen: „Merckwürdigkeiten“ meint Dinge, die es wert sind, erinnert zu werden. In dem Werk sind zahlreiche normative Texte aus der Geschichte Bielefelds überliefert, darunter auch eine ausführliche Anordnung aus dem Jahr 1651.

    Eine obrigkeitliche Ordnung nach dem Dreißigjährigen Krieg

    Konkret handelt es sich um eine auf kurfürstliche Anweisung hin bestätigte Ordnung für Bürgermeister und Rat der Stadt Bielefeld. Der Kurfürst war zu dieser Zeit Landesherr der Grafschaft Ravensberg und der Stadt eng verbunden. Drei Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges sah er offenbar erheblichen Regelungsbedarf.

    In der Einleitung benennt er sein Anliegen ungewöhnlich offen: Nach den „abgelauffenen Krieges-Zeiten“ hätten sich zahlreiche Missbräuche eingeschlichen. Er beklagt unchristliches Verhalten, Maßlosigkeit, übermäßige Gastmähler, Trinkgelage und kostspielige Feiern – insbesondere an Sonn- und Feiertagen sowie bei Verlobungen, Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen. Ohne Korrektur, so seine Warnung, drohten göttlicher Zorn, wirtschaftlicher Schaden und gesellschaftlicher Verfall.

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  • Rundgang und Ausflüge in und um Bielefeld im Jahr 1919

    Ein bemerkenswertes Fundstück ist ein kleiner Stadtführer, den das „Öffentliche Verkehrsbureau“ der Stadt Bielefeld im Jahr 1919 herausgab. Die Behörde war damals in der Lützowstraße 18 ansässig, der heutigen Karl-Eilers-Straße, in direkter Nachbarschaft des Volkswacht-Gebäudes an der Arndtstraße. Gemeinsam mit der sogenannten Bielefelder Schreibstube – einer frühen Form des Copyshops – diente sie als erste Anlaufstelle für Fremde und Neuankömmlinge.

    Der „Kleine Führer durch Bielefeld“ ist weit mehr als eine bloße Orientierungshilfe. Er informiert über Geschichte und Sehenswürdigkeiten, empfiehlt Spaziergänge, Ausflüge und Gaststätten und lädt ganz selbstverständlich zum Einkaufsbummel ein. Vor allem aber eröffnet er einen unmittelbaren Blick auf das Bielefeld der unmittelbaren Nachkriegszeit: eine Stadt im Umbruch, geprägt von Traditionen, neuen Verkehrswegen und einem erstaunlich ausgeprägten touristischen Selbstbewusstsein.

    Besonders aufschlussreich sind der detailliert beschriebene Rundgang durch die Stadt sowie die Spaziergänge und Ausflüge in das nähere und weitere Umland. Viele der genannten Orte existieren bis heute, andere sind verschwunden, umbenannt oder haben ihre Funktion grundlegend verändert. Gerade diese Mischung aus Kontinuität und Verlust macht den Text so lesenswert.

    Ich habe die entsprechenden Abschnitte aus dem Stadtführer unverändert digitalisiert und lediglich durch sachliche Anmerkungen, heutige Straßennamen und Kartennachweise ergänzt. Die im Original enthaltenen Abbildungen sind nicht Teil der Textübertragung und werden separat mit Quellenangaben dokumentiert.

    Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre – und, ganz im Sinne des Originals, auch beim eigenen Erkunden der Stadt und ihrer Umgebung.

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  • Erinnerungen an das PC69 in Bielefeld: The Multicoloured Shades

    Erinnerungen an das PC69 in Bielefeld: The Multicoloured Shades

    Erinnerungen, Fundstücke und das PC69

    Im Laufe der Vorbereitungen zum Revival des PC69 in Bielefeld haben mir viele ehemalige Gäste und Mitarbeiter ihre ganz persönlichen Erinnerungen, Geschichten und Erinnerungsstücke aus dieser Zeit geschildert. Viele von ihnen haben im PC69 einen prägenden Lebensabschnitt verbracht und blicken heute mit großer Verbundenheit darauf zurück.

    Auch ich habe einige Erinnerungsstücke aus dieser Zeit aufbewahrt. Eines davon steht exemplarisch für die Konzert- und Clubkultur des PC69 – und für eine Band, die mit diesem Ort eng verbunden ist: The Multicoloured Shades.

    The Multicoloured Shades - Out in the clubs

    The Multicoloured Shades und das PC69

    Unter Besuchern des PC69 sind The Multicoloured Shades vor allem durch ihre spätere Hit-Single „Teen Sex Transfusion“ bekannt. Die Band aus dem Ruhrgebiet gehörte Mitte der 1980er-Jahre zu einer kleinen Gruppe von Formationen, die dem Genre Neo-Psychedelic zugeordnet wurden.

    Schon allein dadurch hoben sich die Multicoloured Shades deutlich vom musikalischen Mainstream ab. Ihr Sound knüpfte an die Ästhetik der Sixties an, wirkte dabei aber zugleich eigenständig und zeitgemäß – ein Ansatz, der im PC69 auf ein besonders offenes und interessiertes Publikum traf.

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  • Alle Konzerte im PC69 Bielefeld – Geschichte, Erinnerungen und das erste PC69-Revival

    Alle Konzerte im PC69 Bielefeld – Geschichte, Erinnerungen und das erste PC69-Revival

    Das PC69-Revival 2010: Warum dieses Wochenende etwas Besonderes ist

    Gut 25 Jahre nach der Eröffnung bzw. sieben Jahre nach der Schließung der Diskothek PC69 in Bielefeld kommt das Thema wieder hoch: Am 22.10. und 23.10.2010 findet das erste „richtige“ PC69-Revival-Wochenende in Bielefeld, unweit des Original-Schauplatzes statt. Das PC69 gehörte über viele Jahre zu den prägenden Diskotheken und Konzertlocations in Bielefeld. Eine vollständige Liste aller bekannten Konzerte im PC69 Bielefeld findet sich weiter unten im Beitrag.

    Es wird deshalb das erste „richtige“ Revival, weil zum ersten Mal versucht wird, ein authentisches PC69-Feeling zu vermitteln. Deshalb bin ich auch sehr glücklich darüber, dass im Vorfeld die Nutzungsrechte an dem Namen der ehemaligen Disco für diese Party vertraglich geregelt werden konnten. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiges Detail in der Summe. Hinzu kommt natürlich eine Besetzung mit Original-DJs an beiden Tagen und ein stimmiges Abbild des Freitags- und Samstags- Programms.

    Und ich – bin auch dabei

    An diesem Wochenende werde auch ich das Vergnügen haben, das Musikprogramm mit zu gestalten. Zusammen mit DJ Thorsten, der im PC69 für das Samstags-Thema Alternate-State verantwortlich war, werde ich Klassiker aus meinem damaligen Programm, die PC69-Party, auflegen.

    Wenn ich auf die vielen Jahre zurück blicke, in denen ich als DJ tätig war, muss ich schon sagen, dass mir dieses Thema am meisten Spaß bereitet hat. Aber auch andere Themen, die ich im PC69 damals bearbeitet habe, waren klasse! Das lag nicht zuletzt am stimmigen Gesamtkonzept der Diskothek.

    Zusammen mit Thorsten habe ich auch am 25.10.2003 den „Letzten Abend“ aufgelegt – eine schöne Erinnerung! Das letzte Lied, das an diesem letzten Abend im PC69 lief, war übrigens von Soft Cell: Say Hello, Wave Goodbye. Ich denke mal, das wird auch beim Revival wieder das letzte Lied werden. Oder das erste…?

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