Erinnerungen an das PC69 in Bielefeld: The Multicoloured Shades

Erinnerungen, Fundstücke und das PC69

Im Laufe der Vorbereitungen zum Revival des PC69 in Bielefeld haben mir viele ehemalige Gäste und Mitarbeiter ihre ganz persönlichen Erinnerungen, Geschichten und Erinnerungsstücke aus dieser Zeit geschildert. Viele von ihnen haben im PC69 einen prägenden Lebensabschnitt verbracht und blicken heute mit großer Verbundenheit darauf zurück.

Auch ich habe einige Erinnerungsstücke aus dieser Zeit aufbewahrt. Eines davon steht exemplarisch für die Konzert- und Clubkultur des PC69 – und für eine Band, die mit diesem Ort eng verbunden ist: The Multicoloured Shades.

The Multicoloured Shades - Out in the clubs

The Multicoloured Shades und das PC69

Unter Besuchern des PC69 sind The Multicoloured Shades vor allem durch ihre spätere Hit-Single „Teen Sex Transfusion“ bekannt. Die Band aus dem Ruhrgebiet gehörte Mitte der 1980er-Jahre zu einer kleinen Gruppe von Formationen, die dem Genre Neo-Psychedelic zugeordnet wurden.

Schon allein dadurch hoben sich die Multicoloured Shades deutlich vom musikalischen Mainstream ab. Ihr Sound knüpfte an die Ästhetik der Sixties an, wirkte dabei aber zugleich eigenständig und zeitgemäß – ein Ansatz, der im PC69 auf ein besonders offenes und interessiertes Publikum traf.

13. April 1986: Live im PC69 Bielefeld

Das einzige Live-Album der Multicoloured Shades ist zugleich ein Bootleg – und ein Dokument eines ganz besonderen Abends. „Out In The Clubs“ wurde am 13. April 1986 im PC69 Bielefeld aufgenommen, und zwar im Rahmen des Neo-Sixties-Festivals „Beat the Beat“.

Die Veröffentlichung erschien in einer extrem kleinen Auflage von nur 200 Exemplaren. Auf ein klassisches Cover oder eine gedruckte Tracklist wurde vollständig verzichtet. Stattdessen wurde die LP in einer schlichten PVC-Hülle ausgeliefert, ergänzt durch eine eingelegte Pappe zur Stabilisierung.

Standesgemäß – und fast schon programmatisch – besteht die Platte aus Multicoloured Vinyl.

„Out In The Clubs“ – Ausstattung und Klang

Obwohl es sich um ein inoffizielles Album handelt, überrascht die Aufnahme durch ihre außergewöhnlich gute Klangqualität. Fast schon untypisch für ein Bootleg ist der Sound erstaunlich ausgewogen und transparent.

Man hört der Aufnahme förmlich die sehr gute Akustik des PC69 an – ein Aspekt, der von Musikern wie Besuchern immer wieder hervorgehoben wurde. Auch deshalb ist „Out In The Clubs“ nicht nur ein Sammlerstück, sondern ein ernstzunehmendes Live-Dokument.

Der später veröffentlichte Hit „Teen Sex Transfusion“ ist auf dieser LP noch nicht enthalten, da er erst ein Jahr nach dem Konzert erschien. Die Setlist besteht stattdessen aus Stücken der ersten beiden Studioalben „Multicoloured Shades“ und „House Of Wax“.

Tracklist: „Out In The Clubs“

  1. Frozen Hearts
  2. Roses
  3. Witches
  4. Out In The Clubs
  5. So Sad
  6. Heartbeat
  7. Brain Patrol
  8. Bleeding In Jane Mansfield’s Car
  9. Miss Terry Shade
  10. It’s Your Life
  11. 96 Tears
  12. (The Ballad Of) The Voodoo-Ranger
  13. Forever You

Live stärker als im Studio

Mit dieser Aufnahme zeigen die Multicoloured Shades eindrucksvoll, dass sie eine ausgezeichnete Live-Band waren. Viele der Stücke wirken hier deutlich lebhafter und unmittelbarer als auf den Studioalben.

Besonders herausragend ist – zumindest aus meiner persönlichen Sicht – „The Voodoo Ranger“, das an diesem Abend in einer reduzierten, fast akustischen Version gespielt wurde. Heute würde man vermutlich von einer Unplugged- oder Acoustic-Fassung sprechen.

Stille Kommentare im Auslaufring

Dieses Bootleg ist nicht nur musikalisch interessant, sondern auch ein Zeitdokument der Bandgeschichte. Im Innenring der B-Seite der Platte sind – fast unlesbar – die Sätze eingeprägt:

„Multicoloured Shades – Your Last Chance To Get Happy“
„Why Virgin?

Offensichtlich handelt es sich dabei um einen Seitenhieb aus dem Umfeld des Dortmunder Independent-Labels Last Chance, bei dem die Band zuvor unter Vertrag stand. Kurz vor dem Konzert hatten die Multicoloured Shades zu Virgin Records gewechselt – ein klassischer Schritt vom Independent-Label hin zum Major.

Auch auf der A-Seite wird der Auslaufring für eine Botschaft genutzt, dieses Mal direkt an den Frontmann Pete Barany gerichtet. Dort ist zu lesen:

„Hi Pete, hope you’re pleased with this record“

Die eingravierten Kommentare wirken wie ein stiller Dialog zwischen Band, Szene und Umfeld – ironisch, vieldeutig und typisch für eine Zeit, in der selbst die Auslaufrille einer Schallplatte als Kommunikationsfläche genutzt wurde.

Abschied von einer Band – und von einem Ort

Nach dem Tod des Sängers Pete Barany sind die Multicoloured Shades endgültig Geschichte geworden – genau wie das PC69 selbst. Beide stehen heute für eine Zeit, in der musikalische Experimente, Subkultur und persönliche Begegnungen noch feste Orte hatten.

An dieser Stelle wird man fast zwangsläufig an die Phrase erinnert:

Only the best die young.

Ob es wirklich so ist?

Querverweise: Weitere Bootlegs aus dem PC69 Bielefeld

Das Konzert der Multicoloured Shades ist bei weitem nicht das einzige im PC69 Bielefeld, das durch eine inoffizielle Live-Aufnahme dokumentiert wurde. Auch andere Auftritte aus der Geschichte des Clubs sind bis heute in Form von Bootlegs überliefert und geben einen eindrucksvollen Einblick in die Atmosphäre dieser besonderen Konzertlocation.

Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Auftritt von The Sisters of Mercy am 21. April 1985, der als Bootleg unter dem Titel „The Last Time Around“ erschienen ist. In einem eigenen Beitrag gehe ich ausführlich auf dieses Konzert, die Entstehung der Aufnahme und ihre Bedeutung für die Geschichte des PC69 ein:

The Sisters of Mercy im PC69 Bielefeld (1985) – Das legendäre Bootleg „The Last Time Around“

Weitere Berichte über Konzerte, Bootlegs und Erinnerungsstücke aus dem PC69 folgen nach und nach und ergänzen die umfassende Konzertliste des Clubs.

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