Mein Blogpost zum großen Jubiläum
Technik verändert sich in einem rasenden Tempo. Was heute brandneu ist, kann morgen schon altbacken sein. Neue Ideen gestalten den Alltag, werden zum Standard oder verschwinden ganz schnell wieder. Das erleben wir seit der Industrialisierung in einer stetig steigenden Geschwindigkeit. Nie hatten wir so viele Möglichkeiten wie heute – und morgen sind es noch mehr.
Vor diesem Hintergrund ist es schon erstaunlich, dass dies bei der Eisenbahn scheinbar nicht gilt. Seit sage und schreibe 200 Jahren gibt es bei den grundsätzlichen Rahmenbedingungen keine Veränderung. Das Rad-Schiene-System ist immer noch der Standard und hat auf den meisten Teilen der Welt sogar immer noch dieselbe Spurweite, wie die erste Dampfeisenbahn, die der Engländer George Stephenson im Jahr 1825 auf der Strecke von Shildon → Darlington → Stockton-on-Tees in Betrieb nahm. Auch bei den Kupplungen der Fahrzeuge gibt es kaum Veränderungen. Sie wurden über die Jahre zwar verstärkt, jedoch blieb das Prinzip – mit Ausnahme diverser fester Zugeinheiten – gleich. In ähnlicher Weise gilt das auch für das Streckennetz. Der Großteil der Trassen besteht seit mehr als 100 Jahren.
Allerdings gibt es immer wieder Bestrebungen, die Eisenbahn zu modernisieren oder umzugestalten. Aktuell sind dies beispielsweise der Deutschlandtakt, durch den teilweise Streckenverläufe neu entworfen bzw. neu gedacht werden, oder auch die Digitale Automatische Kupplung. Beides sind sehr komplexe öffentliche Projekte, die europaweit stattfinden und ihre Zeit brauchen. Hier stehen Nachhaltigkeit und Effizienz für die nächsten Jahrhunderte im Fokus. Technisch innovativ bzw. kommerziell gesehen ist die bekannteste Modernisierung sicherlich die in Deutschland entwickelte Magnetschwebebahn, die ursprünglich das Rad-Schiene-System ersetzen sollte. Von ihr gibt es heute einige wenige Bahnen auf der Welt, und zwar in Südkorea, China und Japan. Das derzeit schillerndste Projekt befindet sich gerade im Bau, es soll einmal Tokio und Osaka mit einer Geschwindigkeit bis zu 505km/h verbinden.
Die Uhren bei der Bahn ticken langsam
Es gibt also doch Veränderungen, nur ist der Rhythmus sehr langsam. Als Resultat sehen wir gerade, dass sich die Welt viel schneller dreht, als sich die Eisenbahn entwickeln konnte. Dies führt zu tiefgreifenden Herausforderungen, die teils immer wieder an den Grundfesten scheitern. Fehlentscheidungen und Misswirtschaft in Deutschland lasse ich hier mal außer Acht. Der Handlungsdruck steigt weltweit und vieles ist überfällig.
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