Diese Liste dokumentiert die Diskotheken- und Clubgeschichte Bielefelds von den 1960er-Jahren bis heute.
Sie basiert auf zeitgenössischen Quellen, Erinnerungen, eigenen Aufzeichnungen, vielen Gesprächen sowie Presseberichten und wird laufend aktualisiert.
Wer mich kennt, weiß, dass auch ich in der Szene aktiv bin. Mir geht es dabei jedoch nicht um ein einzelnes Genre, sondern um den Blick auf das Ganze. Immer wieder tauchen Fragen auf, wann eine bestimmte Stammdisco existierte, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt hieß oder welche Orte sich im Laufe der Jahre verändert haben.
Diese Liste soll darauf Antworten geben – und dem einen oder anderen ehemaligen Betrieb ein kleines Denkmal setzen.
Für Vollständigkeit und Korrektheit ist Mithilfe ausdrücklich willkommen. Wer Informationen oder Korrekturen beisteuern kann, möge sich gern über die Kommentare melden.
Obwohl die Übergänge manchmal fließend sind, bleiben Musikkneipen hier bewusst weitgehend außen vor, um den Rahmen nicht zu sprengen. Ich bitte das bei Vorschlägen zu berücksichtigen.
Für die Dokumentation ist es ein günstiger Umstand, dass Diskotheken selten einfach verschwinden, sondern häufig bestehende Konzessionen übernommen werden. Das ermöglicht ein übersichtliches, standortbezogenes Bild. Die Liste ist alphabetisch sortiert – entweder nach dem jeweils letzten Namen oder nach dem geläufigsten, von Abajo bis Zweischlingen.
Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2026
Direkt-Links zu den Diskotheken in Bielefeld
Wie oben erwähnt bezieht sich also jede der folgenden Beschreibungen auf einen Standort, gefolgt von einer Zeitleiste. An vielen Standorten eröffneten nacheinander verschiedene Diskotheken. Die folgenden Links listen alle Diskotheken alphabetisch und bringen euch direkt zum richtigen Standort:
- Abajo
- AJZ
- Ambassador Club
- B-Movie
- Baccara
- Badewanne
- BE-KA-DE
- Bielefelder Ballhaus
- Bierbörse
- Bierdorf
- Big-Ben
- Bijou
- Bitches Brew
- Black Betty
- Boca Chica
- Bugatti
- Bunker Ulmenwall
- Break-Inn
- Cadillac
- Cafe Europa
- Cafe Europa ’90
- Cantine
- Carussell
- Charly Banana
- Chattanooga
- Cicero
- Circus, Circus
- Club 1 Milion
- Club Atelier
- Club Bielefeld
- Chanel
- Comeback
- Come Down
- Cuba Libre
- Cutie
- Cutty Sark
- Die Hütte
- Derby
- Destinys
- Dings-Bums
- Dixi
- Downtown
- Drive In
- Drops
- Drugstore
- Elephant Club
- Eisenhütte
- Elfenbein
- Elysium Club
- Esquire
- Ex
- Euro-Club
- Falkendom
- Far Out
- Farinda Club
- Filou
- Flash
- Forum Bielefeld
- Forum Enger
- Gesellschaftshaus
- Go In
- Gretna Green
- Gurke
- Heat
- Hechelei
- Heimatliebe
- Hellepark
- Herz As
- Hinterzimmer
- Inside
- JazzClub Bielefeld
- Journal
- Jugendzentrum Jöllenbeck
- JZ Stricker
- Kamp
- Kronenkeller
- Las Vegas
- Level
- Living Room
- Lokschuppen
- Madhouse
- Mambo
- Mazzo
- Mick-Mack-Gasse
- Mikado
- Movie
- Musikladen
- Nachtarena
- Nachtrock
- Nachtwerk
- Neon’s
- Neon’s 2000
- Neuroserve
- Nox
- Nr.z.P.
- Old Camp – Buschkamp
- Old Crow
- Opera
- Ostbahnhof
- Orfeu Negro
- Papagayo
- Pappelkrug
- Paradiso
- Paramount-Tanzcafé
- Parapluie
- Parapluie (2)
- Partydorf
- Pasha Dance Club
- Passpartout
- PC69
- Pelican-Club
- Playboy Beach Club
- Prime
- Princess
- Queen’s Pub
- Ranch
- Remember
- Rendevous
- Ringlokschuppen
- Rubin Club
- Salon Lounge Club
- Saloon 1900
- Sam’s
- Sam’s (2)
- Shake
- Skala
- Sloopy
- Sloopy (2)
- Sound
- Spartacus
- Stadtpalais
- Star-Club
- Stereo
- Studio – Club-Drugstore
- Studio-X
- Studio 9
- Sub
- Subito
- Subway
- Swing
- Theatron
- Tiffany
- Titanic
- Tolstefanz
- Triebwerk
- Trocadero
- Trocadero (2)
- Tronix
- Underground
- Volkshaus Sudbrack
- Warehouse
- Western-Saloon
- ZAK Jöllenbeck
- Zazoo
- ZK
- Zitti
- Zorba the Buddha
- Zweischlingen
Abajo
Breite Str. 47, 33602 Bielefeld
Als die Tanzschule Weissenberg im Januar 1995 ihren neuen Bielefelder Standort in dem 1884 erbauten Gebäude eröffnete, befand sich im Gewölbekeller des Hauses bereits seit 1977 die Gaststätte Hannen Fass. Klaus Groth, der von Beginn an Geschäftsführer der Tanzschule war, wurde nun auch Betreiber dieser Gaststätte.
Im November 2004 änderte Groth das Konzept des Hannen Fass und eröffnete in den rund 250 m² großen Räumen die Diskothek Abajo. Der Name kommt aus dem Spanischen, bedeutet „unten“ und weist auf die Lage der Disco im Kellergeschoss hin. Geöffnet war sie von donnerstags bis samstags und bot musikalisch einen Mix aus Funk, Soul, R’n’B, Latin-House und aktueller spanischer Partymusik.
Nach rund drei Jahren wurde das Abajo geschlossen, und die Räume gingen in die Nutzung der Tanzschule über.
Zeitleiste
- 08. Januar 1995: Eröffnung der Tanzschule Weissenberg an diesem Standort
- November 2004: Eröffnung des Abajo
- Frühjahr 2007: Schließung des Abajo
AJZ
Heeper Str. 132, 33607 Bielefeld
Das Arbeiterjugendzentrum Bielefeld (AJZ) ist eines der ersten autonomen Jugendzentren in Deutschland und seit seiner Gründung selbstverwaltet. Es entstand aus der Besetzung des „Haus der offenen Tür“ (HOT) in der Poststraße in Bielefeld-Brackwede am 21. April 1973. Nach fünf Tagen der Besetzung wurde das Gebäude am 26. April 1973 von der Polizei geräumt. Daraufhin wurde im August 1973 der „Verein zur Einrichtung und Förderung eines unabhängigen Arbeiterjugendzentrums Bielefeld-Brackwede e.V.“ gegründet, der im Dezember desselben Jahres als förderungswürdig anerkannt wurde. Im Mai 1974 konnte ein Gebäude der Fahrradsattelfabrik Dargel in der Heeper Straße angemietet werden, das bis zum Herbst 1974 renoviert wurde. Im Juli 1978 wurde das Haus gekauft und bis 1991 vollständig abbezahlt. Von Beginn an ist das AJZ unter anderem ein Raum für Konzerte und Discoveranstaltungen und ist fester Bestandteil der Bielefelder Subkultur.
Ein Beispiel für regelmäßig stattfindende Discoveranstaltungen ist das Unter Null Festival. Nennenswert bei den Konzerten sind beispielsweise die Politpunk Band Feine Sahne Fischfilet, Cock Sparrer, D.O.A. und Bad Religion.
Zeitleiste
- 21. April 1973: Besetzung des HOT Brackwede
- 26. April 1973: Räumung des HOT durch die Polizei
- 1. Mai 1974: Anmietung des Gebäudes in der Heeper Straße
- Juli 1978: Kauf des Gebäudes
Ambassador Club
Am Sparrenberg 2, 33602 Bielefeld
Die Brüder Hermann und Wilhelm „Willy“ Bickhoff waren sehr bekannte Gastronomen in Bielefeld. Bereits 1942 kaufte ihr Vater das Gebäude unterhalb der Sparrenburg, in dem später auch der Ambassador Club seine Pforten öffnete. Vor dem Kauf des 1898 erbauten Gebäudes war dort anfangs eine Bäckerei ansässig. Später, von 1932 bis 1955, befand sich dort das vom Konditor Paul Halemeier betriebene Café Krück. Anschließend zog noch der Pächter Hans Ritter mit seiner Gaststätte Oase in die Räume, bevor sie die Brüder Bickhoff selbst übernahmen.
Mit den Uhu-Stuben fing alles an
Beide absolvierten zunächst eine gastronomische Ausbildung in Bad Meinberg. 1957 eröffneten sie dann im besagten Haus in den ehemaligen Räumen der Oase die Uhu-Stuben. Der interessante Name dieses gutbürgerlichen Restaurants sollte an eine Zeit erinnern, als der Uhu noch aus den Gemäuern der Sparrenburg gerufen haben soll – inzwischen gibt es sie ja wieder im Teutoburger Wald. In den jetzt vollkommen neu ausgestatteten Räumen wurde Wert auf eine Wohlfühlatmosphäre gelegt, neben der „guten Küche“ gab es dezente Musik aus einer Musiktruhe. In dieser Zeit wurde hier nicht getanzt und es gab auch keinen Nachtbetrieb.
Doch das war nur der Anfang der gastronomischen Aktivitäten, denn bis Mitte der 1960er Jahre betrieben die Bickhoff-Brüder in Bielefeld bereits drei weitere Bars: Die Berlonia-Bar an der Herforder Str. 31 (Berliner Platz), der Mocambo-Club in Senne 1, Windflöte und die La-Paloma-Bar an der August-Bebel-Str. 16 (dazu mehr unter Saloon 1900).
Hermann und Willy Bickhoff sahen sich in dieser Zeit zusammen mit dem Hamburger Innenarchitekten Herbert Kubik aber auch in Hamburg um. Dort gab es bereits einen von damals neun Ambassador Clubs in Deutschland. Es handelte sich dabei um ein Gastro-Konzept im altenglischen Stil, das damals schon als Beinamen die Kurzform „AC“ hatte. Die Hausspezialität unter den Getränken war, treu dem englischen Style, Whisky.
Der Umbau zum Ambassador Club
Sie beschlossen daraufhin, in Bielefeld den zehnten Ambassador Club zu eröffnen. 1965 begannen dann aufwendige Umbauarbeiten in den Räumen der Uhu-Stuben, die insgesamt 200.000 DM kosteten. Dabei wurde darauf geachtet, dass alles, was echt aussah, auch echt ist. Das betraf beispielsweise auch Hellebarden, die an den Wänden hingen. Für den Umbau wurden auch handgeformte Klinker und Bossensteine verwendet und Kupferelemente kamen aus historischen Beständen. Ab jetzt kam die Musik von einem DJ, es gab ein festes Repertoire an Schallplatten und es gab gleich zwei Tanzflächen. Die Eröffnung des AC am 04. Juli 1965 wurde natürlich groß gefeiert, als Stargast war der Schlagersänger Will Brandes mit dabei.
Udo Jürgens wird Stammgast und weitere Promis folgen
Dieser Hauch von Prominenz setzte sich unmittelbar fort. Bereits im selben Jahr rief eines Abends Udo Jürgens nach einem Konzert an und fragte Herbert Bickhoff, ob er bei ihm noch etwas essen kann. Es musste sich herumgesprochen haben, dass die Küche im AC immer bis 5:00 Uhr morgens geöffnet war. Er erschien schließlich zusammen mit drei Musikern und fühlte sich offenbar so wohl, dass sich eine Freundschaft zwischen ihm und der Familie Bickhoff entwickelte, die ein Leben lang hielt. Auch nachdem er dann 1966 seinen internationalen Durchbruch beim Grand Prix hatte, war er immer wieder zu Gast, wenn er in der Nähe war. Sein weißer Mercedes 600 mit dem Nummernschild aus dem Fürstentum Liechtenstein verursachte dabei des Öfteren etwas Aufsehen, wenn er vorm Ambassador Club stand.
In der Folge kamen auch weitere Stars, wie z.B. Bill Ramsey, Michael Holm, Wolfgang Sauer, Mike Krüger, Ivan Rebroff, Gary Cooper, Hans Albers und Eddi Constantine. Sie kamen meist nach ihren Konzerten oder anderen Auftritten in der Gegend, um sich nach getaner Arbeit im Ambassador Club zu stärken – oder einfach noch ein bisschen zu feiern. Viele Stammkunden schätzten aber nicht nur die ggf. prominenten Tischnachbarn, sondern auch die gewissen Extras des AC, so gab es für einige von ihnen beispielsweise Schließfächer für ihren Whisky. Und es gab auch ein „Tischlein-deck-dich“, der von oben auf die Tanzfläche herabgelassen werden konnte und zum Essen einlud.
Wandel und Wiederaufbau
Willy Bickhoff ging schon 1966 seine eigenen Gastronomie-Wege (Siehe Saloon 1900) und überlies seinem Bruder den Betrieb des Ambassador Clubs. Beide blieben aber geschäftlich miteinander verbunden, unterhielten also weiterhin formell einige Lokale gemeinsam. Die 1970er Jahre waren dann wohl die erfolgreichsten des Clubs. Er gehörte schlicht zu den ersten Adressen der Stadt. Im Dezember 1997 zerstörte ein Brand die Inneneinrichtung. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedete sich dann auch Hermann aus dem aktiven Geschäft. Seine zweite Ehefrau Jutta übernahm nun den Betrieb des AC und eröffnete ihn im September 1998 vollkommen neu aufgebaut unter dem verkürzten Namen Ambassador. Spätestens von nun an kam die Musik nur noch aus einer Musik-Box und vermutlich wurde das Wort „Club“ auch deshalb gestrichen. Ein Discobetrieb war also nicht mehr im Programm. Ab Oktober 2005 wurde der reguläre Betrieb dann geschlossen, jedoch konnte man die Räume noch für private Feiern buchen.
Neustart und endgültiges Ende
Es überraschte so manchen, dass es bereits im Dezember des Jahres weiterging. Unter der Leitung von Olaf Wieschebrock eröffnete der Ambassador Club erneut. Wieschebrock brachte unter anderem Erfahrungen aus dem Cafe Europa und dem Stadtpalais mit. Für den Start wurde etwas in Ton- und Lichttechnik investiert und das Konzept wieder hin zum Discobetrieb gedreht. Auf dem Programm standen House, Funk, Club- und Dance-Classics. Auch Liveauftritte und andere Shows waren geplant.
Schließlich musste das stark sanierungsbedürftige Gebäude jedoch im Oktober 2006 zwangsversteigert werden. Der Verkehrswert des äußerlich imposanten und geschichtsträchtigen Bürgerhauses in allerbester Lage belief sich zu diesem Zeitpunkt nach offizieller Schätzung nur noch auf 358.250€. Die Versteigerung besiegelte dann auch das endgültige Ende des Ambassador Clubs.
Zeitleiste
- 1942: Erwerb der Immobilie
- 10. August 1957: Eröffnung der Uhu-Stuben
- 04. Juni 1965: Eröffnung des Ambassador Clubs
- 1966: Ausstieg von Willy Bickhoff
- Dezember 1997: Ein Brand zerstört die Inneneinrichtung
- 1998: Ausstieg von Hermann Bickhoff
- September 1998: Wiedereröffnung nach Neuaufbau als Ambassador, Betreiberin jetzt Jutta Bickhoff
- Oktober 2005: Schließung des Ambassador
- 10. Dezember 2005: Neueröffnung als Ambassador Club
- 2006: Schließung des Ambassador Club
- 12. Oktober 2006: Zwangsversteigerung des Hauses
B-Movie / Sound / Euro-Club
Hauptstraße 203, 33647 Bielefeld (Brackwede)
Die am 19. September 1973 im ehemaligen Kino Melodie-Filmtheater in Bielefeld-Brackwede eröffnete Diskothek Euro-Club war bekannt für Liveauftritte vieler Schlagerstars. Die Liste der Gigs liest sich wie das „Who’s Who“ der 70er-Jahre Hitparade: Marianne Rosenberg, Karel Gott, Chris Montez, Billy Ocean, Costa Cordalis, Ben E. King, Percy Sledge, Hoffmann & Hoffmann, Boney M., Peter Maffay, Wolfgang Petry, Howard Carpendale, Baccara, usw.. Im Sommer 1982 zog der Euro-Club aus und wurde am 08. Dezember 1982 in der Diebrocker Str. 454 in Herford-Eickum neu eröffnet.
Unterdessen war in Bielefeld-Brackwede bereits der Nachfolgebetrieb Sound am Start. Die Betreiber Heinz und Egon Eichler hatten den vormaligen Euro-Club bewusst „entnobelt“ und nun eine Diskothek für Rockmusik eröffnet. Das kommerzielle Konzept beider war, die Diskothek ohne übergroße Aufwände zu betreiben, um dafür die Preise moderat halten zu können. Etwa ein Jahr später wurde das Sound allerdings wieder geschlossen.
Vom Sound zum B-Movie
Direkt im Anschluss eröffnete dann das B-Movie, das vielen Nachtschwärmern noch als gute Adresse für Prog Rock und anderes alternatives Discoprogramm in Erinnerung ist. Geschäftsführer war wieder Egon Eichler, der den Club jetzt zusammen mit seiner Frau Brigitte betrieb, die wiederum Inhaberin war. Das Konzept blieb weitestgehend bestehen und die Preise damit auch weiterhin moderat. Die Gäste dankten es ihnen und wuchsen mit den Betreibern und Mitarbeitern zu einer „großen Familie“ zusammen, bei der es sehr selten Ärger gab. Aus diesem Grund gab es beim B-Movie auch keine Türsteher oder sonstige Security. Und gab es doch mal Probleme an der Tür, wurden diese von der Kassenkraft gelöst – allermeistens auf kommunikative Art.
In der Anfangszeit gab es im B-Movie auch einige Konzerte. Aus Rücksicht auf die Anwohner wurde dieses Thema aber kurze Zeit später nicht weiter verfolgt. Ein Beispiel aus früher Zeit ist aber der gefeierte Auftritt von Nina Hagen & The No Problem Orchestra. Auch zu Gast war die Jazzrock-Band Kraan.
Zeitleiste
- 19. September 1973: Eröffnung des Euro-Club
- 05. September 1979: Neueröffnung des Euro-Club nach Renovierung
- 18. Juni 1982: Wiedereröffnung als Sound
- 21. Mai 1983: Wiedereröffnung als B-Movie
- 1994: Schließung des B-Movie
Badewanne / Studio – Club-Drugstore / Studio-X
Teichstraße 17, 33602 Bielefeld
Eine turbulente Geschichte ist die des Studio-X in der Teichstraße. Sie wurde von Horst-Dieter Wehking geführt. Dieser war ein erfolgreicher Gastronom aus Minden, der unter anderem dort auch das Studio-M und später beispielsweise auch das Rodeo in Bad Oeynhausen betrieb. In Bielefeld lief aber augenscheinlich einiges schief.
Lärm, Beschwerden und verkleidete Polizisten
Alles begann mit Beschwerden der Anwohner, bei denen es hauptsächlich um den Lärmpegel der an- und abreisenden Gäste sowie der derjenigen, die im Außenbereich feierten. Es ging also nicht um die Lautstärke der Musik im Inneren. Was ähnlich klingt wie das Schicksal, das 35 Jahre später den Falkendom ereilte, war beim Studio-X aber nur der leise Anfang. Die Anwohner beschwerten sich nämlich auch, dass draußen Zigaretten herumgereicht wurden, und mutmaßten, dass dies Drogen waren. Das veranlasste die Polizei, Ermittlungen aufzunehmen. Ab August 1970 besuchten dann regelmäßig Zivilpolizisten die Diskothek. Zivil bedeutete in diesem Fall, sie waren – kein Scherz – verkleidet als Hippies.
Die Beschwerden gingen derweil weiter. Es gab einen Beschwerdeführer in der Teichstraße, der dem Ordnungsamt einen Brief mit 50 Unterschriften übergab. Auch Wehking blieb nicht untätig, er übergab einen Brief mit 200 Unterschriften, in dem die Sicht der Gäste dargestellt wurde. Im September desselben Jahres gab es dann eine Aussprache im Studio-X mit Betreiber und Anwohnern. Bei Kaffee und Kuchen wurde diskutiert, während auf der Bühne die Jungs der Band Status Quo standen und eigentlich die Instrumente für ihr Konzert am Abend stimmen wollten – was aber aufgrund der angespannten Situation im Raum nicht möglich war. Der Dialog hatte Vorrang.
Drogenfahndung und Schließung des Studio-X
Ende Oktober gab die Polizei dann eine große Pressekonferenz, in der sie die Ermittlungsergebnisse vortrugen. Es hieß, dass das Studio-X ein Hauptumschlagplatz für Drogen sei, also dort nicht nur Drogen konsumiert wurden, sondern dass Dealer aus dem ganzen Land dort anreisen, um ihre Ware zu verkaufen. Darunter neben Cannabis auch Heroin, Kodein und LSD. Es gab auch „grünen Türken“ und „roten Libanesen“ im Angebot, was spezielle Cannabis-Sorten waren. Ein polizeibekannter Großdealer aus Berlin, der „Eisbeinpeter“ genannt wurde, war auch vor Ort gesichtet worden. Gäste verabreichten sich ihre Drogen oft in der sogenannten „Haschecke“ oder konsumieren offen an der Theke, wo auch die Thekenkräfte gern mit Feuer behilflich gewesen sein sollen. Drogengeschäfte würden meist im Toilettenvorraum gemacht. Ein LSD-Konsument gab nach Polizeiangaben auch an, dass er glaubte, „in einer großen Blume zu sitzen“.
Etwa zur gleichen Zeit wurde das Studio-X von der Polizei geschlossen und versiegelt – auf Anordnung des Verwaltungsgerichts Minden. An der Eingangstür hing ein Zettel mit „Diese Gaststätte ist ordnungsbehördlich geschlossen“. Daneben hing ein weiterer, der vom Betreiber stammte und auf dem zu lesen war, es sei nur eine vorübergehende Maßnahme.
Neues Konzept, neue Zielgruppe
Im Februar 1971 durfte das Studio-X erneut öffnen – und zwar als „Tanzbar mit Singspielerlaubnis“, also nicht als Diskothek. Die Konzession wurde an Hannelore Mehlitz vergeben, die eine Bekannte von Horst-Dieter Wehking war. Wehking selbst, der den Behörden Aussagen wie „Eine Diskothek ist doch kein Kloster“ teils negativ auffiel, wurde eine Konzession explizit verwehrt. Es ging also weiter, irgendwie.
Neustartversuch als Studio – Club-Drugstore
Tatsächlich eröffnete bereits im selben Monat das Studio – Club-Drugstore. Man bat dabei in der Werbung um Verständnis, dass „nur Gäste ab 18 Jahren in gepflegter Garderobe“ eingelassen werden. Doch das Konzept hielt sich nicht lange.
Der Beiname „Club-Drugstore“ deutet jedenfalls auf eine mögliche Verbindung mit der Diskothek Drugstore in Brackwede hin, die etwa ein bis zwei Jahre zuvor geschlossen wurde.
Neustart als Badewanne
Im November des Jahres eröffnete in den Räumen dann die Badewanne, die einer ganzen Generation von Rockfans eine Heimat war. Der Name dürfte sich auf das etwas schief dastehende Gebäude beziehen. Wer der oder die Initiatoren waren, oder wer ab nun die Badewanne geführt hat, ist nicht dokumentiert. Nicht zuletzt, weil die Presse damals noch nicht über Underground berichtete – es sei denn, es ging um Drogen. Später war Jochen Chudzik Geschäftsführer, der zuvor an der Theke gearbeitet hatte – und der nach der Badewannenzeit ein bekanntes Gesicht hinter den Theken des Sam’s und der Wunderbar war. Weitere Hinweise dazu bitte gern in die Kommentare.
Von Black Sabbath bis Scorpions
Das Salz in der Suppe waren wie so oft die Live-Auftritte. Black Sabbath und wie erwähnt Status Quo (beide noch im Studio-X), Kraan, Uriah Heep, Birth Control und die Scorpions waren dabei und hatten als junge Bands den Club gerockt. Klaus Meine, Frontmann der Scorpions, fragte 2011 bei einem Konzert im Ravensberger Park ins Publikum, ob noch jemand die Badewanne kennt und ergänzte „Ich hatte mich da beim Sprung ins Publikum am Kronleuchter verletzt…“. Status Quo waren nach eigener Aussage sogar Stammgäste im Studio-X, denn in dieser Zeit waren sie oft in Bielefeld. Erwähnenswert ist auch Hannes Wagner (alias DJ Hannes), der ab 1984 das Freitagprogramm im PC69 initiierte; er machte hier seine frühen Erfahrungen als DJ.
Ende und Abriss
Die Badewanne musste schließen, als das gesamte Viertel wegen des im Bau befindlichen Ostwestfalendamms und des neuen Parkhauses an der Jöllenbecker Straße abgerissen wurde. Zur Abschiedsfeier sollen etwa 1600 Gäste gekommen sein.
Das schiefe Gebäude mit dem durchhängenden Dach hatte übrigens auch eine interessante Vorgeschichte. Es war der erste Lebensmittelmarkt von Wilhelm Jittenmeier, also eine Art „Ur-Markt“ der bekannten Kette JIBI („Jittenmeier-Bielefeld“), die 1962 gegründet wurde.
Zeitleiste
- 1970: Eröffnung des Studio-X
- August 1970: Beginn von verdeckten Ermittlungen der Polizei
- 29. Oktober 1970: Pressekonferenz der Polizei zur Vorstellung der Ermittlungsergebnisse
- Ende Oktober 1970: Das Ordnungsamt versiegelt das Studio-X
- Februar 1971: Neue Konzession, es geht weiter als Tanzbar
- 13. Februar 1971: Wiedereröffnung als Studio mit dem Beinamen Club-Drugstore
- November 1971: Wiedereröffnung als Badewanne
- 03. November 1980: Schließung der Badewanne
- November 1980: Abriss
Bielefelder Ballhaus
Detmolder Str. 241, Bielefeld
Ein vielschichtiger Gegenentwurf zu fast allen hier aufgeführten Discos war das Bielefelder Ballhaus. „Bielefeld“ trägt es im Namen, um es beispielsweise nicht mit dem Ballhaus Felsenkeller in Höxter zu verwechseln, das 2006 abbrannte. Betreiber Günter Hengsbach, der hauptberuflich eigentlich Spediteur war, hatte für sein Ballhaus in Bielefeld-Sieker eine ganz spezielle Herangehensweise. „Frauen sind bei uns die Nummer eins“, sagte er und meinte es damit ernst. Schon auf dem Parkplatz wurden den Damen die Autotüren sanft von Parkwächtern geöffnet, sie sollten sich bei ihm sicher fühlen. Das Prinzip war natürlich ehrenwert und sinnvoll, folgte damit aber einer alten Weisheit unter Discobetreibern: Wenn du die Frauen in den Laden bekommst, brauchst du dich um die Männer nicht zu kümmern, denn die kommen dann von ganz allein. Viele Clubs beachteten das bei ihrem Marketing und machten Frauen zu ihrer eigentlichen Zielgruppe. Bei Hengsbach wurde es aber gelebt.
Damenwahl im Fachwerkhaus
Der Club war in einem damals schon etwa 250 Jahre alten Fachwerkhaus untergebracht, das etwa 500 m² Fläche bot. Das Ambiente war rustikal und die Musik war „nicht zu laut“, denn man sollte sich unterhalten können. An den Wänden waren Malereien angebracht, eine davon mit dem Spruch „Ofen warm, Bier kalt, Weib jung, Wein alt“. Der DJ spielte deutsche Hits und englische Oldies für eine Zielgruppe von 20 bis 60 Jahren und machte zwischendurch Witze. Bei „Kiss In The Night“ von Tony Christie ging das Licht an und es war Damenwahl. Ansonsten wurden eher die Damen zum Tanz aufgefordert. Hin und wieder gab es auch Konzerte. Beispielsweise war Roy Black kurz vor seinem Tod dort und auch G. G. Anderson trat auf.
Das klingt für selbst die 1990er Jahre wie etwas aus der Zeit gefallen und geht eher Richtung Trocadero oder dem Cafe Europa in den 1950ern – das Konzept hat aber funktioniert. Hengsbach hatte eine Lücke bedient, die er ganz in seiner Art ausfüllte. Als er 2005 mit nur 55 Jahren starb, wurde das Bielefelder Ballhaus geschlossen.
Zeitleiste
- 1989: Eröffnung des Bielefelder Ballhaus
- 2005: Schließung des Bielefelder Ballhaus
Bierbörse / Club Bielefeld / Pasha Dance Club
Boulevard 3, 33613 Bielefeld
Der Pasha Dance Club eröffnete 2006 zusammen mit der Bierbörse am neuen Boulevard. Beide Clubs waren und sind räumlich direkt miteinander verbunden. Während die Bierbörse das bekannte Gastronomiekonzept umsetzt und dies mit Partyschlager untermalt, setzt der angrenzende Club auf Black-Music und Mainstream-Discosound. Nach gut zwölf Jahren wurde der Pasha Dance Club aufwendig umgestaltet und im folgenden Jahr als Club Bielefeld wiedereröffnet.
Zeitleiste
- 2006: Eröffnung als Pasha Dance Club und der Bierbörse
- 2018: Neugestaltung des Pasha Dance Club
- Januar 2019: Umbenennung des Pasha Dance Club in Club Bielefeld
Black Betty
Niederwall 42, 33602 Bielefeld
Im April 1990 eröffnete Betty Wagner in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Intermezzo das Black Betty. Die Namensgebung der Diskothek war nicht nur durch ihren Vornamen naheliegend, denn die ehemalige Mitinhaberin des Ende 1988 geschlossenen Helleparks führte hier dessen Hard & Heavy-Programm fort. Der Titel „Black Betty“, entliehen von der Band Ram Jam, brachte es also auf den Punkt.
Zeitleiste
- April 1990: Eröffnung des Black Betty
- ca. 1991: Schließung des Black Betty
Boca Chica
Oberntorwall 15, 33602 Bielefeld
Das Boca Chica wurde je nach Definition als Diskothek oder Tanzbar gesehen, hatte aber vor allem Kultstatus. Es wurde 1991 von Hamburger Gastronomen als Cocktailbar eröffnet. Als diese bereits nach einem Jahr aufgaben, übernahmen Christian Schulz und Detlef Rübenbach den Betrieb. Schulz führte nebenan bereits den Pflaumenbaum und er erweiterte mit dem Boca Chica sein Gastronomieangebot. Die Wiedereröffnung wurde mit dem Live-Act Trio Fantastico zelebriert. Unter dem Motto „Mexican Bar“ wurde Latino-Musik gespielt, die Tanzfläche aber auch für Salsa-Kurse genutzt. Später wechselte Schulz in den Seekrug am Obersee und auch Rübenbach ging von Board. In der Folge übernahm Ehab Tanus das Boca Chica, bis es 2010 schloss und das Mojitos einzog.
Zeitleiste
- 1991: Eröffnung des Boca Chica als Cocktailbar
- 25. Januar 1992 Wiedereröffnung, Christian Schulz und Detlef Rübenbach sind Betreiber
- 1995: Übernahme des Betriebs durch Ehab Tanus
- 23. Januar 2010: Schließung des Boca Chica
Bunker Ulmenwall
Kreuzstraße 0, 33602 Bielefeld
Der Bunker Ulmenwall wurde 1939/40 als Luftschutzbunker gebaut und entwickelte sich seit den 1950er-Jahren vom Treffpunkt für Jugendgruppen und Jazzliebhaber zu einem überregional anerkannten Kultur- und Veranstaltungsort. Heute ist er bekannt für sein uriges Ambiente, das von Besucherinnen und Besuchern liebevoll „Toaster“ genannt wird. Und die Hausnummer „0“ gibt es wohl auch nicht so oft. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf Jazz, Popmusik, Lesungen, Poetry Slams und junger Kulturarbeit. Discoveranstaltungen gibt es auch, sind aber eher eine Randerscheinung. Getragen wird er vom gemeinnützigen Verein Bunker Ulmenwall e. V.. Für seine kulturelle Bedeutung wurde das „Haus“ mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem deutschen Spielstättenpreis 2013 und dem WDR Jazzpreis Ehrenpreis 2018.
Zeitleiste
- 1939/40: Bau des Sanitätsbunkers als Schutzraum gegen Luftangriffe
- 1947: Nutzung durch Jugendgruppen nach Kriegsende
- 1949 – 1954: Puppentheater von Hellmut Selje; ab 1954 Bunkerwartung offiziell
- ab 1950er-Jahre: erste Jazzveranstaltungen
- 1961: Offizielles Kultur- und Studentenclubheim
- 1996: Gründung des Bunker Ulmenwall e. V., Übernahme der Trägerschaft vom Jugendamt
- 2013: Kulturzentrum auf „Rote Liste Kultur“ gesetzt (Gefährdungskategorie 2)
- 2013: Deutscher Spielstättenpreis
- 2018: WDR Jazzpreis (Ehrenpreis für den Bunker)
Cafe Europa und Namensvarianten
Jahnplatz 4, 33602 Bielefeld
Das Cafe Europa ist eine traditionsreiche Diskothek am Jahnplatz, die ursprünglich 1930 als Tanzcafé im damals neu erbauten Haus der Technik eröffnet wurde. Auf dem Dach des Gebäudes war ein 6m hoher Lichtturm installiert, der ein Symbol für die aufstrebende Großstadt war. Die Einwohnerzahl hatte zum selben Zeitpunkt durch Eingemeindung die Marke von 100.000 überschritten und so markierte die Eröffnung des Cafe Europa auch gleichzeitig der Start Bielefelds in eine neue Ära für Bielefeld. Man ging nachmittags ins Cafe Europa zum „Tanztee“ mit dem Tangogeiger, der mit seinem Instrument behände von Tisch zu Tisch schritt. Abends traten namhafte Kapellen oder auch Alleinunterhalter und Conférenciers auf. Diese Mischung aus Musik und Varieté machte das Cafe Europa weit über die Grenzen Bielefelds bekannt.
Zerstörung und Wiederaufbau
Am 06. August 1944 wurde das Gebäude von sieben Bomben getroffen und weitestgehend zerstört. Mit dicken Balken und Trägern stützte man die Fassade, um die letzten Überreste vor dem Einsturz zu bewahren. Das Bauaufsichtsamt forderte damals den Abriss, was den Glauben vieler Bürger an einen Wiederaufbau vorerst zunichte machte. Doch nach dem Krieg begann man ab 1949 mit den Aufbauarbeiten und rekonstruierte das Innenleben zeitgenössisch. Die Galerie unterbrach man dabei über dem Orchesterpodium und fügte dort das „Europa-Stübchen“ ein. Schon ab demselben Jahr etablierte es sich als Treffpunkt mit Tanz- und Musikangeboten. So traten beispielsweise einige Big-Bands auf oder es fanden Tanzturniere statt. Ab 1958 hatte dann Harry Diehl-Renard, der „schmunzelnde Philosoph mit dem Klavier“, eine tägliche Show, bei der er im Schwarzen Smoking Kabarett bot. Typisch für diese Zeit waren auch die installierten Tischtelefone, mit denen man „fernmündlich“ Kontakt zu Gästen aufnehmen konnte, die an anderen Tischen saßen.
Wandel in den 1970ern
Ab den 1970er Jahren ging es bergab. Das Fernsehen nahm dem Cafe Europa die Gäste, sodass auch der „Tanztee“ nicht mehr funktionierte. Die Band aus Liverpool, die sonst das Programm gestaltete, verlies dabei das „sinkende Schiff“ auf eigene Faust und verlagerte ihre Wirkungsstätte in andere Beatlokale der Stadt. Zurück blieb ein Scherbenhaufen in vielerlei Hinsicht.
Comeback, Zitti & Swing: Neue Disco-Konzepte, neue Namen
Ab Oktober 1978 begann unter dem Namen Comeback das Disco-Zeitalter. Betreiber waren Karl Linnenbürger und Roland Sanner. Letzterer war auch bekannt als DJ Don Rolando, er versprach ein Repertoire von 70.000 Plattentiteln. Für den Neustart hatten sich beide gut ein Vierteljahr Zeit genommen, um längst überfällige Modernisierungen umzusetzen. Zur Eröffnung holten sie prominente Unterstützung: Zu Gast waren der Ur-DJ Chris Howland sowie Graham Bonney mit seiner Band.
Es gab auch weitere Gastauftritte im Comeback, Stars wie Roland Kaiser, Juliane Werding, Christian Anders, Graham Bonney, Martin Mann, das Duo Baccara, Roberto Blanco, Bernhard Brink, Dunja Rajter, Andy Borg oder Howard Carpendale gaben sich die Klinke in die Hand.
Nach der Schließung des Comeback folgte 1984 die Wiedereröffnung als Zitti. Der Name war eine lustig gemeinte verdeutschte Abwandlung des Worts „City“. Die neuen Pächter waren Werner Held und Bernd Schadebrodt, die beide einige Erfahrungen aus der Gastro-Branche mitbrachten. Werner Held führte zuletzt das Black Bird in der Arndtstraße 21, dort, wo später die Wunderbar einzog. Beide hatten ein Faible für nostalgische Dinge und boten gemischte Musik für Leute zwischen 20 und 40 Jahren. Sie sahen das Zitti jedoch nicht als Disco, sondern eher als „Kommunikationszentrum mit Veranstaltungscharakter“. Es war sieben Mal die Woche geöffnet und an drei Tagen (Di, Do, Sa) gab es Live-Musik verschiedenster Art. Neben viel Irish Folk Musik sind die Auftritte von Trio Rio und der Post-Punk Band No More nennenswert. Nach etwa einem Jahr starteten die Betreiber eine Umbauphase, nach der die den Club unter dem Namen Swing neu eröffneten. Leider brachte der Aufwand nicht den erhofften Erfolg.
Wieder mehr historischer Charme mit der Diskothek Opera
Nach der kurzen Zitti / Swing-Ära folgte im Mai 1986 die Wiedereröffnung als Opera. Betreiber waren jetzt Gerhard „Gerd“ Günzel, zuvor Betreiber des Bijou, und Bernd Schoenfelder, sein Resident DJ von dort. Zusammen mit zwei weiteren Teilhabern hatten sie für den Club die Borg GmbH gegründet, über die sie etwa 300.000 DM in den Umbau investierten. Dabei wurde die Tanzfläche etwas höher gelegt und mit einer glänzenden Metallschicht überzogen. Über ihr legten sie einen verborgenen Kranz frei, den sie indirekt beleuchteten. Zudem machten sie überall zuvor verdeckten Stuck wieder sichtbar und holten auch alte überstrichene Holzvertäfelungen wieder zum Vorschein. Große Spiegel sorgten für eine edle Optik. In einem Nebenraum gab es nun den „Blauen Saloon“, in dem keine Musik lief und der für ausgiebige Plaudereien vorgesehen war.
Das Charly Banana bringt Club-Charts ins Gemäuer
Bereits im November desselben Jahres eröffneten die Betreiber mit einem neuen Konzept erneut, jetzt unter dem Namen Charly Banana. Ab diesem Zeitpunkt wurden Disco-Charts und Mainstream gespielt und durch den bereits laufenden Niedergang des Zazoo begünstigt lief es zunächst sehr gut. Im Charly Banana legte nun der aus den Niederlanden stammende DJ Woody van Eyden auf, der später Karriere im Musikgeschäft machte und beispielsweise auch beim Sender Viva einige Folgen der „Club Rotation“ moderierte.
Zurück zum alten Namen – vorerst
1988 gab es dann den nächsten Betreiber- und Namenswechsel und es folgten erneut Umbauarbeiten. Es war jetzt ein Stück weit die Rolle rückwärts, denn ab Mai des Jahres hieß der Club wieder Cafe Europa, der nun unter der Leitung von Roland Pischke stand. Später stieß auch Thomas „Thommy“ Riekenberg, der zuvor das Zazoo leitete, zum Betreiberkreis hinzu. Die Rolle rückwärts betraf auch die Ausstattung, die sich nun erneut wieder stärker an den alten Zeiten orientieren sollte. Die Designer Gerd Becker und Cornelius Brand studierten dafür etliche alte Fotos und andere historische Unterlagen, um sich dem alten Charme wieder anzunähern. So wurden beispielsweise im Treppenhaus Messing-Lampen aus dem alten Kino Astoria installiert. Nicht ganz perfekt in dieses Konzept passte dann allerdings das Deko-Highlight des Clubs, denn dies war ein großes Pappmaché Flugzeug, das aus der Wand ragte. Gespielt wurde zunächst Mainstream und ab Oktober/November 1989 dann Acid. Als die Acid-Welle vorüber war, ging es bergab und das Cafe Europa wurde wieder geschlossen. Roland Pischke war jedoch Inhaber eines langfristigen Pachtvertrags und blieb (vermutlich bis 2001) Vermieter der folgend aufgeführten Nachfolgebetriebe.
Die nächste Umbenennung ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im August 1990 eröffnete das Cafe Europa ’90 unter der Leitung von Peter Niewöhner, Sabine Streich und Katrin Wulf. Das Flugzeug ist nun abmontiert und die Musik wird wieder für ein breiteres Publikum aufgestellt. Leider hält auch dieser Versuch, das Cafe Europa wieder zu beleben, nur etwa ein Jahr an.
Ein Bhagwan-Konzept soll es richten – das Orfeu Negro
Nach einem längeren und sehr kostspieligen Umbau eröffnete 1990 dann eine Bhagwan-Disco mit dem Namen Orfeu Negro. Damit gab es neben dem Far Out eine weitere Osho-Diskothek in Bielefeld. Initiiert wurde der nach einem Film von 1959 benannte Club von Jürgen Birr aus München. Den Betrieb vor Ort übernahmen Nicholas Hoare und Gunnar Rhode, die beide Geschäftsführer und zugleich Inhaber waren. Das ursprüngliche Cafe Europa war kaum wiederzuerkennen, schon allein, weil nun der große Schriftzug am Gebäude abmontiert war. Stattdessen war dort nun in ebenso großen Lettern „Orfeu Negro“ zu lesen. Im Inneren wurden etwa 14 Tonnen Stahl in individuell angefertigte Objekte verbaut. Stühle, freischwingende Regale, lange Theken, Zapfhähne, sonstige Wandobjekte, ein schließfachähnliches Bauwerk an der Tanzfläche mit 300 eingebauten Lampen – alles Sonderanfertigungen. Die Musik kam aus ebenfalls individuell angefertigten Hörnern, die rot lackiert waren und klanglich auf Referenzniveau lagen. Schließlich wurde noch das DJ-Pult auf die rechte Seite versetzt und die Fenster zum Jahnplatz wieder freigelegt. Die Musik orientierte sich an der Londoner Clubszene und war weder Mainstream noch Techno, sondern ging Richtung Acid-Jazz.
Im Nachtrock und im Downtown wird gerockt
Nach der Schließung des Orfeu Negro eröffnete 1992 in den Räumen das Nachtrock, dessen Geschäftsführer Andre Schneider war. Der Betrieb war einer von drei Disco-Pendants zu den Hard-Rock-Cafés, dessen Schwesterläden in Köln und Düsseldorf waren. Ab jetzt waren Hard Rock und Heavy Metal das Musikprogramm. Nach etwa einem Jahr wurde der Club in Downtown umbenannt, wobei das – leider erfolglose – Konzept bestehen blieb. Spätestens im April 1994 erfolgte dann die Schließung aus finanziellen Gründen.
Latino-Partys in der Diskothek Cubra Libre
Noch im selben Jahr eröffnete das Cuba Libre, jetzt mit Latino-Musik, Cocktails und ganzjährig sommerlicher Stimmung. Betreiber war jetzt Andy Fritzen aus München, der zuvor die mexikanische Bar La Cucaracha Tex Mex an der Jöllenbecker Straße 141 betrieb. Er wollte seine dort erfolgreichen Partys jetzt ins Cafe Europa bringen. Das Konzept fand hier jedoch keinen Anklang und so schloss das Cuba Libre kurze Zeit später wieder seine Pforten.
Vermutlich war es auch 1994, als ein neuer Club unter dem Namen Heat eröffnet wurde. Zielgruppe waren jetzt homosexuelle Menschen. Der Betrieb währte nur sehr kurze Zeit und vermutlich ist deshalb auch nichts weiter darüber dokumentiert.
Und nochmal zurück zum Cafe Europa
Es folgte 1995 erneut eine Eröffnung als Cafe Europa. Unter der Leitung von Markus Kirschner wurde House und Techno aufgelegt. Viele bekannte DJs waren hier zu Gast, u.a. Sven Väth und Steve Mason. Meinungsverschiedenheiten mit den Betreibern des Sub aufgrund ähnlicher Programme führten 1997 zu einer Razzia, die dem Ruf des Cafe Europa erheblich schadete. Kurz danach wurde es geschlossen.
In dieser Zeit, genau gesagt zum 01. Januar 1996, wechselte das Haus den Besitzer. Die Erbengemeinschaft Schäfermeier und Jentzsch verkauften es an Ekkehard Risken-Brandburger aus Versmold. Dieser plante ursprünglich nur noch einen Mieter für das gesamte Gebäude ein, bestenfalls ein Kaufhaus. Für die Räume des Cafe Europa lag aber noch ein Mietvertrag bis 2001 vor, was den Bestand erst einmal sicherte. Daher hatte der Verkauf keine Auswirkungen auf den Betrieb der Diskothek.
Diskothek Spartacus: Neuer langer Anlauf – für kurze Existenz
Nach einer 9-monatigen und wieder einmal sehr aufwendigen Umbauphase eröffnete im April 1998 das Spartacus, das die Zielgruppe LGBTQ+ hatte. Betreiber war Markus Stork. Das DJ-Pult war jetzt ein Streitwagen aus Beton, der aufgrund der Statik nach unten verlegt wurde. Auf der Empore gab es jetzt einen Darkroom in Form eines Labyrinths aus diversen Kuschelecken. Das Ordnungsamt verlangte jedoch ein Schallschutzgutachten und gab dem Betrieb zunächst keine Genehmigung, sondern nur eine Duldung. Diese hatte auch nur Geltung, solange es keine Beschwerden der Anwohner gab – welche jedoch unmittelbar folgten. Die durch den Umbau ohnehin angespannte finanzielle Situation stand nun aber den notwendigen Anpassungen beim Schallschutz entgegen. Nach nur acht Wochen musste das Spartacus daher schließen. Was zunächst nur als Sommerpause deklariert war, war am Ende dann schon das endgültige Aus.
Wieder eine Rolle rückwärts – und es geht bergauf
Ab Sommer 1999 begannen die Vorbereitungen für einen weiteren Neustart. Jetzt übernahmen Friederike von Spiegel, Oliver Patz und Markus Boehnke die Räume, die hierfür die CE GmbH (C=Cafe, E=Europa) gegründet hatten. Nach all den Namensänderungen und Betreiberwechseln, nach allen Höhen und vor allem Tiefen galt das Cafe Europa zu diesem Zeitpunkt als verbrannte Erde. Trotzdem wurde im Oktober des Jahres eröffnet, und zwar wieder unter dem Namen Cafe Europa.
Wieder einmal legten die Betreiber Wert auf die Historie des Clubs und erneut wurden Fragmente der Vergangenheit ans Licht geholt. So wurden diesmal Wandmalereien von Karl Muggly freigelegt, die aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammen, also vor der Zerstörung des Gebäudes. Auch das Stäbchenparket der Nachkriegszeit ist wieder sichtbar, das auf der Tanzfläche, der Galerie und in den Fensterverschalungen verlegt wurde. Aufgelegt werden jetzt Charts, House und Techno sowie Rhythm & Blues.
Kurz nach der Eröffnung erweitert Sascha Berg das Team, der sich zunächst um das Marketing kümmert. Mit seiner fast4ward GmbH wird er etwas später Veranstalter des Samstagsprogramms, bevor diese schließlich ab Jahresbeginn 2001 für das Programm aller Discoveranstaltungen verantwortlich wird. Im Laufe der folgenden Jahre werden immer wieder Veränderungen am Club vorgenommen. So entsteht 2003 das „Penthouse“ als neue separate Tanz-Area. 2004 wird die „Averna-Lounge“ hinzugefügt, viel Lichttechnik erneuert und 2001 dann die gesamte untere Etage entkernt und neu aufgebaut. Vollkommen abseits der Aktivitäten im Discobetrieb bauten dann die Stadtwerke den im Krieg zerstörten Lichtturm auf dem Dach des Haus der Technik wieder auf, er wurde im Januar 2012 fertiggestellt.
Nichts ist so beständig, wie die Veränderung
2017 überschlugen sich dann die Ereignisse. Erst wurde das Haus erneut verkauft, genauer gesagt es wurde für 3,245 Millionen Euro versteigert, was wie beim letzten Verkauf 1996 keine Auswirkungen auf den Discobertrieb hatte. Im September trennte sich dann die fast4ward GmbH von ihren Aufgaben und kehrte dem Cafe Europa den Rücken – und übernahm zum Jahreswechsel den Ringlokschuppen. Auch die CE GmbH trennte sich von ihrem Club, die neuen Betreiber sind jetzt Thomas Peitzmeier, Nico Thebille und Peter Daletzki. Ein größerer Umbau oder eine Sanierung wurde dabei nicht vorgenommen, lediglich für den Übergang schloss das Cafe Europa im Oktober für drei Wochen.
Im Mai 2021 zog sich Thomas Peitzmeier aus dem Nachtleben zurück. Die von ihm mitgegründete Cafe Gastro GmbH führt das Cafe Europa weiter.
Zeitleiste
- 01. Oktober 1930: Eröffnung als Cafe Europa
- 06. August 1944: Zerstörung durch Fliegerangriff
- Frühjahr 1949: Die Brüder Schäfer eröffnen im Erdgeschoss das Central-Kaufhaus, der Wiederaufbau beginnt
- 01. September 1951: Wiedereröffnung nach Wiederaufbau, es spielt die Kapelle Joe Bund und seine 10 Solisten vom Nordwestdeutschen Rundfunk.
- 1951 – 1970: Hotspot für Big-Bands, Tanzturniere, Swing Appeal
- 1970 – 1978: Das Fernsehen macht Konkurrenz, das Cafe Europa kämpft ums Überleben
- 01. Oktober 1978: Umbenennung in Comeback, Umgestaltung zur Disco
- 28. Oktober 1984: Schließung des Comeback
- 22. November 1984: Wiedereröffnung als Zitti, Eröffnungsfeier mit der Bielefelder Band Bluesböcke und dem irischen Folk-Duo Tír na nÓg
- 10. Oktober 1985: Wiedereröffnung nach Renovierung und Umbenennung in Swing, es spielt die Band Affaire Vincetti.
- Mai 1986: Wiedereröffnung als Opera
- November 1986: Wiedereröffnung als Charly Banana
- 11. Mai 1988: Wiedereröffnung und Umbenennung zurück zu Cafe Europa nach aufwändiger Umgestaltung
- 1990: Schließung des Cafe Europa
- August 1990: Wiedereröffnung als Cafe Europa ’90
- Dezember 1991: Wiedereröffnung als Bhagwan-Disco Orfeu Negro
- 1992: Schließung des Orfeu Negro
- 1992: Wiedereröffnung als „Nachtrock“
- 1993: Umbenennung in Downtown, Musik und Konzept blieben bestehen
- April 1994: Schließung des Downtown
- 1994: Wiedereröffnung als Cuba Libre
- Vermutlich 1994: Wiedereröffnung als Heat
- 1995: Wiedereröffnung als Cafe Europa, House- und Techno- Größen sind zu Gast
- 01. Januar 1996: Das Haus wechselt den Besitzer, Eigentümer ist jetzt Ekkehard Risken-Brandburger aus Versmold
- 1997: Razzia im Cafe Europa aufgrund von Differenzen mit den Betreibern des Sub, kurz danach Schließung des Clubs
- April 1998: Wiedereröffnung als Spartacus, Zielgruppe jetzt LGBTQ+
- Juni 1998: Schließung des Spartakus nach nur 8 Wochen
- 02. Oktober 1999: Wiedereröffnung als Cafe Europa durch die CE GmbH unter der Leitung von Friederike von Spiegel
- 5. Januar 2001: Die fast4ward GmbH wird Veranstalter an allen Öffnungstagen
- September 2003: Das „Penthouse“ wird als neue separate Musik-Area eröffnet
- September 2004: Wiedereröffnung nach drei Wochen Umbau
- November 2011: Die untere Ebene wird entkernt und komplett neu aufgebaut
- Januar 2012: Vorstellung des neu aufgebauten Lichtturms auf dem Dach des Haus der Technik
- März 2017: Das Haus wird versteigert. Auswirkungen auf den Betrieb hat das wie schon 1996 nicht.
- 01. November 2017: Betreiberwechsel, die Gastronomen Thomas Peitzmeier, Nico Thebille und Peter Daletzki übernehmen das Cafe Europa
Cantine
Bleichstraße 77a, 33607 Bielefeld
Die Cantine war zunächst ausschließlich eine Event-Location für private Veranstaltungen. Seit 2022 hat sie eine offizielle Konzession als Gaststätte und veranstaltet seitdem regelmäßig Disco, Comedy, Lesungen und Konzerte. Initiator und Betreiber der Cantine ist Kai Friese. Das Konzept der Discoveranstaltungen hat er auf ältere Gäste zugeschnitten, die Genres wie Alternative und Underground favorisieren. Ähnlich ist es bei den Konzerten; es waren bislang beispielsweise Psyche, Linea Aspera, Black Nail Cabaret, The Silverettes, die The-Cure-Coverband Prayers For Rain und die Joy-Division-Tribute-Band Curtis zu Gast. Darüber hinaus ist die Cantine regelmäßig auch Veranstaltungsort für das altbekannte Kernkrach Festival.
Zeitleiste
- 2008: Eröffnung der Cantine, Nutzung für Privatveranstaltungen
- 2022: Erteilung der Gaststättenkonzession
- März 2022: Eröffnung als Diskothek
Chattanooga / Ostbahnhof
Am Ostbahnhof 1, 33609 Bielefeld
Im Rahmen der Bielefelder Clubkultur könnte man das Chattanooga im Ostbahnhof als Geheimtipp oder auch als Kleinod bezeichnen. Eröffnet wurde es von Ecki Twellmeier ursprünglich als Kneipe mit kleiner Küche. Der Weg in Richtung Diskothek und Veranstaltungsraum begann erst mit der ersten Fremdveranstaltung; der sogenannten Amorph-Party. Sie fand eine Zeitlang samstags statt. Es folgten viele weitere bunt gemischte Events. Der Mittwoch war über lange Zeit der Reggae-Abend. An anderen Tagen gab es auch Techno auf die Ohren. Legendär sind auch die Deko-Partys, wie beispielsweise die Soul-Kitchen. Bei ihr wurde der Raum als große Küche dekoriert und es gab Soul zu hören. Ein anderes Konzept war die Perlen-vor-die-Säue-Party, bei denen Perlenvorhänge aufgehängt wurden. Es wurde gefeiert wie es Spaß machte. Hinzu kamen regelmäßig Konzerte. Mit dabei war eine ganze Reihe Unplugged-Events, bei denen lokale Bands auftraten. Ebenso lokal verankert sind die Seltaebs, die jedes Jahr an Weihnachten auftraten.
Dem Chattanooga folgt die Diskothek Ostbahnhof
2003 übergab Twellmeier die Räume an den Milestones-Wirt Mevludin „Zilo“ Demirovic, der ein neues Discokonzept unter dem Namen Ostbahnhof weiterbetrieb.
Ab 2011 gab es dann noch einmal einen Betreiberwechsel. Die Trägerschaft für die Location lag ab jetzt fünf Jahre lang beim Verein Bunt ist die Welt e.V.. Namentlich verantwortlich war Norbert Ruppik. Im festen Programm waren hier 1990er Eurodance-Partys. Für Metal-Fans gab es im Programm TNT – For Those About To Rock und für die Freunde des Dark-Wave & Co. gab es unter anderem das Thema Destroy the Silence. House wurde ebenso gespielt – musikalisch war die Welt im Ostbahnhof also wirklich bunt, so wie es der Vereinsname erwarten lässt. Ansonsten gab es auch Abende mit geschlossener Gesellschaft.
2016 wurde der Ostbahnhof geschlossen und es ist vorerst nicht zu erwarten, dass dort wieder ein Discobetrieb öffnet.
Zeitleiste
- 1992: Eröffnung des Chattanooga
- 2003: Schließung des Chattanooga, Neustart als Ostbahnhof
- 2011: Betreiber wird Bunt ist die Welt e.V.
- 2016: Schließung des Ostbahnhof
Club Atelier
Mauerstr. 41, 33602 Bielefeld
In einem Keller gegenüber des Sam’s eröffnete 2014 der Club Atelier, der sich auf die Afterhour spezialisiert hatte. Er öffnete praktisch erst am Folgetag, also samstags um 02.00 Uhr morgens und am Sonntag um 05:00 Uhr. Die Fläche von 400qm war grob zu gleichen Teilen getrennt in einen Tanzbereich und einen Loungebereich.
Es wurde elektronische Musik aufgelegt und in der Location war auch eine Bühne für Konzerte. Vergangene Konzert-Dates sind allerdings nicht auffindbar. Genauso wenig wie „Lebenszeichen“ des Clubs nach 2015. Daher gehe ich davon aus, dass er nur etwa ein Jahr existierte.
Zeitleiste
- 2014: Eröffnung des Club Atelier
- 2015(?): Schließung des Club Atelier
Come Down / Drugstore / Tronix
Hauptstraße 127, 33647 Bielefeld (Brackwede)
Die Diskothek Drugstore war eine der ersten in Bielefeld – genauer gesagt in Brackwede, das zu dieser Zeit streng genommen noch gar nicht eingemeindet war. Als erster Club im sogenannten Zentralkeller warb sie unter anderem mit dem für die 1960er-Jahre typischen Slogan „Deine dufte Diskothek“. Der Drugstore bestand jedoch nur ein bis zwei Jahre, weshalb er heute kaum noch bekannt ist. Er ist auch nicht zu verwechseln mit der Gaststätte, die Hans-Günter Eickhoff Mitte der 1970er-Jahre in der Karl-Eilers-Straße betrieb.
Nach der Schließung zog das Come Down ein. Der Name rührte möglicherweise daher, dass sich die Location im Kellergeschoss – also im besagten Zentralkeller – befand. Der Eingang war über eine Außentreppe erreichbar, die hinab in den Club führte. Lothar Butkus, der spätere Stadionsprecher der Alm, startete hier seine Laufbahn als DJ. Später zog dort die Kultkneipe Pendel ein, die fast 30 Jahre bestand und zu einem festen Bestandteil der Brackweder Kneipenszene wurde.
Nach der Schließung des Pendel eröffnete in den Räumen mit dem Tronix wieder eine Diskothek. Dessen Betreiber war Stefan Köppen. Das Tronix war zunächst bekannt für House und Techno, später soll es dort auch Metal zu hören gegeben haben. Es bot Platz für etwa 200 Gäste und war mit einem Video-Loungebereich sowie einer VIP-Lounge ausgestattet. Nach der Schließung des Tronix zog das Zentral ein, das seine Partyräume nur für externe Veranstaltungen vermietet.
Zeitleiste
- Vermutlich Januar 1968: Eröffnung als Drugstore
- Um 1969: Schließung des Drugstore
- Um 1970: Eröffnung als Come Down
- Um 1975: Schließung des Come Down, das Pendel zieht ein
- Ende April 2006: Das Pendel wird geschlossen, es folgt Leerstand
- 22./23. Februar 2008: Eröffnung des Tronix
- 26. Februar 2011: Schließung des Tronix
Cutie
Große-Kurfürsten-Straße 81, 33615 Bielefeld
Das Cutie ist eine relativ junge Szenedisco bzw. Szenekneipe, die sich im selben Gebäude befindet, wie auch das Nr.z.p.. Aufgelegt wird Indie, Wave, Hip-Hop, Soul, R’n’B, je nach Veranstaltung. Es gibt an dieser Stelle noch keine große Geschichte zu erzählen, aber das kann sich ja noch ändern. Und deshalb gehört auch das Cutie hier in diese Liste.
Bei dem Gebäude handelt es sich übrigens um das Parkhaus, für dessen Bau einmal die Badewanne abgerissen wurde. So spielt das Leben.
Zeitleiste
- 2013 Eröffnung des Cutie
Cutty Sark
Bielefelder Str. 1 (heute etwa Arthur-Ladebeck-Str. 208), 33647 Bielefeld (Brackwede)
Friedhelm Meierjohann übernahm 1961 die Gaststätte Gilde-Quelle an der Straßenbahnhaltestelle „Brackwede Bahnhof“. Bereits 1964 soll er dort die Diskothek Cutty Sark eröffnet haben, die er bis etwa 1970 betrieb. Das würde bedeuten, dass dies die erste Diskothek in Bielefeld war – wobei Brackwede damals noch nicht eingemeindet war. In einer Werbeanzeige vom 10. Februar 1968 wird das Cutty Sark allerdings als „Neu in der Gilde-Quelle“ bezeichnet, was gegen diesen Frühstart spricht.
Offenbar lag das Programm im Cutty Sark im Bereich deutscher Schlager. Im Laufe der Zeit machten auch einige wenige Schlagerstars hier halt. Am 08. Mai 1970 gab beispielsweise Buddy Caine ein Konzert. Ziemlich genau ein Jahr zuvor gastierte Mary Roos im Rahmen ihrer Diskothekentournee. Ob sie hier auch ihren ersten großen Hit „Ja, die Dicken sind ja so gemütlich“ sang, ist nicht überliefert.
Zeitleiste
- 1961: Übernahme der Gaststätte Gilde-Quelle durch Friedhelm Meierjohann
- 1964 oder 1968: Eröffnung des Cutty Sark in der Gaststätte Gilde-Quelle
- ca. 1970: Schließung des Cutty Sark
Derby / Cicero / Filou / Remember
Siekerwall 11a, 33602 Bielefeld
Etwas unscheinbar wirkt das Wohn- und Geschäftshaus aus der Nachkriegszeit, in dem einst eine Wäscherei und Plätterei untergebracht war. Man ahnt kaum, dass hier ab Mitte der 1960er-Jahre zahlreiche Gastronomiebetriebe einzogen – und dass vier davon Diskotheken waren.
Entstehung der Diskothek Remember
Den Anfang machte 1966 eine Tanzbar, die Peter Keller betrieb. Zwei Jahre später ging sie in die Diskothek Remember über, die rund sechs Jahre bestand und ebenfalls von Keller geführt wurde. Besonders bekannt war DJ Freed, der von Beginn an im Remember auflegte. Er stammte aus Guinea, hatte in Frankreich und Deutschland studiert und sein Hobby zum Nebenberuf gemacht. Freed kommentierte seine Platten mit trockenem Humor – auf Deutsch, Englisch und Französisch.
Nachfolger Filou, Cicero und Derby
Es folgte das Filou, das sich als „Diskothek mit Atmosphäre“ verstand und unter anderem mit „DJ Robby aus Indonesien“ warb. Danach zogen nacheinander die Diskotheken Cicero und Derby ein, bevor 1980 die Gaststätte Gerichtsklause eröffnete. Später fand auch die sehr bekannte Cocktailbar Piano hier ihren Platz.
Über Filou, Cicero und Derby ist leider nur wenig dokumentiert. Hinweise und Ergänzungen sind daher sehr willkommen.
Zeitleiste
- 1966: Eröffnung der Peter Keller Tanzbar
- 29. Juni 1968: Eröffnung der Diskothek Remember
- 01. Dezember 1972: Wiedereröffnung als Filou
- 25. Oktober 1975: Wiedereröffnung als Cicero
- 09. September 1978: Wiedereröffnung als Derby
- 04. Oktober 1980: Eröffnung der Gaststätte Gerichtsklause
Dixi / Mambo
Obernstr. 53/55, 33602 Bielefeld
Das Dixi war eine Diskothek an der Obernstraße, zu der man schick hinging. Eröffnet wurde sie von Rüdiger „Tüdi“ Herfurth im ehemaligen Hotel Deutsches Haus. Nach einem Brand in den 1960ern fanden in den Räumen verschiedenste Gastveranstaltungen statt. Familienfeiern, Vereinsfeste oder Versteigerungen füllten den Saal – auch die neuesten Pornofilme aus Dänemark wurden hier gezeigt. Nun sollte auf den 110qm ein Studentenlokal entstehen, eine Mischung aus Diskothek und Gaststätte. Ursprünglich war dafür ein Dixieland-Musikprogramm vorgesehen, das aber schnell zugunsten eines breiteren Musikangebots aufgegeben wurde. Plattenaufleger bis 1990 war Lothar Butkus, der spätere Stadionsprecher der Alm. Nach seinem Weggang wurde das Musikprogramm neu ausgerichtet; wieder mehr auf jüngeres Publikum. Es gab englische und amerikanische Charts, auch Hip-Hop und House wurde gespielt. Was blieb waren die regelmäßigen Sprüche des DJs.
Insgesamt entwickelte sich das Dixi in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einer der angesagtesten Adressen der Stadt. 1989 gab Herfurth das Lokal ab, das noch bis 1999 zunächst als Dixi und ab 1995 als Mambo weitergeführt wurde. In den danach folgenden Jahren wechselte die Nutzung des Gebäudes mehrfach, zunächst zog die Restaurantkette „Sausalitos“ ein.
Zeitleiste
- 04. April 1973: Eröffnung des Dixi
- 1989: Betreiber Rüdiger Herfurth übergibt den Betrieb an einen Nachfolger
- Oktober 1990: Lothar Butkus tritt als DJ ab, das Musikprogramm ändert sich
- 1995: Umbenennung als Mambo?
- 1999: Schließung des Mambo
Eisenhütte / Die Hütte
Marktstraße 8, 33602 Bielefeld
Die Eisenhütte gilt als die erste Diskothek Bielefelds – zumindest nach dem Verständnis ihrer Zeit. Als sie 1966 ihren Betrieb aufnahm, setzten das Cafe Europa und das Trocadero noch auf Live-Kapellen und verstanden sich eher als klassische Tanzcafés. Zwar existierte auch der Ambassador Club bereits, mit DJ und großer Plattenauswahl, doch stand dort anfangs wohl noch die klassische Gastronomie im Vordergrund.
Für Betreiber Rüdiger Herfurth markierte die Eisenhütte zudem den Beginn einer ganzen Reihe von Clubgründungen, zu denen später auch das Dixi gehören sollte. Herfurth berichtete damals, die Idee der Diskotheken stamme aus den Niederlanden, wo solche Betriebe schon seit einigen Jahren „auf Versuchsbasis“ existierten. Heute gilt jedoch als gesichert, dass der Ursprung des Konzepts in Frankreich liegt: Dort entstanden bereits in den 1940er Jahren erste Tanzlokale, in denen ausschließlich Schallplatten aufgelegt wurden. Als weltweit erste Diskothek wird meist La Discothèque in Paris genannt.
Der Ursprung des Namens Eisenhütte
Die Bezeichnung Eisenhütte wiederum reicht noch deutlich weiter zurück. An der Marktstraße stand seit 1913 das Gewerkschaftshaus der Metaller, das schon früh diesen Spitznamen erhielt. Dieser Bau wurde am 30. September 1944 bei einem Bombenangriff vollständig zerstört, nach dem Krieg jedoch neu errichtet. Der 1952 fertiggestellte Neubau behielt den alten Namen – und entwickelte sich erneut zu einem kulturellen Zentrum. Im Keller entstand die „Jazz-Klause“, die weit über die Stadt hinaus einen sehr guten Ruf hatte. Ab 1962 wurde auch der große Saal darüber für erste Beat-Veranstaltungen genutzt. Als Rüdiger Herfurth kurze Zeit später deren Organisation übernahm, holte er ein gemischtes Programm aus nationalen und internationalen Bands auf die Bühne. 1966 führte er dort schließlich den Discobetrieb ein.
Eröffnung mit prominentem DJ
Für die Eröffnung der „Cine-Stereo-Diskothek“ am 3. Februar 1966 engagierte Herfurth einen der damals bekanntesten DJs Deutschlands: Gerhard „Gerd“ Augustin, Moderator des von Radio Bremen produzierten Beat-Club und zeitweise Produzent von Ike und Tina Turner. Die Rechnung ging auf: Nach Herfurths eigener Schätzung kamen rund 600 Besucher.
Unter den Gästen waren auch Vertreter des Jugendamtes, die sich über die neue Diskothek informieren wollten und sich um die „Eintönigkeit der Freizeitgestaltung Jugendlicher“ sorgten. Für sie waren die Möglichkeiten in Bielefeld jetzt um eine Facette reicher – für andere begann damit eine neue Ära: Das Zeitalter der Diskotheken.
Noch im selben Jahr: Neueröffnung als Die Hütte
Augenscheinlich folgte nun eine Anlaufphase, in der sich die regelmäßigen Discoveranstaltungen Schritt für Schritt zu einer vollwertigen Diskothek entwickelten. Dieser Prozess mündete im Juli 1966 in einer erneuten Neueröffnung, bei der erstmals der Name Die Hütte auftauchte. Beide Bezeichnungen – Eisenhütte und Die Hütte – waren ab jetzt im Volksmund parallel in Gebrauch. Fortan fanden mittwochs und freitags Discoveranstaltungen statt, an anderen Tagen prägten Live-Konzerte das Programm.
Zeitleiste
- 03. Februar 1966: Eröffnung der Eisenhütte
- 30. Juli 1966: Neueröffnung als Die Hütte
- ????: Schließung der Diskothek
- 20. Juli 2006: Abriss des Gebäudes
Elfenbein
Niederwall 37-39, 33602 Bielefeld
Das Elfenbein war über 15 Jahre lang ein Szenetreff in der Innenstadt, betrieben von Iris und Gerd Reiche. Gerd, zuvor Booker im PC69, brachte seine Erfahrung in die Gestaltung des Programms ein. Zunächst war die Musik eher Mainstream-orientiert, mischte sich im Laufe der 1990er-Jahre jedoch zunehmend mit Alternative- und Grunge-Einflüssen. Oftmals ging im Elfenbein die Party erst ab 4:00 Uhr morgens richtig los. Da trafen sich viele Partygäste wieder, die zuvor eine Tour durch Bielefelds Diskotheken gemacht hatten. Oder es kamen Gastronomiekräfte anderer Locations, um hier ein Feierabendbier zu trinken.
Entertainment ist Trumpf
Das Elfenbein trug von Beginn an den Untertitel „Entertainment“, denn es wurde immer großer Wert auf Live-Events gelegt. Zu den musikalischen Gästen gehörten nationale Künstlerinnen und Künstler wie Hannes Wader, Stephan Remmler mit der Maffay Band, Rosenstolz, Hans Harz, Stoppok, Pe Werner, Brings, Extrabreit, wie auch internationale Bands. Ein Konzert der Stranglers, das 1985 im PC69 ausgefallen war, wurde hier beispielsweise nachgeholt. Andere internationale Gäste waren Hot Chocolate, The Sweet, Wishbone Ash, Mitch Ryder, Chris Farlowe, Alvin Lee, The Spencer Davis Group, The Arch, The Animals, Iron Butterfly und viele weitere. Ebenso waren auch immer wieder Bands aus der Region auf der Bühne.
Comedy-Auftritte in der Diskothek Elfenbein
Einen guten Namen machte sich das Elfenbein auch im Genre Comedy. Zu einer Zeit, als Comedians wie Helge Schneider, Herbert Knebel, Atze Schröder, Rüdiger Hoffmann, Ingo Appelt, Johann König, Ralf Schmitz, Paul Panzer, Sissi Perlinger, Hans Werner Olm und Olaf Schubert noch relativ unbekannt waren, traten sie hier auf. Es gab sogar eine hauseigene Soap-Reihe „Tankbar für´s Leben“, die jeden Monat eine neue Folge präsentierte.
Iris und Gerd schlossen ihr Domizil am Niederwall im Jahr 2004 und zogen mit ihrem Konzept weiter nach Herford, was leider nicht von Dauer war. Anschließend spezialisierten sie sich auf das Booking von Comedians und Kabarettisten.
Zeitleiste
- 12. Dezember 1989: Eröffnung des Elfenbein
- 2004: Schließung des Elfenbein am Niederwall und Umzug nach Herford
Ex / Playboy Beach Club / Esquire
Obernstr. 44, 33602 Bielefeld
Die Diskothek Esquire wurde Anfang 1970 in Bielefeld eröffnet und war ein Club im damals modernen klassischen englischen Stil. Er befand sich in einem langgestreckten Kellerraum, der durch einen Arkadengang erreicht werden konnte. Betreiber war der aus Hannover stammende Wohlrat Mensching. Er hatte diesen Club, der in den ersten Monaten zunächst auch nur eine klassische Bar gewesen sein könnte, aufwendig herrichten lassen. Seine Zielgruppe war ein anspruchsvolles Publikum.
Der Playboy Beach Club in Bielefeld
Bereits nach drei Monaten schloss er das Esquire wieder, um in denselben Räumen die Diskothek Playboy Beach Club („PBS“) zu eröffnen, wobei er den Namen Esquire in der postalischen Adresse beibehielt. Geschäftsführer wurde nun der aus Berlin stammende Herbert „Herby“ Burger, der 20 Jahre Gastro-Erfahrung mitbrachte. Wohlrat Mensching blieb jedoch Inhaber der Lokalität.
Die Meinung beider war, „Bielefeld braucht Sex – Sex ohne anfassen“, sie wollten sich dabei jedoch zugleich scharf von Porno abgrenzen. Ferner waren sie auch der Meinung, man müsse die Bielefelder an diese Art des Nachtlebens gewöhnen. Am Eröffnungstag stand die 20jährige Berlinerin Rita, die sich „Molto“ nannte, am DJ-Pult. Sie war zugleich Go-Go-Girl und DJane und legte „oben ohne“ auf. Die Mädchen hinter der Theke trugen Super-Minirock, transparente Blusen und Overknee Strümpfe. In der Werbung versprach man das „erste topless Vergnügen im Weltstadtformat“ und ergänzte: „…nichts für Spießer und Moralapostel“.
Vom Sex zum Ex
Nach dem Playboy Beach Club folgte etwa 1973 die Diskothek Ex. Laut einem unbestätigten Beitrag auf Social Media könnte der Betreiber Peter Heihoff geheißen haben. Gleich zu Beginn machte man durch Auftritte mindestens zweier Star-DJs der britischen Abteilung von Radio Luxembourg auf sich aufmerksam. Zunächst gastierte im Juli 1973 Paul Burnett und im September folgte dann Tony Prince, der auch Präsident des internationalen Elvis-Presley Fan Clubs war. Recht selten gab es auch Live-Konzerte. So kam im August 1974 der R&B Sänger King Floyd ins Ex. Im Juli 1975 gab dann John Kincade ein Konzert.
1979 gab es dann einen größeren Umbau, bei dem u.a. die Tanzfläche erneuert wurde. Geworben wurde damit, dass donnerstags Damenwahl war und es Freitags Verlosungen gab. Und man war hier augenscheinlich dem Alkoholkonsum sehr zugetan, denn mittwochs kostete jedes Getränk nur 2,50 DM, was man mit dem Slogan „Sagen Sie Ex im Ex “ bewarb.
Zeitleiste
- Februar 1970: Eröffnung als Esquire
- 15. Mai 1970: Wiedereröffnung als Playboy Beach Club
- ca. 1973: Wiedereröffnung als Ex
- 05. Oktober 1979: Wiedereröffnung des Ex nach Umbau
- ca. 1982: Schließung des Ex
Far Out und Namensvarianten
Niederwall 12, 33602 Bielefeld
Der Keller des ehemaligen Ratscafés ist seit Anfang der 1980er Jahre ein Ort für Diskotheken verschiedenster Art, die hier nacheinander einzogen. Die erste, die dort ihre Tore öffnete, hieß Paramount-Tanzcafé. Sie wurde von den Kaufleuten Hans-Jürgen Grabias, Peter Haueisen und Robert Kleinhenz betrieben. Sie erledigten die Pionierarbeit, indem aus 14 kleinen Abstellräumen einen 220 m² großen Edel-Club formten. Allein für die Musikanlage investierten sie 65.000 DM. Diese stellte mit getrennten Verstärkern für Höhen, Mitten und Bässen nach Aussage der Betreiber eine absolute Referenz dar. Die Lautstärke wurde dabei vor allem auf die Tanzfläche ausgerichtet, damit es drumherum genügend Platz für Gespräche gab. Die Lichtanlage war hingegen schlicht gehalten, damit sie nicht zu viel Unruhe reinbrachte. Das musikalische Programm ging von Funk über Rock und Reggae bis hin zu Jazz und New Wave.
Das Paramount-Tanzcafé hatte mittwochs und donnerstags ab 19:00 Uhr und freitags und samstags ab 20:00 Uhr, sowie sonntags ab 17:00 Uhr geöffnet. Allerdings erlaubte die Konzession nur in Ausnahmen Veranstaltungen, die länger als 01:00 Uhr gingen. Das Engagement aller drei Betreiber war im Übrigen rein nebenberuflich. Als Geschäftsführer und DJ stellten sie Wolf Baumgart ein.
Einzug der Bhagwan-Diskothek
Der Betrieb des Paramount-Tanzcafés dauerte allerdings nur etwa ein halbes Jahr. Anschließend folgten nacheinander zwei Clubs, die beide zur Bhagwan Bewegung gehörten. In mehreren deutschen Städten gab es solche. Sie waren Teil des Geschäftsbetriebs dieser Bewegung und hatten oft Kultstatus, weil sie anders waren, nämlich hell, friedlich, fröhlich und auch sicher. Im Kellergeschoss des Ratscafés war es genauso. Der erste Name dieser beiden aufeinander folgenden Clubs war Zorba the Buddha (bzw. vollständig Zorba the Buddha-Rajneesh Disco), was so viel bedeutet wie „Körper und Seele vereinen“. Das Personal trug in dieser Zeit rote Roben und reiste täglich aus Hannover an. Gemanaged wurde aus Hamburg. Zwei Jahre später übernahmen Ulf Münkemüller, Klaus Gah und Katrin Susan Benedict den Betrieb, den sie jetzt den Namen Far Out (bzw. vollständig Far Out Osho Discoteque & Cocktailbar) gaben. Beide Namen, also Zorba the Buddha und Far Out, waren nicht unüblich, es gab Namensvetter in anderen Städten.
Das grundsätzliche Konzept im Far Out blieb, jedoch verschwanden die Roben. Das Motto hieß schlicht und einfach „Celebration“. Wie auch zu Zeiten des Paramount-Tanzcafés war um 01:00 Uhr in der Nacht meistens schon Schluss. Spezielle Termine, als „lange Nacht“ gekennzeichnet, gingen bis 3:00 Uhr. Das Musikprogramm war sehr weltlich und gemischt aus Charts und Dance-Classics. Die Getränkepreise waren eher hoch, was teils zu Kritik führte.
Neue Anläufe
Nach 22 Jahren war Schluss mit dem Bhagwan- bzw. Osho- Konzept. In den folgenden Jahren wurde immer wieder versucht, neues Leben in den Keller zu bringen, was jedoch nie von Dauer war. Der Name Far Out wurde dabei teilweise wieder genutzt, obwohl die neuen Versuche nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun hatten. In der Zeitleiste sind weitere Einzelheiten dazu zu finden.
Zeitleiste
- 04. Februar 1983: Eröffnung des Paramount
- Ende 1983: Eröffnung als Zorba the Buddha
- 1985: Umbenennung in Far Out, neue Betreiber
- Silvester 1989: Ein Wasserrohrbruch richtet großen Schaden an, 100.000 Liter Wasser fluten die Disco
- Oktober 2005: Schließung des Far Out aus finanziellen Gründen, Ende des Bhagwan-Konzepts
- 21. April 2006: Wiedereröffnung als Pelican-Club, die Räume wurden saniert, Betreiber ist jetzt Sharam Honarbakhsh, der zuvor die Westside Lounge geführt hatte. Geöffnet wird von Donnerstag bis Samstag.
- Juni 2007: Wiedereröffnung als Elysium Club
- 31. August 2008: Schließung des Elysium Club
- 06. September 2008: Wiedereröffnung als Destinys nach zweimonatigem Umbau. Betreiber sind jetzt Sascha Berger, Mortos Meletios und Savvas Katamaktsis. Aufgelegt werden 80er, 90er und Charts sowie Elektro und House. Donnerstags ist After-Work-Party und es gibt eine Raucher-Lounge.
- Oktober 2010: Wiedereröffnung als Far Out, Pächter ist Thomas Zimmer, der von 1991 bis 1997 dort DJ war
- Mai 2017: Beginn von Renovierungsarbeiten für die folgende Neueröffnung
- 2. September 2017: Wiedereröffnung nach 3½ Jahren Leerstand mit großer Resonanz, Betreiber ist Sascha Günther, der zuvor im Elephant Club und in der Nacht Arena gearbeitet hatte
- August 2022: Pläne eines Far Out 2.0 werden publiziert. Ex Arminen-Profi Detlef Schnier und Dirk Neumann wollen den Neustart in Angriff nehmen.
- 10.02.2023: Eintragung der Far Out 2.0 GmbH
Falkendom
Meller Str. 77, 33613 Bielefeld
Der Falkendom ist ein von der Stadt Bielefeld finanzierte Jugendzentrum, das vom Verein Die Falken betrieben wird. Das Gebäude stammt von 1927 und wurde dem Verein aufgrund des Abrisses der „Linken Baracke“ (in der Melanchtonstraße) zur Verfügung gestellt. Im Inneren befindet sich ein Veranstaltungsraum, der als Konzertsaal und Disco verwendet werden kann. Seit den 1980ern fanden dort über einen langen Zeitraum immer wieder Disco-Abende statt. Vorwiegend ging es dabei um Subkultur. Diese Veranstaltungen hießen beispielsweise „Guitarmen of the Apocalypse“ (Underground) oder „Enter Sandman“ (Heavy Metal).
Seit 2016 kamen vermehrt massive Beschwerden der Anwohner über Lärmbelästigung auf, die schließlich in einer Klage mündeten. In der Folge wurden Messungen bei verschiedenen Veranstaltungen vorgenommen. So beispielsweise bei einem Heavy-Metal-Konzert und bei einer Satire-Show. Man stellte bei den Messungen fest, dass der Schallschutz bei der ohnehin gerade stattfindenden Sanierung nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Allerdings stand vor allem der Geräuschpegel von Besuchern, die sich bei An- und Abreise draußen bewegten, in der Diskussion. Man versuchte daraufhin Regelungen zu treffen, wie sowas leiser zu bewältigen ist, was aber misslang. Seitdem finden hier keine Disco-Veranstaltungen mehr statt.
Zeitleiste
- 1927: Bau des Hauses in der Meller Straße
- 1979: Übergabe des Hauses an Die Falken
- 2016: Massive Beschwerden der Anwohner zum Lärmpegel
- Dezember 2016: Neueröffnung nach Umbau und Sanierung
- 2017: Beendigung aller Disco-Veranstaltungen
Farinda Club
Gütersloher Straße 17, 33647 Bielefeld
Als Gaststätte Farinda, mit Tanzsaal, ist der Farinda Club 1977 oder 1978 (je nach Quelle) am Brackweder Bahnhof gestartet. Seit vielen Jahren ist es nun eine Diskothek. Über die Jahre gab es auch immer wieder Modernisierungen an Licht-, Ton-, und Klimaanlage. Der Farinda Club ist vor allem beliebt bei Menschen mit griechischen Wurzeln und bekannt für seine „Balkan-Partys“.
Zeitleiste
- 1977 oder 1978: Eröffnung als Gaststätte Farinda
Forum Bielefeld / Forum Enger
Meller Str. 2, 33613 Bielefeld / Spenger Str. 9, 32130 Enger
Das Forum Enger begann im November 1974 als kleiner Jazzclub im Kellergeschoss einer alten Fabrik in der Spenger Straße in Enger. Es wurde initiiert durch Studierende, die dort eine Bühne für die subkulturelle Musikszene schaffen wollten. Der Club war recht klein und spartanisch ausgestattet. Erwähnenswert ist sicher die Disco-Beleuchtung über der Tanzfläche: Unter der Decke hingen schwarz lackierte Blechdosen mit farbigen Glühbirnen im Inneren, die von einer Art Lichtorgel gesteuert wurden. In den 1980ern wandelte sich dann die Stilrichtung: Punk, New Wave, Hardcore und Hip-Hop kamen auf, und das Forum wurde zu einem Treffpunkt für national und international aufstrebende Bands.
Kult auf dem Land
Genau wie der Hellepark lag das Forum Enger vor den Toren der Stadt, wurde aber von Stammgästen alternativer Bielefelder Clubs regelmäßig angesteuert. Das Forum Enger war aber auch „das“ Angebot für Jugendliche in Enger und wenn dort ein Konzert war, ging man da hin. Und so haben auch viele „Dorfkinder“ (nicht negativ gemeint!) einige ziemlich epische Konzerte gesehen, beispielsweise Nirvana, Einstürzende Neubauten, Green Day, Die Toten Hosen, Henry Rollins, Mudhoney, The Walkabouts, Monster Magnet, Soundgarden, BAP und Alphaville.
Von Alphaville erzählt man auch, dass die Kombo um Marian Gold auch Stammgast war. Tatsächlich war ihr Keyboarder Bernhard Lloyd um 1982 DJ im Forum Enger. Und an Silvester 1982 spielte er hier zusammen mit Marian Gold und Frank Mertens, also das spätere Trio Alphaville, das allererstes Konzert in dieser Formation. Und da Lloyd an den Discoabenden zuvor seine Demotapes aufgelegt (oder ehr eingelegt) hatte, kamen rund 450 Besucher. Die Weltkarriere von Alphaville begann also im Forum Enger.
Auch eine Auszeichnung ist erwähnenswert; die Musikzeitschrift SPEX feierte das Forum 1989 als „bester Musikclub Deutschlands“.
Vom Forum Enger zum Forum Bielefeld
1999 zog das Forum Enger nach einer rund einjährigen Umbauphase in die alte Boge-Fabrik nach Bielefeld um und hieß fortan Forum Bielefeld. Die Eröffnung wurde mit einem denkwürdigen Auftritt der Band The Notwist gefeiert. Durch den Umzug konnte sich das Forum wesentlich vergrößern. Neben den regelmäßig stattfindenden Partys gibt es weiterhin Konzerte, die jetzt auf bis zu 800 Besucher hoffen können. Nennenswert im Forum Bielefeld sind The Chameleons, Anne Clark, Alien Sex Fiend, Selig, Slime, DAF und Phillip Boa.
Zeitleiste
- November 1974: Gründung als Jazzclub in Enger
- 31. Dezember 1982: Die Band Alphaville spielt ihr erstes Konzert überhaupt – im Forum Enger
- 1989: Auszeichnung als „bester Musikclub Deutschlands“ (Musikmagazin Spex)
- 31. Dezember 1998: Schließung des Forum Enger
- 01. Oktober 1999: Eröffnung des Forum Bielefeld
Gesellschaftshaus und Clubvarianten
Klosterplatz 9, 33602 Bielefeld
Das G-Haus, wie das Gesellschaftshaus teilweise auch genannt wird, hat eine lange Tradition. Ursprünglich als Haus der „Eintracht“ gebaut, war es später Heimat der traditionsreichen Bielefelder Ressource, bevor es 1973 von Hans-Günter Eickhoff übernommen wurde.
Eickhoff brachte viele Ideen und Gastronomieerfahrungen mit – unter anderem aus seiner ersten Diskothek Drive In sowie aus dem Gretna Green, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Gesellschaftshauses befand. Vor allem brachte er aber viel Kapital mit, das er zuvor geerbt hatte.
Innerhalb eines knappen Jahres verwandelte er das G-Haus in einen Multi-Gastronomiebetrieb, der damals in Ostwestfalen beispiellos war. Im Inneren befanden sich nun das Café-Restaurant Telegraph, die Kneipen Jonathans braver Soldat Schwejk und Datscha, das Steakhouse Gran Chaco und die Diskothek Passpartout.
Passpartout – Die erste Diskothek im G-Haus
Das Passpartout war im französischen Stil eingerichtet und hatte eine Vielzahl an Lichteffekten. Der Eingang lag an der Mauerstraße. Eickhoff gab der Diskothek den Beinamen „discothèque noir et blanc“, der auf einen damals angesagten, eleganten Schwarz-Weiß-Designtrend aus Frankreich verweist und sich höchstwahrscheinlich auch in der Ausstattung des Passpartout widerspiegelte.
Ultramodern – und umstritten
Insgesamt war das Gesellschaftshaus in einer Weise eingerichtet, die selbst heute noch modern erscheint. In der Eingangshalle war ein Monitor installiert, der das aktuelle Angebot des Hauses anzeigte – was damals eine Sensation war. Darüber hinaus gab es ein elektronisches Kassensystem, das bei jeder Bestellung eine Bestätigung mit allen Artikeln und Preisen ausdruckte, damit der Gast alles nachvollziehen und prüfen konnte. In Eickhoffs Büro stand zudem ein Terminal, das in Echtzeit den aktuellen Kassenstand aller Lokale anzeigte. Und selbst vor den Toiletten machte der Fortschritt nicht halt: Die Wasserhähne waren ultraschallgesteuert und ließen das Wasser berührungslos per Handgeste fließen. Man darf hier nicht vergessen – wir schreiben das Jahr 1973.
Für das gesamte Areal verfügte Eickhoff „Gesichtskontrollen“, für die er auch überregional negative Schlagzeilen erntete. Nicht nur musste die Kleidung und „die Nase“ passen, sondern er lies auch generell keine dunkelhäutigen Menschen in seine Gastronomie, türkischstämmige inbegriffen. Deshalb wurde er unzählige Male verklagt und Prozesse folgten, die er regelmäßig verlor. Einmal soll er im Gerichtssaal dem vorsitzenden Richter Hausverbot für seine Lokale erteilt haben. Auch seine Auftritte mit teuren Autos und Pelzmantel sorgten für Gesprächsstoff.
Musikladen – die Bielefelder Diskothek mit Draht zu Radio Bremen
Im Januar 1976 eröffnete im Gesellschaftshaus der Musikladen vorwiegend als Event-Location, aber auch als Diskothek, während das Passpartout parallel bestehen blieb. Man warb mit dem Logo der gleichnamigen Fernsehsendung von Radio Bremen und orientierte sich auch konzeptionell daran. Ob es eine offizielle Kooperation gab, ließ sich bislang nicht eindeutig klären – vieles spricht jedoch dafür.
Neben einigen klassischen Discoabenden bot der Musikladen an Dienstagen und Samstagen Auftritte von Showtalenten sowie nationalen und internationalen Künstlern. Auf der Bühne standen unter anderem Mike Krüger, Bonnie Tyler, Percy Sledge, Desmond Dekker, The Swinging Blue Jeans, Rudolf Rock & die Schocker und Gerry and the Pacemakers.
Ab Januar 1978 erhielten zudem freitags lokale Bands aus Bielefeld eine eigene Auftrittsmöglichkeit. Trotz des neuen Konzepts blieb die Lebensdauer der Diskothek aber begrenzt: Noch im selben Jahr schloss der Musikladen seine Türen wieder.
Das Papagayo bringt neuen Wind – vom Meer
Im Dezember 1978 eröffnete im ehemaligen Musikladen die Diskothek Papagayo. Die Eröffnung fiel in jene Zeit, in der Eickhoff sein Haus auf Ibiza erworben hatte – und genau von dort brachte er die gestalterische Inspiration mit. Der 350 m² große Raum wurde vollständig im Südsee-Flair neu inszeniert. Er stieg zu einer Seite mit treppenförmigen Sitzgelegenheiten an. Künstliche Palmen schmückten den Raum, der Boden war mit blauem Teppich ausgelegt, und diverse Bar-Nischen erhielten einen Segeltuch-Himmel. Die Wände wiederum waren mit großformatigen Fotoleinwänden dekoriert, die Sommer, Sonne, Wasser, unberührte Natur und weibliche Schönheiten zeigten.
Der unübersehbare Mittelpunkt war ein 3 Meter breiter und 3,5 Meter hoher Käfig, in dem eine überlebensgroße, rund 1,5 Meter hohe Papagei-Figur stand, die von unten bunt angestrahlt wurde. Und wem die messingbelegte Tanzfläche zu unspektakulär erschien, der konnte auch im Käfig neben dem Papagei tanzen.
Das Papagayo war auch unter der Woche geöffnet. Dann lief die Musik etwas leiser, und das Konzept orientierte sich stärker am Barbetrieb für ein etwas älteres Publikum. Wochenends soll der Sonntag sehr beliebt gewesen sein, die anderen Tage liefen eher durchwachsen.
Sporadisch fanden im Papagayo auch Konzerte statt. So war etwa die Herforder Kakadu Combo mehrfach zu Gast. Erwähnenswert ist zudem das Konzert der Neue-Deutsche-Welle-Band UKW, das am 25. Juni 1982 stattfand. Es sollte zugleich die letzte presseöffentliche Erwähnung dieser Diskothek bleiben.
Im Mazzo ist Underground angesagt
Um den Jahreswechsel 1982/1983 herum eröffnete in den Räumen des zuvor geschlossenen Passpartout die Diskothek Mazzo, die unter Fans des Underground einen sehr guten Ruf hatte. Hier legte unter anderem DJ Hannes auf, der auch in der Badewanne, im ZK und im PC69 aktiv war. Weitere Details zum Mazzo gern in die Kommentare.
Das bittere Ende einer Ära
Als dann die Geschäfte offenbar nicht mehr so gut liefen, brachten Eickhoff Sozialabgaben in Bedrängnis, die er für seine Mitarbeiter nicht abgeführt haben soll. Ein Konkursverfahren wurde gegen ihn eingeleitet und zu seinem Unglück wurde eben genau der Richter zum Konkursrichter berufen, dem er vorher öffentlichkeitswirksam Hausverbot erteilt hatte. Trotzdem konnte er das Verfahren in einen Vergleich umwandeln, dessen Verhandlungen bis zum März 1983 liefen. Am 1. April 1983 übergab er das Gesellschaftshaus an die Busch KG – dazu gleich mehr.
Eickhoff zog sich daraufhin aus der Gastronomie zurück; doch auf seinem Reiterhof in Enger-Oldinghausen soll er in der Folge sein Comeback geplant haben. Am 26. August 1985 wurde er dort jedoch zusammen mit seiner Lebensgefährtin und einem Verwalter von Einbrechern erschossen.
Die Busch KG und das Chaos
Zurück zum Gesellschaftshaus. Noch zu Eickhoffs Lebzeiten kam es unter der Leitung der neuen Besitzer zu heftigen Turbulenzen, die schließlich das vorläufige Ende des Gesellschaftshauses besiegelten. Hinter der Busch KG standen der Heilpraktiker und Namensgeber der KG Herbert Busch sowie Horst Nordmann und Rolf Hokamp. Gemeinsam betrieben sie bereits vor der Übernahme über 20 weitere Gastronomiebetriebe in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Ein zunächst angestrebter Kauf des Gebäudes kam nicht zustande. Stattdessen pachteten sie das G-Haus von den Eigentümern, Eintracht und Ressource, so wie es Eickhoff einst machte. Von Eickhoff übernahmen sie für eine Ablöse von 429.400 DM das Inventar.
Die einzelnen Lokationen wurden von der Busch KG an die jeweiligen Gastronomiebetreiber unterverpachtet. Ähnlich lief es mit der Konzession: Die Busch KG hielt eine Generalkonzession für den Komplex, während die Pächter ihre Gastronomie mit einer zugehörigen Stellvertreterkonzession betrieben. So weit, so gut.
Baumängel, Konzessionen und das Ordnungsamt
Allerdings gab es Baumängel, die noch zu beseitigen waren – allem voran die Entlüftungsanlage. Und das Ordnungsamt knüpfte den Fortbestand der Konzessionen an die Beseitigung aller Mängel. Es duldete in dieser Zeit auch nur noch drei der Gastronomiebetriebe: Gran Chaco, Datscha und Mazzo. Die restlichen Betriebe bekamen aufgrund der aus Sicht des Ordnungsamts unzureichenden Fortschritte bei der Bearbeitung der Mängel keine Stellvertreterkonzessionen mehr. Dies traf beispielsweise auch das Papagayo, das nun schließen musste.
Doch gerade die Sanierung der Entlüftungsanlage erwies sich als unerwartet teuer und daher schob nun jeder die Verantwortung auf andere. Diese Lage verschärfte sich derart, dass bereits ein halbes Jahr nach der Übernahme eine Pattsituation zwischen Verpächter, Pächter und den verbliebenen drei Unterpächtern Gran Chaco, Datscha und dem Mazzo entstand: Niemand traute seinem Gegenüber, niemand zahlte etwas und niemand tat etwas.
Das G-Haus wechselt den Eigentümer
Etwa zeitgleich, im Dezember 1983, verkauften Eintracht und Ressource das Haus an die Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Industriebeteiligungen (AGIB). Der neue Eigentümer plante nun den Abriss und wollte einen Neubau für Wohnungen und Ladengeschäfte erreichten. Eine Diskothek, so betonte AGIB-Vorstand Gerhard Zischke, sei an diesem Standort allerdings nicht mehr vorgesehen. Dies kam bei vielen Bielefelder Nachtschwärmern gar nicht gut an, denn viele Alternativen gab es zu dieser Zeit nicht.
Im Gesellschaftshaus lief es unterdessen etwa ein weiteres halbes Jahr unverändert weiter, bis die Busch KG schließlich in die Pleite rutschte. Der Fall landete vor Gericht, da der Verdacht im Raum stand, dass Gelder unrechtmäßig in andere Gesellschaften verschoben worden waren. Am Ende meldeten rund ein Dutzend Gläubiger Forderungen von insgesamt etwa 3,5 Millionen DM an. Dem gegenüber standen laut Gericht lediglich etwas mehr als 1.000 DM, die noch zu verteilen waren. Das Konkursverfahren wurde deshalb abgelehnt – mangels Masse.
Im Einvernehmen mit dem Ordnungsamt konnten die verbliebenen Gastronomen ihre Betriebe noch bis zum 31. Oktober 1984 fortführen. Anschließend wurde das alte G-Haus endgültig geschlossen.
Abriss, Neubau – mit Café Größenwahn und Diskothek Bugatti
Nach fünf Jahren Leerstand wurde die Ruine des alten Gesellschaftshauses am Klosterplatz 1989 abgerissen und im selben Jahr komplett neu aufgebaut. Im Neubau eröffnete dann das Café Größenwahn (…wem war dieser Name wohl gewidmet…?), dessen Betreiber war Achim Fiolka, der später einer der größten und bekanntesten Gastwirte der Stadt werden sollte. Im Keller des Hauses eröffnete er – entgegen vorheriger Planungen der AGIB – die Edel-Diskothek Bugatti.
Die große Zeit der Diskotheken Madhouse, Subway und Sub
Es stellte sich heraus, dass das Edel-Konzept in Bielefeld nicht gut funktionierte und so entschloss sich Achim Fiolka zusammen mit seinem Companion Mike König nach etwa drei Jahren, ein neues Konzept in den Räumen aufzubauen. Es folgten aufwendige Umbauarbeiten, bei denen auch der Haupteingang vom Klosterplatz in die Mauerstraße verlegt wurde. Das jetzt eröffnete Madhouse sollte junges Sparten-Publikum mit House Music ansprechen. Nach drei Jahren übernahm Philip Webler, der zuvor Betriebsleiter im Madhouse war, den Betrieb in eigener Regie. Er brachte auch Erfahrungen aus dem PC69 mit, in dem er seine Gastro-Laufbahn startete. Das Konzept wurde nun breiter aufgestellt, es sollte ein größerer Personenkreis angesprochen werden. Das Madhouse wurde in Subway umbenannt. Später gab es dann nochmal eine Umbenennung in Sub.
Neue Konzepte, neue Diskotheken und neue Betreiber: Break-Inn, Warehouse und Studio 9
Nach dem Sub eröffnete im Herbst 2001 das Break-Inn, das von Marco Martin geführt wurde. Hier gab es House, Techno und Black-Music zu hören. Der Club hob sich durch seine After-Hour hervor – dafür schloss er zur Sperrstunde um 5:00 Uhr und öffnete wieder um 6:00 Uhr, wonach bis mittags weiter gefeiert werden konnte.
Mitte 2003 zog dann das Warehouse ein, das von Raphael Gaese-Nickel geleitet wurde. Dieser war Ende der 1990er Jahre bereits Mitbetreiber des Cafe Europa. Neben House und Techno gab es jetzt auch Mainstream zu hören. Zudem gab es bestimmte Tage für Studenten und auch Veranstaltungen für die Gay-Szene.
Etwa im Frühjahr 2005 öffnete dann das Studio 9 seine Pforten, das sich als erste Adresse für Black Music sah. Vermutlich existierte es bis 2012. Weitere Infos dazu gern in die Kommentare.
Mit der Schließung des Studio 9 endete – mit einer fünfjährigen Unterbrechung – die insgesamt etwa 40-jährige Ära der Diskotheken an diesem Standort.
Zeitleiste
- 01. Januar 1973: Übernahme des Gesellschaftshauses durch Hans-Günter Eickhoff
- 12. Dezember 1973: Eröffnung des Gesellschaftshauses nach Umbau als Gastronomiezentrum inkl. der Diskothek Passpartout
- Januar 1976: Eröffnung der Event-Location und Diskothek Musikladen
- Dezember 1978: Eröffnung des Papagayo in den Räumen des ehemaligen Musikladen
- 2. Jahreshälfte 1982 oder 1983: Eröffnung des Mazzo in den Räumen des Passpartout
- 1982: Start des Konkursverfahrens von Hans-Günter Eickhoff
- 1983: Schließung des Papagayo
- 01. April 1983: Übergabe des Gesellschaftshauses an die Busch AG
- Dezember 1983: Verkauf des Hauses an die AGIB
- 31. Oktober 1984: Schließung des alten G-Hauses
- 26. August 1985: Hans-Günter Eickhoff wird ermordet
- 23. Juni 1989: Abriss des alten Gesellschaftshauses
- 1989: Eröffnung des Café Größenwahn und des Bugatti im Neubau
- September 1992: Wiedereröffnung als Madhouse in den Räumen des ehemaligen Bugatti, der Eingang ist jetzt an der Mauerstraße
- Herbst 1995: Schließung des Madhouse, Beginn von Umbauarbeiten
- 08. Dezember 1995: Wiedereröffnung als Subway in den Räumen des ehemaligen Madhouse, neuer Betreiber ist jetzt Philipp Webler
- ????: Wiedereröffnung als Sub in den Räumen des ehemaligen Subway
- 1997: Schließung des Sub
- Herbst 2001: Eröffnung als Break-Inn, Betreiber ist Marco Martin
- 06. Juni 2003 Neueröffnung als Warehouse, Betreiber ist Raphael Gaese-Nickel
- Frühjahr 2005: Neueröffnung als Studio 9
Go In / BE-KA-DE / Kronenkeller
Vilsendorfer Str. 1 (vorm. Schildescher Str. 1) , 33739 Bielefeld (Jöllenbeck)
Auch in Jöllenbeck gab es eine Diskothek. Ihre Geschichte ist allerdings von vielen Fragezeichen begleitet und lässt sich nur bruchstückhaft aus unterschiedlichen Quellen rekonstruieren. Im Mittelpunkt steht der Gastwirt Fritz Kronsbein, der gemeinsam mit seiner Frau Hildegard das Gasthaus Zur Krone betrieb.
Die Gaststätte befand sich im sogenannten Eickmeyerschen Haus, das zu diesem Zeitpunkt bereits über 300 Jahre alt war – und damit auch deutlich älter als das Adlerdenkmal direkt nebenan. Besonders markant war der urige Gewölbekeller, in dem Fritz Kronsbein im Februar 1967 die Nachtbar Kronenkeller eröffnete.
Kronenkeller: Erst Nachtbar, dann Diskothek
Der Kronenkeller war täglich außer dienstags von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens geöffnet und bot Platz für rund 70 Gäste. Eine Musikbox mit großem Repertoire sorgte für die musikalische Untermalung. Zudem standen etwa 50 verschiedene Spirituosen zur Auswahl, und die Küche war bis 4 Uhr morgens geöffnet. Ein solches Angebot gab es zu dieser Zeit nur in der Stadt – der Kronenkeller war damit die erste Nachtbar im damaligen Landkreis Bielefeld.
Mit dem allgemeinen Erfolgskurs der Diskotheken änderte Kronsbein nach gut eineinhalb Jahren sein Konzept. Aus der Nachtbar wurde nun eine Diskothek, in der „Plattenjockey John“ für die Musik sorgte. Ab 1969 verpachtete Fritz Kronsbein den Betrieb an den Gastronomen Hans-Günther Eickhoff (s. Gesellschaftshaus), der im selben Jahr vom Amt Jöllenbeck die Schankkonzession für diesen Standort erhielt.
Das Go In zieht ein
Der Club firmierte nun unter dem Namen Go In und wurde zu einer Art Ableger des Drive In in der Bielefelder Innenstadt, das ebenfalls von Eickhoff betrieben wurde. Das Musikprogramm war in beiden Locations nahezu identisch. Zeitzeugen beschreiben das Go In als eine etwas kleinere und „etwas dreckigere“ Version des Drive In – doch das Gewölbe verlieh dem Club seinen eigenen Charme.
Es kriselt im Gebälk
Ab dem Frühjahr 1974 scheint sich Eickhoff vom Standort zurückgezogen zu haben. Möglich ist auch, dass es zu Streitigkeiten mit dem Verpächter kam – etwa über finanzielle Fragen, denn Kronsbein hatte sich mit dem Betrieb seiner Gastronomie offenbar übernommen. Ende Mai desselben Jahres suchte er daher per Zeitungsanzeige nach einem neuen Pächter und wies ausdrücklich darauf hin, dass nur solvente Interessenten in Betracht kämen.
An dieser Stelle nehmen die Unklarheiten zu: In der Anzeige bezeichnete Kronsbein seinen Kronenkeller nämlich als „ehemaliges Moov Inn“. Dieser Name taucht jedoch sonst nirgends auf. Weder in anderen zeitgenössischen Quellen noch in Gesprächen mit Zeitzeugen ließ sich bislang irgendein Hinweis darauf finden. Alles deutet darauf hin, dass es sich schlicht um einen Übertragungsfehler handelt und eigentlich das Go In gemeint war. Laut Anzeige sollte der Keller jedenfalls weiterhin als Diskothek genutzt werden.
Das Rätsel um die Diskothek BE-KA-DE
Vermutlich fand er keinen neuen Betreiber, denn anschließend hieß der Club wieder Kronenkeller – wenn auch in verklausulierter Form: BE-KA-DE. Anhand einer Zeitungsanzeige, die im Oktober 1974 geschaltet wurde, lässt sich der neue Name wie folgt erklären: Er ist eine Abkürzung von „Bar Kronenkeller Dancing“, wobei die Konsonanten ausgeschrieben wurden: B K D entspricht also BE-KA-DE. Diese Lettern waren zudem mit einer Höhe von rund einem Meter gut sichtbar an der Außentreppe angebracht, die in den Keller hinabführte.
Abgebrannt
Am 7. Juli 1975 brach in der Gaststätte ein Feuer aus, dessen Ursache offiziell nie geklärt werden konnte. Allerdings deuteten einige Merkwürdigkeiten auf einen ungewöhnlichen Hintergrund hin: So sollen in den Stunden zuvor fremde Personen im Haus gehört worden sein. Gastwirt Fritz Kronsbein erklärte später gegenüber der Presse, er habe „eine Menge Feinde“, weshalb schon bald der Verdacht der Brandstiftung im Raum stand.
Während die oberen Etagen vollständig in Flammen aufgingen, blieb das Kellergeschoss weitgehend unversehrt. Für die Diskothek änderte das jedoch nichts – das Gebäude im Jöllenbecker Ortskern wurde nach dem Brand abgerissen, womit auch die Ära des Kronenkellers endgültig endete.
Zeitleiste
- 18. Februar 1967: Eröffnung der Kronenkeller-Bar
- September 1968: Der Kronenkeller wird zur Diskothek
- 1969: Eröffnung des Go In
- ca. April 1974 Schließung des Go In
- ca. Mai 1974: Wiedereröffnung als Diskothek BE-KA-DE
- 07. Juli 1975: Ein Großbrand zerstört das Gebäude
Hechelei / Triebwerk
Ravensberger Park 6, 33607 Bielefeld
Als Teil der Ravensberger Spinnerei ist die Hechelei eines der denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände des Ravensberger Parks in Bielefeld. In ihr wurde früher Flachs für die Weiterverarbeitung gehechelt, also gekämmt. Nachdem der Betrieb der Ravensberger Spinnerei in den 1970er Jahren eingestellt wurde, fing man Anfang der 1990er Jahre bei der Stadt Bielefeld an, über eine zukünftige Verwendung der Gebäude nachzudenken. In der Hechelei sollte zunächst ein Brauhaus entstehen, was aber verworfen wurde. 1993 hatte man sich dann entschieden, sie zu einem Veranstaltungszentrum auszubauen. Der aufwendige Umbau verschlang etwa 2,5 Mio. DM und dauerte zwei Jahre. Von Beginn an waren die Brüder Frank und Thomas Neugebauer Betreiber der Location. In der ersten Zeit war auch Marc Hülsewede involviert, der sich um die Konzerte kümmerte. Er hatte zuvor als Booker im PC69 gearbeitet. 2024 übernahm Steffen Neugebauer, Sohn von Thomas Neugebauer, die Geschäftsführung.
Discoveranstaltungen und Konzerte
Die Hechelei hat eine durchaus nennenswerte Historie an Live-Gigs. Schon die Eröffnung wurde mit der heimischen Band The Good Old Boys gefeiert, die ihre Mischung aus Funk & Soul auf die Bühne brachten. Es folgten viele weitere Konzerte, darunter Marc Almond, Jimmy Barnes, Corvus Corax, Heatha Nova, Frank Black,Terry Hoax, Skunk Anansie, Wipers und The Charlatans.
Während der gesamten Zeit gab und gibt es auch Discoveranstaltungen von Dritten, die dort regelmäßig seit vielen Jahren stattfinden. Darunter die Magnus-Party, die Ahoi-Party und auch die PC69 Revival Party. Für zwei Jahre wurde die Hechelei unter dem Namen Triebwerk geführt, da ein neues Konzept für Disco-Veranstaltungen entwickelt wurde. Nach dieser Zeit wurde der Veranstaltungsbereich breiter aufgestellt und der ursprüngliche Name wieder übernommen.
- 17. Februar 1995: Eröffnung als Hechelei
- 2004: Umbenennung in Triebwerk
- 2006: Umbenennung in Hechelei
- 2024: Übergabe der Geschäftsführung an Steffen Neugebauer
Hellepark
Elverdisser Str. 548, 32052 Herford (Elverdissen)
Aus Bielefelder Sicht wird der Hellepark oft dem Stadtteil Altenhagen zugeschrieben. Genau genommen liegt er aber in Elverdissen und damit in Herford. Als Diskothek vor den Toren der Stadt war ein Magnet für Heavy Metal- und Punk Fans – auch aus Bielefeld.
Das Gebäude hat eine lange Tradition. 1840 von der Familie Heidemann erbaut war es zunächst eine Bäckerei. Später wurde es zum Gasthof und bekam auch einen Anbau mit Saal. Die Gegend dort und auch den Gasthof nannte man auch „Auf der Helle“. 1978 eröffnete dann die Diskothek Hellepark, die wie oben erwähnt ein legendärer Treff für Freunde härterer Musikgangarten werden sollte. Man warb gleich zu Beginn mit „Progressive Hard Rock Session“, was lange Zeit auch als Programm beibehalten wurde. Später kam dann ein Wechsel hin zu Speed Metal und Trash Metal.
Die Betreiber waren Klaus-Dieter „Shlakky“ Wagner und seine Frau Betty. Sie hatten zuvor Berührungspunkte mit dem Hydepark in Osnabrück und daher ergänzten sie in einer Werbeanzeige kurz nach der Eröffnung den Spruch „Es grüßen: Ex-Hydepark (Osnabrück)-Leute“. Der Hellepark war also eine Art „Hydepark auf der Helle“, und so nannten sie ihn Hellepark.
Es gab dort auch Konzerte. Nennenswert sind beispielsweise Lene Lovitch, The Invincible Spirit, Nina Hagen, Alex Harvey & His Sensational Band.
Weihnachten 1988 brannte es im Hellepark, was leider das Ende besiegelte. Das traditionsreiche Haus gibt es aber noch, dort kann man heute Gartenmöbel kaufen.
Zeitleiste
- 07. Oktober 1978: Eröffnung des Hellepark
- Weihnachten 1988: Ein Brand beendet den Discobetrieb, der Hellepark schließt.
JazzClub Bielefeld
Beckhausstraße 72, 33611 Bielefeld
Es ist schon ein Grenzfall, den JazzClub Bielefeld auf diese Liste zu setzen. Schließlich ist er eher eine Live-Location, der seine Räume auch an Privatveranstaltungen vermietet, als eine Diskothek. Viele wünschten sich jedoch eine Nennung hier und im Rahmen der Grauzonen, die es in der Gastronomie durchaus gibt, ist das meines Erachtens auch richtig so.
Der Bielefelder JazzClub e.V. wurde 1980 von etwa 30 Mitgliedern gegründet und fand sein erstes Vereinsheim in der Walther-Rathenau-Straße. Später konnte es Räume in der August-Bebel-Straße 5 beziehen, von denen sie sich allerdings etwa fünf Jahre später wieder trennen mussten. In dieser Zeit waren schon viele nationale und internationale Jazzmusiker zu Gast, wie z.B. Pete Allen und Roy Williams. Auch Gottfried Böttger, bekannt unter anderem durch seine Zeit mit Udo Lindenberg (er war auch der „Gottfried am Klavier“ auf der Andrea Doria) und aus der Sendung III nach 9, gab hier ein Konzert.
Seit 1991 ist der Club nun in den Kellerräumen der alten Kuxmann-Fabrik in der Beckhausstraße sesshaft geworden. Dort gibt es regelmäßig Konzerte aus den Bereichen Jazz, Blues, Boogie-Woogie, Swing, Funk und Soul. Sehr viele Bands und Solokünstler traten hier auf. Mit dabei war auch Jazz-Legende Paul Kuhn. Er trat allerdings im Rahmen des 25. Jubiläums auf, das der Club in der Ravensberger Spinnerei feierte. Der Auftritt mit seinem Trio war bis kurz vorher noch ungewiss, da sich Kuhn zuvor noch einer Herz-OP unterziehen musste.
Zeitleiste
- Frühjahr 1980: Gründung des Bielefelder JazzClub
- September 1983: Bezug des Vereinsheims August-Bebel-Str. 5
- 1988: Auszug aus den Räumen an der August-Bebel-Str.
- 1991: Bezug der Räume in der alten Kuxmann-Fabrik
- 03. September 2005: Das 25jährige Jubiläum wird u.a. mit Paul Kuhn in der Ravensberger Spinnerei gefeiert
Journal
Niedernstr. 16, 33602 Bielefeld
In der Niedernstraße gab es ab 1968 die beliebte Diskothek Journal, die von Klaus-Charles Schaffner geführt wurde. Viele haben das Journal auch als Ort in Erinnerung, an dem sie viel Poolbillard gespielt hatten. Großes Aufsehen verursachte aber das abrupte Ende durch einen Schwelbrand in der Nacht zum 28. Januar 1973. Er wurde ausgelöst durch einen Kunststoffeimer, in dem Aschereste gesammelt wurden. Dieser entzündete sich nachdem die Disco an diesem Tag schloss. Es entstand eine große Hitze in den Räumen, jedoch kam es glücklicherweise nicht zum Großbrand in dem dicht bebauten Gebiet. Dies war dem Umstand zu verdanken, daß alle Türen und Fenster hermetisch verriegelt waren und so kein weiterer Sauerstoff in die Disco ziehen konnte. Das einzige Opfer dieses Brands war der Dobermann Alf, den der Besitzer als Wachhund zurückließ. Er erstickte in den schwarz verqualmten Räumen.
Klaus-Charles Schaffner wurde danach angeklagt, weil ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen wurde. Das Gericht sprach ihn aber frei, weil die Feuerwehr kurz vorher noch eine Brandbegehung durchgeführt hatte, bei der es keine Beanstandung gab. Zu diesem Zeitpunkt soll auch bereits der Plastikeimer in Betrieb gewesen sein. Auch konnte Schaffner nicht nachgewiesen werden, dass ihm zuvor ein Merkzettel von der Feuerwehr ausgehändigt wurde. Die Feuerwehr selbst zeigte sich enttäuscht von dem Urteil, da etwa zur gleichen Zeit ein Brand im Zentral-Hotel auf die gleiche Ursache zurückzuführen war. Sie veränderte daraufhin ihre Regularien und führte eine schriftliche Bestätigung beim Erhalt der Belehrung durch den Merkzettel ein. Am Ende half der Freispruch dem Journal nicht mehr, die Diskothek wurde trotz anfänglicher Aufbruchstimmung nicht wieder eröffnet. Die Räume wurden anschließend vom benachbarten Kaufhaus Moster genutzt.
Zeitleiste
- 28. September 1968: Eröffnung des Journal
- 28. Januar 1973: Schließung des Journal wegen Brand
JZ Stricker
Gaswerkstr. 39, 33647 Bielefeld
Das Jugendzentrum Stricker in Brackwede wurde 1975 im Gebäude der ehemaligen Fahrradfabrik Ernst & Paul Stricker eröffnet. Neben der Jugendarbeit ist es auch für viele Konzerte bekannt, die dort regelmäßig stattfinden. Sehr oft sind dies lokale Bands, die hier eine Bühne bekommen. Einige bekannte Namen sind aber in der Historie auch zu finden, wie beispielsweise Casper oder Rosi. Den Platz in dieser Liste sichert sich das JZ Stricker aber durch die Discoveranstaltungen, die wie die Konzerte quer durch die Genres gehen.
Der Name rührt im Übrigen
Zeitleiste
- 01. Mai 1975: Öffnung des JZ Stricker als Jugendzentrum
- 2011 und 2012: Energetische Sanierung
- 01. Januar 2018: Die Falken Bielefeld werden Träger des JZ Stricker
- 2023: Umbau auf Barrierefreiheit
Kamp
Niedermühlenkamp 43, 33604 Bielefeld
Das nachweislich älteste Jugendzentrum Deutschlands steht am Niedermühlenkamp. In der langen Geschichte des Kamp gab es natürlich Höhen und Tiefen. In der ersten Zeit wurde es durch die Stadt Bielefeld getragen. Als das Etat der Stadt gekürzt wurde, formierte sich 2001 der Verein Kulturkombinat Kamp, der aus ehrenamtlichen Mitarbeitenden besteht. Die Trägerschaft konnte ein Jahr später an Die Falken übergeben werden. Eine unerwartete Kündigung dieser Trägerschaft zum 01.01.2011 führte dann zu einer existenzbedrohlichen Lage. Der Aufschrei war groß und am Ende konnte das Kamp gerettet werden. Es folgten aufwendige Umbauarbeiten, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude auf moderne Standards zu bringen. Insgesamt wurden 4,4 Millionen Euro investiert. Beispielsweise wurde vieles barrierefrei gestaltet und Dachboden, auf dem früher auch Musiker in provisorischen Unterkünften übernachtet hatten, ausgebaut. Zentrum des Geschehens ist aber immer noch der große Saal.
Seit den 1950ern fanden im Kamp Tanzveranstaltungen und Konzerte statt. Zunächst im Bereich Rock & Roll, in den 1970ern dann auch Deutsch-Rock. Nennenswert bei den Konzerten ist beispielsweise die Krautrock-Band Grobschnitt, die 1977 gastierten. Später kamen auch Westbam, Dendemann und Tomte zu Besuch. Verschiedene Partyreihen machten das Kamp immer wieder zur Disco in den verschiedensten Genres, es gab House, Metal, Punk usw..
Zeitleiste
- 1927: Bau des Jugendzentrums am Niedermühlenkamp
- 1928: Erste Nutzung als Kinderhort und Jugendheim
- 1994: Das Gebäude wird unter Denkmalschutz gestellt
- 2001: Gründung des Vereins Kulturkombinat Kamp
- 2002: Übernahme der Trägerschaft durch Die Falken Bielefeld
- 2010: Nach der Kündigung durch Die Falken zum 01. Januar 2011 ist die Zukunft ungewiss, der Fortbestand kann jedoch gerettet werden
- 2018-2021: Sanierung des Gebäudes
- 02. Mai 2023: Wiedereröffnung nach langem Provisorium
Las Vegas
Webereistr. 5, 33602 Bielefeld
Bislang habe ich zum Las Vegas nur bruchstückhafte Infos bekommen, daher gerne über die Kommentare ergänzen und korrigieren.
Ende der 1960er Jahre entstand im ersten Stock der Gaststätte Langenberger Bierstuben ein Disco-Raum, den man den Namen Las Vegas gab. Erster Betreiber war Werner Liebenfeld, der die Gaststätte von seinem Vater Hugo übernommen hatte. Liebenfeld wurde später abgelöst von Hans Klostermann, der hier zuvor als Kellner gearbeitet hatte.
Living Room / Bitches Brew / u.s.w.
Feilenstraße 31, 33602 Bielefeld (Sam’s siehe separaten Eintrag)
In den Räumen der alten Dornbusch-Wäschefabrik entstand 1993 ein wechselvolles Kapitel der Bielefelder Clubgeschichte. Den Anfang machte Andreas Stahlberg mit einem idealistischen Ansatz. Er war Betreiber der Szenekneipe Manufaktur im selben Gebäude und wollte mit dem Bitches Brew im Keller einen Jazzclub etablieren – vermutlich benannt nach dem berühmten Album von Miles Davis.
Jazz war sein persönlicher Musikgeschmack und Jazz erlebte damals eine kleine Modewelle, weil Elemente davon in Hip-Hop Stücken vorkamen, z.B. bei solchen von US3. Stimmen vom Jugendamt (als Betreiber des Bunker Ulmenwalls) und des Jazzclub e.V. hatten berechtigte Zweifel, ob das funktioniert, da die Welle nicht lange andauern würde.
Stahlberg hatte aber den regulären Discobetrieb als zweites Standbein eingeplant, so dass es einige Jahre funktionierte. Bei der Eröffnung des Bitches Brew trat der libanesische Jazzmusiker Rabih Abou-Khalil als Gaststar auf und es folgten viele weitere Jazzabende.
An den Discoabenden wurde überwiegend House, Techno und Acid Jazz aufgelegt. Ein gutes Beispiel für sein vielschichtiges Konzept waren auch die sogenannten „Doppelpack-Partys“, bei denen die Räume des Bitches Brew über eine Notausgangtreppe mit der darüberliegenden Nachtbar Kantine verbunden wurde.
Der Umbau zur Diskothek Living Room
Nach etwa sieben Jahren folgte der Living Room, der von Philipp Webler eröffnet wurde. Ideengeber für den Namen war eine Edel-Disco in Miami Beach, die The Living Room hieß. Webler war zuvor Inhaber des Madhouse in der Altstadt. Vor der Eröffnung wurden die Räume in einer sehr aufwendigen Umbauaktion wesentlich vergrößert.
Die Decke über der Tanzfläche wurde entfernt, ein ganzes ehemaliges Fundament einer Dampfmaschine unterhalb der Tanzfläche weggestemmt, um diese tiefer zu legen. Die Räume der angrenzenden Gastronomie Kantine und Teile der benachbarten Spielothek wurden hinzugezogen. Zudem wurde hinter einer Mauer noch ein gänzlich unbekannter Raum „gefunden“. Aus geplanten 1300 m² wurden 1700 m² nutzbare Fläche. Leider währte der Betrieb nur ein paar Monate.
Es folgte das Princess, das ein Betreiber aus Detmold führte und anschließend zog das Nachtwerk ein. Einige Gewalttaten setzten dem Ruf beider Clubs jedoch erheblich zu. Zudem gab es Auseinandersetzungen mit dem Bauamt.
Neustart mit Club 1 Million
Danach folgte der Club 1 Million, dessen Betreiber Burhan Cicek dem vorbelasteten Ruf aktiv entgegentrat. Zunächst investierte er allein 35.000 € in eine neue Brandmeldeanlage und schaffte damit die Differenzen mit dem Bauamt aus dem Weg. Das Security-Personal wurde geschult, um bei gefährlichen Situationen, wie es sie in der Vergangenheit gab, professionell reagieren zu können. Die Zielgruppe des Club 1 Million, der zunächst nur an Samstagen öffnete, war „gehobenes Publikum“. Musikalisch wurde eine Mischung aus Dancehall, Hip Hop, R’n’B und Funk geboten.
Nach der Schließung des Club 1 Million war zunächst Schluss mit regulärem Discobetrieb an diesem Standort. Nun zog die Event Location LoJo ein, die ihre Räume ausschließlich an Fremdveranstalter vermietete.
Das Sam’s zieht ein
Dies änderte sich jedoch wieder, als im Februar 2023 das traditionsreiche Sam’s aus der Altstadt einzog (s. dazu separaten Eintrag). Zur Unterscheidung der Standorte wird das „neue“ Sam’s in dieser Liste als Sam’s (2) geführt.
Zeitleiste
- Dezember 1993: Eröffnung des Bitches Brew
- November 2000: Beginn aufwändiger Umbauarbeiten für den Living Room.
- 13/14. Juli 2001: Eröffnungswochenende des Living Room mit 3500 Gästen am Freitag und 2500 am Samstag
- Oktober oder November 2001: Schließung des Living Room nach nur etwa 3-4 Monaten
- Wahrscheinlich 2002: Eröffnung des Princess
- 2007: Letzte Spuren des Princess in der Presse, vermutlich in diesem Jahr geschlossen
- 17. September 2010: Eröffnung des Nachtwerk
- 21. September 2010: Schließung des Nachtwerk durch das Bauamt
- 09. Oktober 2010 Teilweise Wiedereröffnung des Nachtwerk nach Beseitigung der meisten Mängel
- Mai 2011: Schließung des Nachtwerk
- 10. September 2011: Eröffnung des Club 1 Million
- Oktober 2019: Eröffnung des Event-Centers LoJo
- 04. Februar 2023: Eröffnung des Sam’s (2)
Lokschuppen / Ringlokschuppen
Stadtheider Str. 11, 33609 Bielefeld
Weltweit gibt es nur wenige ehemalige Ringlokschuppen, die über den Denkmalschutz erhalten bleiben und die jetzt als Veranstaltungsraum genutzt werden. Das berühmteste und schillerndste Pendant ist wohl das Roundhouse in London. Die Diskothek Lokschuppen in Bielefeld ist also schon daher etwas Besonderes. Nach langem Leerstand und fast verfallen konnte er – zugegeben vereinfacht ausgedrückt – dadurch gerettet werden, dass das PC69 neue Räume suchte.
Anfangs planten die Architekten zwei Hallen innerhalb des Gebäudes, eine für 3000 Personen, die andere für 800. Für ein ausgewogenes Programm wurde aber auch ein kleinerer Club gebraucht, um beispielsweise Nischenprogramme zu realisieren oder neue Themen auszuprobieren. Daher nahm man die dritte Area zwischen den beiden großen Hallen rechtzeitig mit in die Pläne auf. Heute stehen deshalb drei Clubs unter einem Dach zur Verfügung.
Start mit dem PC69-Team
Betreiberin war wie zuletzt im PC69 Petra Minz. Sie und ihre Crew gaben ihrem PC69-Nachfolger den naheliegenden Namen Ringlokschuppen. In den neuen Räumen konnten sie jetzt alte Grenzen bei Konzerten sprengen und ein wesentlich abwechslungsreicheres Angebot bei Discoveranstaltungen ermöglichen. Das Programm wurde verglichen zum PC69 kommerzieller, um damit eine größere Zielgruppe anzusprechen. Altbekannte DJs mischten sich mit neuen Gesichtern. Der Ringlokschuppen war keine Kopie des PC69, sondern etwas Neues.
Neues Konzept und neuer Betreiber
Nach gut 15 Jahren wechselten die Betreiber. Die fast4ward war zuvor für das Cafe Europa verantwortlich, wurde nun Pächter des Ringlokschuppens und änderte den Namen in Lokschuppen. Discoveranstaltungen waren jetzt nicht mehr für jeden Tag angesetzt, denn die Räume sollten mehr für Firmenevents und Ähnlichem zur Verfügung stehen. Damit trugen die Betreiber der schwindenden Zahl an Nachtschwärmern Rechnung, denn die Zeichen der Zeit wurden im (Ring)Lokschuppen sichtbar. Was früher das Fernsehen beim Trocadero oder dem Cafe Europa angerichtet hatte, übernahm jetzt Social Media – nur noch viel schlimmer. Diskotheken bekamen Schwierigkeiten und Großdiskotheken bekamen große Schwierigkeiten. Der Wandel ist immer noch zu spüren und vielleicht dreht er sich ja irgendwann wieder. Vielleicht trifft man sich auch eines Tages wieder mittwochs in knallvollen Discos. Aber bis dahin wird es noch dauern.
Richten wir den Blick noch einmal auf die Konzerte. Die hohe Schlagzahl, die das PC69 damals vorgelegt hatte, wurde im Ringlokschuppen weiter forciert und auch der neue Betreiber ist in diesem Bereich aktiv. Nennenswerte Bands, die seit 2003 auftraten sind beispielsweise Simple Minds, The Sisters of Mercy, The Dubliners, Sportfreunde Stiller und Doro.
Zeitleiste
- 31. Oktober 2003: Eröffnung als Ringlokschuppen
- 01. Januar 2018: Übernahme des Betriebs durch fast4ward, Umbenennung in Lokschuppen
Mick-Mack-Gasse
Hagenbruchstraße 3, 33602 Bielefeld
In der ehemaligen Gaststätte Christopher of Bremen eröffnete der Gastronom H.-O. Burkhard 1976 die Diskothek Mick-Mack-Gasse. Im wöchentlichen Rhythmus gab es verschiedene Programme. Dienstags war „Jazz Meeting“ mit Live-Musik, sonntags war „Jugendmeeting“. Die Jazz Meeting-Reihe wurde mit der Band Schulzke’s Skandal Trupp eröffnet. Spätestens 1981 war Schluss, denn im August des Jahres zog bereits ein italienisches Restaurant in die Räume.
Zeitleiste
- 12./13. März 1976: Eröffnung der Mick-Mack-Gasse
- 16. März 1976: Erstes „Jazz Meeting“ mit Schulzke’s Skandal Trupp
- Spätestens Juli 1981: Schließung der Mick-Mack-Gasse
Movie
Am Bahnhof 6, 33602 Bielefeld
Am Vorplatz des Hauptbahnhofs gibt es die Diskothek Movie. Diese war vorher ihrer Eröffnung im Jahr 2003 ein Kino mit gleichem Namen. Gleich zu Beginn warb man mit dem Slogan „No kids, no techno“ gezielt älteres Publikum an, das auf alternative Musik steht. Rückenwind gab auch das Ende 2003 geschlossene PC69, das gewissermaßen eine heimatlose Partygemeinde zurückließ, um die sich der Ringlokschuppen als eigentlicher Nachfolger des PC69 nicht bemühte. Das Konzept des Movie ist bis heute weitestgehend unverändert und zielt auf Fans alternativer Musik im Alter zwischen 20 und 60 Jahren.
Der erste Betreiber war Volker Skopp und die musikalische Ausgestaltung oblag Rudi Knoke. Knoke war selbst DJ und hatte vorher ein ähnliches Publikum im Zweischlingen bedient. Das Programm im Movie hielt man sich zunächst aber bedingt offen und machte es auch vom anwesenden Publikum abhängig.
Betreiberwechsel von kurzer Dauer
2019 übernahmen dann Chris Huelsewede und Henrik Frevert die Leitung. Huelsewede war Veranstalter und hatte vorher im PC69 und im Ringlokschuppen gewirkt. Frevert war DJ und kam ebenfalls aus dem Ringlokschuppen. Beide einte die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte nach dem Betreiberwechsel dort.
Ab Sommer 2020 kam es zum Rechtsstreit mit dem Vermieter, der zugleich der erste Betreiber des Movie war. Dieser hatte den Mietvertrag gekündigt und wollte nun selbst wieder die Leitung übernehmen. Zusammen mit Auswirkungen der Pandemie führte dies im Juli 2021 zur Schließung der Diskothek. Kurz darauf setzte Volker Skopp den Betrieb fort.
Der Charme des Movie ist das glanzlose, dunkle und ungehobelte Interieur, das viele Fans des Underground anspricht. Aus diesem Genre finden auch immer wieder Konzerte statt, beispielsweise waren Pink Turns Blue, The Chameleons und die Post Punk Band Ist Ist zu Gast.
Zeitleiste
- 11. April 2003: Eröffnung des Movie
- April 2019: Neue Betreiber sind Chris Huelsewede und Henrik Frewert
- Juli 2021: Schließung des Movie
- Herbst 2021: Wiedereröffnung des Movie, Betreiber ist jetzt wieder Volker Skopp
Neon’s
Haller Straße 66, 33803 Steinhagen
Das Neon’s hat mit dem Hellepark gemein, dass es nicht direkt in Bielefeld lag, jedoch aufgrund der Nähe und der Präsenz in der Bielefelder Discokultur auf diese Liste gehört. Es gibt zudem eine gewisse Verbindung zum Zweischlingen, denn das Neon’s entstand in der ehemaligen Gaststätte Vierschlingen, ist also auch Teil der ehemaligen Zollstellen „Schlingen“ entlang der B68.
In der Anfangszeit machte sich das Neon’s vorwiegend durch Reggae einen Namen – unter anderem durch DJ David Rodigan. Dieser moderierte auch eine Sendung beim britischen Radiosender BFBS, der durch seine Musikauswahl bei Briten und Deutschen gleichermaßen sehr beliebt war. Als später House und Techno in Mode kamen, gastierten im Neon’s zahlreiche prominente House-DJs, wie z.B. Steve Mason und Marusha. Etwa ein Jahr vor der Schließung gab es kurzzeitig auch ein schwarzes Donnerstagsprogramm mit Liveacts, darunter Psychic Force und Welle:Erdball.
Nach der Schließung zog es den Betreiber Douglas Campbell weiter nach Bielefeld, wo er in der Feilenstraße das Neon’s 2000 eröffnete.
Zeitleiste
- 1983: Eröffnung des Neon’s
- 1996: Schließung des Neon’s
Neon’s 2000 / Baccara / Rendevous
Feilenstr. 1, 33602 Bielefeld
Das Rendevous war die erste Diskothek an dieser Adresse. Weitere Informationen hierzu liegen mir nicht vor. Der Name lässt vermuten, dass die Zielgruppe Singles waren. Es folgte in den Räumen das Baccara, das jeden Donnerstag Gay-Dance-Shows mit Travestie und Men-Strips bot. Das Programm am Wochenende ist nicht dokumentiert. Der Name Baccara lässt vermuten, dass es auch dann die Gay-Szene angesprochen wurde.
Das Neon’s 2000 ist aus dem Neon’s in Steinhagen entstanden. Betreiber waren Douglas und Denise Campbell. Es musste nach gut einem Jahr aus finanziellen Gründen schließen. Weitere Infos zum Neon’s 2000 sind willkommen.
Zeitleiste
- ca. 1993: Eröffnung als Rendevous
- ca. 1995: Wiedereröffnung als Baccara
- 1997: Wiedereröffnung als Neon’s 2000
- 1998: Schließung des Neon’s 2000
Neuroserve
August-Bebel-Straße. 78a, 33602 Bielefeld
Wenn sich eine Idee verselbständigt, muss das nicht immer gut ausgehen – und ein eindrückliches Beispiel dafür war das Neuroserve. Rund um den Jahreswechsel 1993/1994 hatten Frank Volmer, dessen Lebensgefährtin und Daniel Myer die Idee, verschiedenste Richtungen der elektronischen Musik miteinander in ein Konzept zu bringen. Um das zu verwirklichen startete man in einem zum Partyraum umgebauten Keller in der August-Bebel-Straße, den man über einen Hinterhof erreichen konnte. Der Name dieses Projekts – und der Location selbst – war Neuroserve.
Die Idee lernt das Laufen
Dass diese zunächst relativ privat gehaltene Disco dem Underground zuzuordnen war, ergab sich allein schon daraus, dass sie in keinster Weise eine offizielle Genehmigung hatte. Zudem gab es in der ersten Zeit auch keine sanitären Anlagen, weshalb man irgendwann eine mobile Baustellentoilette im Außenbereich aufstellte. Das oben beschriebene Konzept war allerdings zunächst nicht sehr erfolgreich, obwohl man damit eine gewisse Lücke bediente. Der Betrieb blieb daher im ersten Jahr recht übersichtlich. Trotzdem gab es schon zu diesem Zeitpunkt einige Beschwerden aus der Nachbarschaft über Lärm.
Die Ausgestaltung des Programms drehte sich dann hin zu House und Techno, was den Erfolg des Neuroserve nun signifikant steigerte. In der Folge leitete man die überfällige Legalisierung ein und gründete den „Verein zur Förderung elektronischer Kunst und Musik in Bielefeld“, der den Beinamen Neuroserve trug. Dieser Verein übernahm die Leitung von den ursprünglichen Betreibern, so dass sich die Verantwortlichkeiten änderten. Der Gründer Daniel Myer, bekannt durch seine Band Haujobb und seiner späteren Mitwirkung bei Covenant, zog sich beispielsweise zurück und widmete sich fortan anderen Projekten.
Erfolg und Sichtbarkeit
Mit dem Aufstreben in der Szene und der immer größer werdenden Bekanntheit füllte sich der Keller an den Abenden immer mehr. Es folgten viele Auftritte bekannter DJs, wie z.B. Mate Galić, der auch Moderator beim Fernsehsender Viva war. Auch waren einige Resident-DJs aus dem Berliner Tresor zu Gast. Andauernde Lärmbeschwerden brachten aber auch das Ordnungsamt auf den Plan, das nachweislich mindestens zweimal vor Ort war, um um Ruhe zu bitten. Dabei bemängelten sie allerdings noch nicht, dass der Keller keine Notausgänge hatte und dass dieser bei einem Brand zu Todesfalle hätte werden können. Darüber hinaus gab es überall brennende Kerzen und jede Menge brennbares Material. Beispielsweise waren die Decken mit Tarnnetzen behangen und die Sitzgelegenheiten waren überwiegend Sofas. Wer in das Neuroserve hinein wollte, musste zunächst durch einen langen schlauchartigen Gang gehen und die einzige Ausgangstür lies sich nur nach innen öffnen. Das oben genannte Toilettenhäuschen im Innenhof war auch bereits einmal abgebrannt – entflammt durch eine heruntergebrannte Kerze im Inneren.
Halloween-Razzia: Das Ende im Chaos
Auch wenn die Ordnungshüter zuvor offenbar nur Ruhe haben wollten, waren diese Kontrollen vielleicht der Anstoß zur groß angelegten Razzia, die am Halloween 1998 stattfand. Mit einem großen Aufgebot räumte die Polizei das Neuroserve. Alle 111 dort angetroffenen Personen wurden einzeln in Räume einer nahegelegenen Behörde gebracht und dort verhört, durchsucht und fotografiert. Etwa 50 teils nur sommerlich bekleidete Gäste lies man dabei über Stunden gefesselt draußen im Regen stehen. Ein Drogendealer, gegen den ein Haftbefehl vorlag, wurde festgenommen, ebenso ein Autoknacker, den sie – als Beifang – auf frischer Tat ertappten. Gegen 15 Personen wurden anschließend Strafverfahren wegen Drogenbesitzes eingeleitet. Allerdings hatten sich viele andere rechtzeitig ihrer Tütchen entledigt, so dass der Boden mit herrenlosen Substanzen gepflastert war. Gefunden wurden vor allem Hanfprodukte, LSD, einige Tüten mit psilocybinhaltigen Pilzen und die szenetypischen Ecstasy-Pillen.
Ein paar Tage später beteuerte ein Vorstandsmitglied des Vereins in der Presse, dass es sich um eine Private Geburtstagsfeier von zwei Vereinsmitgliedern gehandelt habe. Ferner arbeite man mit der Drogenberatung zusammen. Doch das half nichts; die Polizei führte als Beweise einer kommerziellen Nutzung an, dass unter anderem Flyer bis ins Ruhrgebiet verteilt wurden und auch offen im Bürgerfunk-Radio geworben wurde. Die Razzia besiegelte schließlich nicht nur das Ende des Neuroserve, sondern es wurden im Anschluss alle Vereinsmitglieder verklagt. Gesamtschuldnerisch mussten sie nicht nur Strafe zahlen, sondern auch viele Steuern nachträglich begleichen. Eine große Welle ging die Presse, die auch auf die Gewerbeaufsicht und das Ordnungsamt zurückschlug, denn trotz der nun aufgezeigten Gegebenheiten blieben sie ja jahrelang tatenlos. Man gab sich ahnungslos und wies darauf hin, dass man auf Hinweisgeber angewiesen sei. Diese vorgegebenen Wissenslücken wurden später jedoch teilweise widerlegt.
Auch wenn das Neuroserve durch seine Geschichte immer wieder mit dem Attribut „legendär“ in Verbindung gebracht wird, gibt es einen Ratschlag, den wohl jeder Beteiligte unterstreichen würde: Nicht nachmachen, Kinder.
Zeitleiste
- Jahreswechsel 1993/1994: Entstehung des Neuroserve
- 31. Oktober 1998: Razzia und Schließung des Neuroserve
Nr.z.P.
Große-Kurfürsten-Straße 81, 33615 Bielefeld
Wie ich oben schon erwähnt habe, befinden sich das Nr.z.P. und das Cutie nebeneinander im selben Gebäude, also in der Parterre des Parkhauses nahe der Jöllenbecker Straße. Der Bereich, den das Nr.z.P. belegt, war vorher die Anmeldestelle des Straßenverkehrsamts untergebracht. Dort wurden Nummern gezogen und teils stundenlang gewartet, bis es hieß „Nummer X bitte zu Platz Y“. Daher die Namensgebung des Clubs.
Betrieben wird das Nr.z.P. von der Initiative Bielefelder Subkultur, ein gemeinnütziger Verein, der sich der Förderung von Subkultur verschieben hat. Der Club ist praktisch der Playground des Vereins. Es werden Partys, Lesungen, Theaterstücke, Vorträge und Konzerte veranstaltet sowie Nachwuchs-DJs gefördert.
Musik und Konzerte bewegen sich im subkulturellen bzw. Indie-Bereich.
Zeitleiste
- 2010: Gründung des Vereins und Eröffnung des Nr.z.P.
Old Camp – Buschkamp
Brackweder Str. 221, 33659 Bielefeld (Senne I)
In Senne I gab es das Old Camp – Buschkamp, das eine Kombination aus Restaurant und Diskothek war. Betreiber war Hasso Wuttig. 1980, als Filme wie Roller Boogie und Xanadu in die Kinos kamen, wurde es zur Roller-Diskothek umgebaut. Es war die erste und wahrscheinlich auch einzige, die es in Bielefeld gab. Inkludiert war ein Verleih für Rollschuhe.
Zeitleiste
- 2. Jahreshälfte 1970: Eröffnung des Old Camp – Buschkamp
- 16. Mai 1980: Wiedereröffnung nach Umbau als Roller-Diskothek
- etwa 1981: Schließung des Old Camp – Buschkamp
Old Crow / Parapluie (2)
Obernstraße 4, 33602 Bielefeld
Das Old Crow, oder „Die Krähe“, wie es von manchen genannt wurde, war eine Diskothek von Rüdiger Herfurth, der auch die Eisenhütte und das Dixi betrieb. Die Eröffnung der Eisenhütte, Bielefelds erste Diskothek, war gerade erst neun Monate her, als die Old Crow an den Start ging. Sein neuer Club, den er auch als „Künstlerlokal“ bewarb, sollte für 330 Gäste ausgelegt sein. Allerdings war dies eine sehr ambitionierte Zahl, nicht nur nach heutigen Maßstäben. Im Frühjahr 1971 war man bereits dabei, maximale Besucherzahlen pro Fläche festzulegen. Man nahm zuerst Diskotheken ins Visier. Ein verheerender Brand einer solchen in Grenoble mit 142 Toten schreckte Öffentlichkeit und Behörden schon ein Jahr zuvor auf. Diskotheken sollten jetzt sicherer werden. Das Verwaltungsgericht in Minden legte fest, dass in Bielefelder Diskotheken auf 1,5qm nur zwei Personen gerechnet werden dürfen. Bezogen auf das Old Crow bedeutete das jetzt eine maximale Personenzahl von 186. Herfurth und andere gingen dagegen vor, ohne Erfolg.
Das Programm des Clubs war der Zeit entsprechend gemischt und wurde vorwiegend auf junge Leute ausgerichtet. Neben anderen DJs stand auch Lothar Butkus an den Reglern, bis er später ins Dixi wechselte und noch später auch als Stadionsprecher der Alm bekannt wurde. Daneben gab es auch Sonderveranstaltungen wie Miss-Wahlen oder auch Karnevalsfeiern, bei denen Verkleidung ausdrücklich erwünscht war – und das in Ostwestfalen. Viele Promis verkehrten hier. Sogar Jimi Hendrix ist gesichtet worden. Als er 1967 ein Konzert im Herforder Jaguar Club hatte, tauchte er danach in der Obernstraße auf. Die Erzählungen gehen an dem Punkt allerdings auseinander. Manche sagen, Herfurth hätte ihn an der Tür abgewiesen, andere wollen ihn drin gesehen haben. Schade, dass wir Jimi nicht mehr selbst fragen können.
Der Club konnte sich über viele Jahre erfolgreich halten. Auf das 10-jährige Jubiläum arbeitete man sich mit einem aufwendigen Umbau hin und feierte dann drei Tage Jubiläum und Neueröffnung in Einem. Bis etwa 1980 blieb der Betrieb bestehen.
Neue Betreiberin: Das Parapluie zieht ein
Im Dezember 1980 eröffnete in den Räumen die Diskothek Parapluie (auf Deutsch: Regenschirm), die von Walburga Dresselhaus betrieben wurde. Ob diese eine Verbindung zur gleichnamigen, kurz zuvor eröffneten Diskothek in Schildesche hatte, konnte ich noch nicht verifizieren. Um an dieser Stelle die Eindeutigkeit zu bewahren, führe ich diese Diskothek hier als Parapluie (2).
In dieser Zeit gab es vermehrt Probleme mit britischen Soldaten, und dies in besonderer Hinsicht. Die meist sehr jungen Wehrdienstleistenden hielten sich oft in der Obernstraße auf und besuchten dort auch das Parapluie (2). Wenn es einmal Ärger gab, kamen die verschiedenen Hoheiten ins Spiel: Die deutsche Polizei und das Ordnungsamt versus der britischen Militärpolizei. Die deutsche Polizei hatte bei den Soldaten keine wirkliche Handhabe und konnte im Fall der Fälle nur schlichtend einwirken. Die britische Militärpolizei hingegen griff bei ihren Landsleuten durch und unternahm auch einige Razzien im Parapluie (2), bei denen beispielsweise einmal ein Fahnenflüchtiger festgenommen wurde.
Die Situation war allgemein sehr angespannt. Das Ordnungsamt versuchte sich schließlich im Dialog, auch zusammen mit der Betreiberin, was allerdings nicht zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem britischen Militär führte. Dessen Führung verbot schließlich ihren Soldaten den Zutritt ins Parapluie (2) und stellte monatelang Militärpolizisten als Wachen vor die Tür. Was wohl als fürsorgliche Hilfe gedacht war, erwies sich in der Praxis als unhaltbar, denn auch die deutsche Polizei und das Ordnungsamt gaben sich nun die Klinke in die Hand, was einem erfolgreichen Discobetrieb signifikant im Weg stand. Das Parapluie (2) in der Obernstraße schloss seine Tore schließlich um 1985/1986.
- 25. November 1966: Eröffnung des Old Crow
- 28. Mai 1967: Jimi Hendrix ist zu Gast
- 26.-28. November 1976: Wiedereröffnung nach Umbau, große Jubiläumsfeier
- um 1980: Schließung des Old Crow
- 12. Dezember 1980: Eröffnung als Diskothek Parapluie (2)
- 12. Februar 1982: Erneute Wiedereröffnung als Parapluie (2)
- 1985 oder 1986: Schließung des Parapluie (2)
Pappelkrug / Carussell
Wertherstraße 311 (vorm. Hsnr. 52), 33619 Bielefeld (Dornberg)
Der Pappelkrug in Bielefeld ist in erster Linie ein traditionsreiches Restaurant mit Biergarten. Im hinteren Teil des Hauses befindet sich ein großer Saal, in den im April 1974 die Diskothek Carussell einzog. Die Gaststätte selbst blieb parallel bestehen, sodass Besucher neben dem Discobetrieb weiterhin eine Küche vorfanden. Die Bereiche waren jedoch getrennt: Während der Pappelkrug über den Haupteingang erreichbar war, führte der Weg zur Disco seitlich rechts am Gebäude entlang. Betrieben wurde beides von Renate und Udo Günzel, die ab 1976 auch zusätzlich die Innenstadt-Gaststätte Der Postmeister am Kesselbrink führten. Für die Musik im Carussell sorgte Resident-DJ Gerd.
Günstige Preise und junges Publikum
Die Preise waren in dieser Zeit sehr niedrig gehalten, was viele Jugendliche anzog. Ganz am Anfang betrug der Eintritt vom Carussell nur eine Mark, was später dann auf drei Mark erhöht wurde. Bei Speisen und Getränken war es ähnlich. Viele junge Dornberger verbrachten aber nicht nur deshalb hier einen Großteil ihrer Freizeit, sondern auch, weil dies das einzige Angebot in der direkten Nachbarschaft war. Darüber hinaus wurde das Carussell auch von vielen britischen Soldaten besucht, vor allem an den Wochenenden.
Im Carussell fanden zudem auch einige Konzerte lokaler Bands statt. Beispielsweise kamen im März 1977 Mike Warner & The Shatters, die auch bei der Eröffnung des Star-Club mit dabei waren. Einen Monat später waren Screws & Mothers zu Gast. Beide Bands stammen aus Bielefeld.
Neueröffnung als Tanzlokal Melodie
Im Oktober 1982 wurde aus Pappelkrug und Carussell dann das Bierlokal bzw. Tanzlokal Melodie. Renate und Udo betrieben dies noch einige Zeit, bis sie weiterzogen und am 26. Juli 1984 die Gaststätte Quirkendörper Treff an der Hauptstraße 93 eröffneten.
Nach ihrem Weggang entwickelte sich der Pappelkrug – der nun wieder seinen alten Namen trug – zu einem beliebten Treffpunkt der alternativen Szene. Der Saal wurde in dieser Zeit vor allem für Konzerte genutzt und galt bald auch mit seinem Programm als Alternative zum gerade neu eröffneten PC69.
Alternative-Diskothek in den 1990ern
Ab Beginn der 1990er-Jahre entwickelte sich der Saal dann wieder zur Diskothek, die insbesondere bei Studierenden und in der Alternativ-Szene beliebt war. Der Eingang war jetzt allerdings nicht mehr separat wie beim Carussell, sondern man ging durch den Pappelkrug in den hinteren Saal. Der „Disco-Tag“ war immer dienstags und es wurde überwiegend Alternative-Rock aufgelegt. Da es in dieser Zeit für Studenten und andere gleichaltrige durchaus normal war, fast jeden Abend „auf Piste zu gehen“, fügte sich der Pappelkrug nahtlos in die Wochenplanung vieler Nachtschwärmer ein. Ab den 2000er Jahren nahm das allerdings ab und das Discoprogramm im Pappelkrug endete.
Zeitleiste
- ca. 1920: Eröffnung des Pappelkrug
- 04. April 1974: Eröffnung des Carussell
- 06. Oktober 1982: Wiedereröffnung als Bierlokal Melodie
- ca. 1990: Der Saal wird dienstags wieder zur Diskothek
- ca. 2000: Ende der Discoveranstaltungen
Parapluie / Tiffany / Dings-Bums
Beckhausstr. 281, 33611 Bielefeld
Über diese Clubs liegen mir nur sehr wenige Informationen vor. Spätestens 1973 zog die Diskothek Dings-Bums in die Räume der sehr bekannten Gaststätte Erdnuss Bar in Schildesche. Betreiber waren Jörg und Günter Holtmann.
Ab April 1978 hieß der Club Tiffany und ab Januar 1980 dann Parapluie. Der Betreiber des Parapluie soll Kevin O’Connor gewesen sein.
Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang, dass im Dezember 1980 ein weiteres Parapluie in den Räumen des ehemaligen Old Crow an der Obernstraße zog. Beide Clubs existierten für eine kurze Zeit parallel. Ob sie kooperierten oder direkt zusammengehörten, konnte ich noch nicht verifizieren.
Im Mai 1982 eröffnete dann die Gaststätte Los Caballeros in den Räumen. Seitdem gab es an diesem Ort keinen weiteren Discobetrieb mehr.
Weitere Infos sind willkommen!
Zeitleiste
- Bis ca. 1973: Gaststätte Erdnuss Bar
- ca. 1973-1977: Diskothek Dings-Bums
- 21. April 1978: Eröffnung der Diskothek Tiffany
- 05. Januar 1980: Eröffnung der Diskothek Parapluie
- 05. Mai 1982: Eröffnung der Gaststätte Los Caballeros
Partydorf / Bierdorf
Stadtring 9, 33647 Bielefeld
Nach zweijähriger Standortsuche konnten die drei Betreiber Theo Vagt, Klaus Pracht und Heinz Brüggemann das Bierdorf in Brackwede eröffnen. Vier weitere Standorte in Bielefeld wurden zuvor von den Behörden abgelehnt. Ein Bierdorf gab es bereits in anderen Städten wie beispielsweise in Köln und daher kam auch das Konzept. Das Bielefelder Bierdorf war nach meinen Kenntnissen allerdings rechtlich und kommerziell unabhängig von den Vorbildern.
Ein Bierdorf hat an allen Wochentagen geöffnet, hieß es, es gab einen Westernsaloon (man ging auch gern mit Cowboystiefeln dort hin), eine „Schmauseecke“ und eine Weinstube. Und es gab einen Bierbrunnen, aus dem durchweg ein Strahl Bier mit 10cm Durchmesser sprudelte. Insgesamt sollte das alles ein „Dorfleben“ darstellen. Die Eröffnung war an einem Mittwoch und man „hoffte“, dass nicht so viele Besucher kamen, wie bei einer Eröffnung in Göttingen. Dort haben 3000 Gäste den Club völlig überfüllt. Daher bat man darum, vielleicht nicht gleich am ersten Tag zu erscheinen. Man warb mit vielen Biermarken, ob Guinness, DAB, Herforder Pils, Hannen Alt oder Jever, es war für jeden Geschmack etwas dabei.
Und Musik gab es natürlich auch. Ein DJ legte auf und für gelegentliche Auftritte war auch eine Bühne vorbereitet. Das Konzept funktionierte einige Jahre. Später hieß der Club dann Partydorf. Einzelheiten zu diesem Wechsel liegen mir zurzeit nicht vor.
Zeitleiste
- 19. Dezember 1984: Eröffnung des Bierdorf
- 17. April 1989: Ein Schwelbrand in der Nacht, Feuerwehr Großeinsatz, 1 Mio. DM Schaden, das zerstörte Bierdorf wird anschließend neu aufgebaut.
- 1993: Eröffnung des Partydorf
- Ende 2004: Schließung des Partydorf aus finanziellen Gründen
PC69
Am Stadtholz 11a, 33609 Bielefeld
Anfang der 1980er Jahre wurden Rock-, Pop- und Wave-Musik immer populärer. Für anstehende Konzerte fehlte in Bielefeld jedoch eine passende Bühne. Weder Stadthalle noch Seidenstickerhalle existierten, und die Oetkerhalle stand für diese Art von Musik nicht zur Verfügung. Siegfried Drescher, Heinz-Jürgen Schürmann und Michael Minz wollten diese Situation ändern und pachteten eine Lackierhalle vom Autohändler Wehmeyer & Castrup. In diesen Räumen sollte das PC69 entstehen, das zunächst für 1500 Besucher ausgelegt war. Die Vorbilder waren die Zeche in Bochum, das Metropol in Berlin und die Fabrik in Hamburg – auch dort setzte man auf einen Mischbetrieb aus Disco und Konzerten.
Die Bielefelder nahmen das Angebot dankbar an, schon die Eröffnungsparty, begleitet von Breakdancern und afrikanischen Percussionisten, wurde ein voller Erfolg. Drei Tage später kam die australische Band Icehouse und brachte ihren Europäischen Tourneestart vor etwa 1000 Besuchern auf die Bühne. Kurz darauf dann das ausverkaufte Konzert von Herbert Grönemeyer, der aktuell seine LP 4630 Bochum herausgebracht hatte. Es folgten über 800 weitere Konzerte, die ich schon an anderer Stelle aufgelistet habe.
Das Discokonzept des PC69
Bei den Discoveranstaltungen waren von Anfang an der Mittwoch, der Freitag und der Samstag eingeplant. Diese drei Tage waren mit jeweiligen Themen besetzt, wobei sich der Samstag im Laufe der Jahre auch änderte. In den 1990ern wollte man der House-Welle Rechnung tragen und sich in diese Richtung modernisieren. Trotz einiger sehr erfolgreicher Veranstaltungen funktionierte das jedoch nicht auf Dauer. Das PC69 war dafür zu sehr festgelegt auf alternative Musik.
Das Mittwochsprogramm orientierte sich eher an den aktuellen Charts und war bei Studenten sehr beliebt, bis es etwa 1993 endete. In den letzten Jahren wurde es dann samstags wieder alternativ, was das PC69 aus einer existenzbedrohlichen Durststrecke holte, die es Mitte der 1990er hatte. Die große Konstante über die gesamten 19 Jahre war allerdings der Freitag mit seinem Programm aus Dark Wave, EBM und Industrial.
Die „Heilige Halle“ im Wandel
Auch baulich hat sich das PC69 über die Jahre entwickelt. Am Anfang stand die langgezogene Halle mit einer Bühne an jeder Seite. Unter der kleineren in Richtung des Eingangs gab es zwei gemauerte Bass-Hörner, was klanglich ein Highlight war. Auch die Bässe um die Tanzfläche herum waren nach der damaligen Best-Practice gemauert. Darauf waren auf langen Pfosten vier Hoch- und Mitteltöner befestigt. Im Jahr 1992 ergänzte man über der kleinen Bühne einen großen U-förmigen Balkon, durch die die Kapazität auf 2000 Gäste erhöht werden konnte. Er wurde im Rahmen der Jubiläumsfeier 8-Jahre-PC69 im September des Jahres eingeweiht.
Eine kräftige Klimaanlage und ein bisschen mehr Ton- und Lichttechnik wurde zur gleichen Zeit installiert. Es gab jetzt vier weitere, und damit insgesamt acht hochmoderne Spiegelscanner vom Typ Clay Paky Golden Scan, die Bewegung ins Licht brachten. Diese waren so angebracht, dass sie auch bei Konzerten auf der großen Bühne eingesetzt werden konnten. Insgesamt war die Halle am Ende für Konzerte perfekt aufgestellt. Vielleicht zu perfekt, denn alles andere drumherum kam an seine Grenzen. Die Kneipe war zu klein, die Garderobe auch, die Kasse ebenso, die Küche zu klein, auch Backstage war kein Platz. Tanzfläche und DJ-Pult reihten sich in diese Liste ein.
2003 lief der Pachtvertrag aus und zur gleichen Zeit bot sich der verfallene Ringlokschuppen an der Stadtheider Straße an. Man entschied sich dann für einen Neuanfang in diesen wesentlich größeren Räumlichkeiten, in denen man nun alle Möglichkeiten hatte, ein modernes Konzept umzusetzen. Wie es weiterging, ist unter Lokschuppen zu finden.
Die Frage nach der Bedeutung des Namens PC69 kann übrigens ganz klar beantwortet werden: Es gibt keine.
Zeitleiste
- 8. September 1984: Eröffnung des PC69
- 11. September 1984: Erstes Konzert, Icehouse spielt vor etwa 1000 Besuchern
- 1992: Bau der Empore, Aufstockung der Licht- und Tonanlage
- 05. September 1992: Eröffnung der Empore / 8-Jahres-Feier
- 31. Oktober 2003: Schließung des PC69
Prime / Theatron / Mikado
Duisburger Str. 25, 33647 Bielefeld
In einer ehemaligen Lagerhalle in Brackwede entstand Ende der 1980er Jahre das Mikado. Wilfried Lüdemann, der bereits viel Erfahrung aus der Branche mitbrachte und beim Finanzier „Mikon“ für dieses Projekt zuständig war, wollte dabei vor allem die Technik nach vorn stellen.
Ganz neu in Ostwestfalen waren damals die fünf beweglichen Traversenelemente, die über der Mainhall hingen. Diese konnte man rauf und runterfahren und auch kippen. Das brachte also etwas Bewegung in die Beleuchtung, die insgesamt mit über 700 Spots aufgebaut war. Noch mehr Bewegung versprach aber die Laseranlage, die Lüdemann installieren lies. Für die Realisierung der gesamten Lichtanlage hatte er die die Firma tarm aus Bochum beauftragt – Deutschlands erste Adresse in Sachen Lasertechnik. Auf 1500qm gab es zwei Areale. Die Mainhall sollte junges Publikum bedienen und ein weiterer Club-Bereich mit Funk & Soul eher ältere Gäste. Allein schon aufgrund seiner Größe von 1500qm war das Mikado auf Mainstream ausgelegt, genauso wie die Nachfolger.
Als nach etwa sechs Jahren das Geschäft im Mikado nicht mehr gut lief, folgte der erste Betreiberwechsel. Mit ihm änderte sich nicht nur das Konzept der Großraumdisco, sondern auch der Name. Mit dem Theatron wollte man jetzt ein exklusiveres Publikum erschließen. Das bedeutete neben vielen kostspieligen Anpassungen auch eine Erhöhung der Eintrittspreise. Trotz anfänglicher Erfolge lies sich das Theatron jedoch nicht länger als drei Jahre halten.
Das Prime übernimmt
Ein erneuter Betreiberwechsel brachte nun den Namenswechsel zum Prime. Dies hatte jetzt auf einer Fläche von 2000 qm insgesamt vier Discobereiche, die sich im Ambiente stark unterscheiden. Der größte heißt Prime Area, die Clubs tragen die Namen Studio, Club Amour und Havanna-Cocktailbar. Durch die thematischen Unterteilungen soll das Prime eine Mischung aus Großraumdisco und Clubatmosphäre ausstrahlen. Im Vergleich zum Vorgänger Theatron gab es allerdings keine großen Umbauten bezüglich der Raumaufteilung, hauptsächlich Farben und Deko haben sich geändert. Betreiberin ist nun die Agentur cartel events und pr-GmbH; sie setzt auf zusätzliches Entertainment, das beispielsweise durch Zauberer, Gogo-Tänzer und Dragqueens in Erscheinung treten soll.
Nach etwa einem halben Jahr gab es dann einen weiteren Betreiberwechsel. Der Name Prime wurde dabei beibehalten. Von nun an leiteten Waldemar Schröder und Andre Speitelspacher die Geschicke der Location. Sie hatten zuvor das Metro in Lemgo geleitet und hatten sich für das Prime vorgenommen, ein breiteres Publikum anzusprechen. Ein großer Teil dessen bestand zu der Zeit aus Deutsch-Russen und die Größe dieser Community reichte allein nicht aus, um schwarze Zahlen schreiben zu können. Ab 2006 folgte dann der Betreiber S. Interline GmbH.
Zeitleiste
- 25. November 1988: Eröffnung des Mikado
- 1997: Wiedereröffnung als Theatron
- Juli oder August 2000: Schließung des Theatron
- September 2000: Wiedereröffnung als Prime
- Mai 2001: Neue Betreiber sind Waldemar Schröder und Andre Speitelspacher
- 2006: Betrieb jetzt durch die S. Interline GmbH
Ranch
Friedenstr. 16, 33602 Bielefeld
In der Friedenstraße gab es das sogenannte „Rosenberger Haus“, in dem etwa 1968 auch die Diskothek Ranch eröffnete. Sie wurde von Günther Hans geführt, der parallel auch Betreiber der Gaststätte Im Steilen Zahn (Gutenbergstraße) war. Die Ranch war eine der angesagtesten Diskotheken der Stadt. Bereits ab 11:00 Uhr morgens startete sie ihr Programm, was unvermeidbar zu Beschwerden führte. Hauptbeschwerdeführer war in diesem Fall das Arbeitsamt, das ein Haus weiter (Friedenstraße 19) etwa 60 Mitarbeiter beschäftigte. Sie störte das Wummern während der Arbeitszeiten. Im August 1970 kam es dann zu einem „Burgfrieden“ zwischen Günther Hans und dem Behördenleiter Willy Genenning. Ab jetzt wurde die Lautstärke tagsüber heruntergedreht, was einen Fortbestand der Ranch bis immerhin 1975 oder 1976 ermöglichte.
Zeitleiste
- ca. 1968: Eröffnung der Ranch
- ca. 1975/1976: Schließung der Ranch
Rubin Club
Heeper Str. 300, 33607 Bielefeld
Über den Rubin Club in Heepen liegen derzeit nur sehr wenige Informationen vor. Er bediente die Genres House & Techno und hielt sich nach meinem derzeitigen Kenntnisstand etwa 2 Jahre. Wie bei vielen anderen Techno-Discos waren hier wohl auch einige prominente DJs zu Gast. Ein Beispiel dafür ist Louis Osbourne, der im Juni 2005 dort aufgelegt hatte. Er ist der älteste Sohn von Ozzy Osbourne.
Zeitleiste
- 2004 oder 2005: Eröffnung des Rubin Club
- Wahrscheinlich 2006: Schließung des Rubin Club
Saloon 1900 und Nachfolger
August-Bebel-Str. 16-18, 33602 Bielefeld
Im Spätsommer 1966 eröffneten die Brüder Hermann und Wilhelm „Willy“ Bickhoff den edel eingerichteten Club Saloon 1900. Beide betrieben unter anderem auch den Ambassador Club unterhalb der Sparrenburg, ihren Wirkungskreis teilten sie nun aber auf. Während Herman den Ambassador-Club betrieb, konzentrierte sich Willy jetzt auf seinen Saloon 1900 in der August-Bebel Straße. (Mehr dazu siehe Ambassador Club)
Er entstand im Kellergeschoss eines damaligen Paketpostamtes. Dort betrieben sie bereits seit einigen Jahren die La-Paloma-Bar. Für den aufwendigen Umbau engagierten sie denselben Innenarchitekten, der auch den Ambassador Club ausgestattet hatte. Die Einrichtung selbst war ähnlich wie im Ambassador Club im englischen Stil um das Jahr 1900 gehalten. Dunkles Holz wurde mit giftgrünen Polstermöbeln und einer gelb gestrichenen Decke kombiniert. Handgefertigte Lampen erinnerten an alte Gaslaternen. Der Mittelpunkt des etwa 100qm großen Keller-Clubs war die quadratisch angeordnete Theke. Auch das Getränkeangebot war britisch, so gab es beispielsweise 19 verschiedene Whiskeysorten auf der Karte. Dazu gab es 78 Cocktails, diese hießen beispielsweise „Harter Mann“, „Autofahrer“ oder auch „Verliebter“.
Stars und Sternchen
Wahrscheinlich war der Saloon 1900 direkt von Anfang an auch als Diskothek ausgelegt, denn schon im Jahr 1969 warb ein „DJ Alex“ damit, dass er durch den Saloon 1900 bekannt ist. Im Laufe der Jahre kamen immer mal wieder Schlagerstars, oder ehr Sternchen für Auftritte hier her. So waren beispielsweise Martin Mann, Tanja Berg und Phil & John zu Gast; Interpreten, die heute kaum noch jemand kennt.
Unter den Gästen hingegen waren manchmal auch echte Promis. Im Januar 1974 hatte beispielsweise Ivan Rebroff, der „Russe von der Spree“, einen Auftritt in der Rudolf-Oetker-Halle. Nach der Vorstellung begab er sich, noch im Bühnenkostüm verkleidet mit Pelzmütze und Rubaschka und begleitet von einigen Mitgliedern seines Ensembles, in den Saloon 1900. Bei der anschließenden ausgelassenen Feierei stand er dann auch irgendwann hinter dem Bierhahn und zapfte selbst. Ähnliches passierte zuvor im November 1971, hier besuchte Gilbert Bécaud den Club nach seinem Konzert, das ebenfalls in der Rudolf-Oetker-Halle stattgefunden hatte. Er brachte seine Managerin und einige Mitglieder seiner Band mit. Vermutlich passierte dies, weil er Willy Bickhoff bereits von einem Besuch in dessen Münchener Bar Seven Saloon kannte.
Das erste neue Konzept
Es dauerte 21 Jahre, bis das Konzept des Clubs 1987 erstmals geändert wurde. Die Paketpost war inzwischen ausgezogen und stattdessen das Umweltzentrum im Haus. Der Saloon 1900 wurde jetzt in Chanel umgetauft und das Programm auf „peppige Musik“ umgestellt, was auch immer das heißt. Die dominierenden Farben der Ausstattung waren nun blau, gelb und rot und die Tanzfläche wurde vergrößert. Willy Bickhoff blieb Inhaber und führte das Chanel zusammen mit dem Geschäftsführer Milan Davidovic.
Unter der Leitung von Willy Bickhoff gab es dann noch zwei weitere Umbenennungen. Zunächst hieß der Club Cadillac und später Herz As. Im Sommer 1995 verkaufte er sein Lokal dann an einen Düsseldorfer und verstarb schließlich nach kurzer Krankheit im Dezember 1996.
Neuer Wind im Keller
Die neuen Betreiber gaben dem Club zunächst den Namen Paradiso. Die Zielgruppe waren queere Menschen. Später zog dann das Underground in den Keller. Weitere Einzelheiten zu diesen Clubs liegen mir zurzeit nicht vor.
Electronic im Fokus
Im Jahr 2011 folgte dann das Level, das von Ferdi Kali geleitet wurde. Mit seinem House- und Technoprogramm holte es viele Gäste aus dem Tronix zu sich, das im selben Jahr geschlossen wurde. Allerdings schloss auch das Level nach zwei Jahren schon wieder. Nach einem größeren Umbau wagte man mit dem Level dann noch einen Neustart im März 2017 und hier war Ferdi Kali der Clubmanager. Man versprach außergewöhnliche elektronische Musik weit abseits vom Mainstream bis hin zum Avantgarde. Zudem bot man eine After-Hour, denn der Club schloss zur Sperrzeit um 05:00 Uhr morgens und öffnete wieder um 06:00 Uhr, wonach es bis zur Mittagszeit weiterging. Es folgte also dem gleichen Prinzip wie 2001 schon das Break-Inn im Gesellschaftshaus. Es währte allerdings nur ein viertel Jahr bis zur erneuten Schließung.
Schon im September 2017 gab es mit dem Nox den nächsten Anlauf. Betreiber waren Björn Hagedorn, Alexander Westmeier und erneut Ferdi Kali. Musikalisch gab es jetzt die Rolle rückwärts, es sollte etwas „gemäßigter“ zugehen. Man wollte eine Art „House-Wohnzimmer“ für an elektronischer Musik interessierte Bielefelder werden. Das Nox ist inzwischen geschlossen, das genaue Datum liegt mir leider nicht vor.
Zeitleiste
- Ab ca. 1960: La-Paloma-Bar
- August oder September 1966: Eröffnung des Saloon 1900
- April 1987: Wiedereröffnung als Chanel
- 199?: Wiedereröffnung als Cadillac (Juli 1992 hieß es so)
- 199?: Wiedereröffnung als Herz As
- Dezember 1996: Willy Bickhoff verstirbt
- ca. 1998 bis 2002: Betrieb als Paradiso
- ????: Wiedereröffnung als Underground (Mai 2007 hieß es so)
- 2011: Wiedereröffnung als Level
- 2013: Schließung des Level
- 11. März 2017 Wiedereröffnung als Level nach größerem Umbau
- Juli 2017: Schließung des Level
- 1. September 2017: Wiedereröffnung als Nox
- ????: Schließung des Nox
Sam’s / Gretna Green
Mauerstraße 44, 33602 Bielefeld
Das Gebäude in der Mauerstraße 44 war eines der ältesten Gewerbestandorte der Bielefelder Altstadt. Rund zwei Jahrhunderte lang wurde hier geschmiedet; zuletzt war hier seit 1919 die Schlosserei und Kunstschmiede Heinrich Meerkötter ansässig. Als der Metallbau-Betrieb eingestellt wurde, eröffnete der Kaufmann Hugo Vaupel hier im April 1968 die Diskothek Gretna Green.
Vaupel entschied sich bewusst dafür, die Vergangenheit des Hauses bei der Einrichtung des Clubs zu betonen. Eine Theke in Hufeisenform, Lampen aus alten Radnaben und noch älteren ledernen Löscheimern an der Decke und eine Tanzfläche aus Cortina-Kacheln waren Blickfänge des rustikalen Interieurs.
Der Namen Gretna Green war eine Anspielung auf das schottische Dorf, das für schnelle Eheschließungen ohne Elternzustimmung bekannt wurde. Es war damit eine Diskothek, die sich selbstironisch als „Heiratsschmiede“ inszenierte. Und um das zu verdeutlichen, war die Decke des Clubs mit roten „gebrochenen Herzen“ dekoriert. Symbolische Eheschließungen mit Urkunde gehörten zum festen Unterhaltungsprogramm – nur zum Spaß und ohne weitere Verpflichtungen.
Durch die angeschlossene Außengastronomie führte das Gretna Green es sogar zwei Adressen: Mauerstraße 44 und Oberntorwall 12.
Aus vielen Quellen geht hervor, dass Hans-Günter Eickhoff (s. Gesellschaftshaus) der Betreiber gewesen sei. Es steht aber fest, dass Hugo Vaupel der Begründer der Diskothek war. Dieser verpachtete seinen Club ab August 1973 dann an Wolfgang Kruse und Eberhard „Jerry“ Kother. Kother, zuvor bereits als „DJ Jerry“ im Big-Ben und im Gretna Green aktiv, übernahm zeitweise auch im nun von ihm mitgeführten Club wieder den Platz hinter den Plattentellern.
Die Stunde Null des Sam’s
Die Brüder Dirk und Uwe Fastabend übernahmen 1977 das Gretna Green, änderten das Konzept, schlossen die Außengastronomie und benannten den Club um in Sam’s. Jahrzehnte lang war er eine der ersten Club-Adressen in Bielefeld und wurde währenddessen oft als Kult-Club bezeichnet. Dabei wechselten die Betreiber mehrfach.
Nach den Brüdern Fastabend betrieb Gerd Kühnl das Sam’s. Er erweiterte die Fläche um eine breite Treppe und einer weiteren Theke „unterm Dach“. Im Jahr 2000 bot Kühnl das Sam’s dann zum Verkauf an. Den Zuschlag bekamen Frank Barkey und Matthias Reuter, die von nun an Betreiber des Clubs waren. Beide waren in der Discothekenlandschaft keine Unbekannten und brachten reichlich Erfahrung mit. Ein weiterer Wechsel folgte 2010, bei dem schließlich Serkan Besiroglu Betreiber wurde. Ihm eröffnete der Besitzer der Immobilie 2021 den Verkauf des Hauses. Es kam zur Kündigung und schließlich zum Abriss.
Besiroglu zog mit seinem Sam’s um und eröffnete es neu in den großflächigen Räumen des ehemaligen Living Room. Dort geht die Geschichte weiter.
- April 1968: Eröffnung als Gretna Green
- 1972: Umbauarbeiten und Modernisierungen
- August 1973: Eberhard Kother und Wolfgang Kruse werden Betreiber
- 1977: Neueröffnung als Sam’s
- 19??: Neuer Betreiber wird Gerd Kühnl
- 2000: Neue Betreiber werden Frank Barkey und Matthias Reuter
- 2010: Neuer Betreiber wird Serkan Besiroglu
- 2021: Verkauf des Hauses an der Mauerstraße
- 31. Dezember 2022: Schließung des Sam’s in der Mauerstraße, Abschiedsparty
- 04. Februar 2023: Neueröffnung im ehemaligen Eventcenter Lojo (s. Living Room)
- März 2024: Abriss des alten Sam’s in der Mauerstraße
Skala
Herforder Str. 5-7, 33602 Bielefeld
Die Diskothek Skala in Bielefeld wurde im Jahr 2014 nach umfangreichen Umbauarbeiten in dem gleichnamigen ehemaligen Kino am Jahnplatz eröffnet. Der Betreiber Torsten Seidel, der zuvor in Berlin Erfahrung in der Clubszene gesammelt hatte, verwandelte die Räumlichkeiten in einen multifunktionalen Veranstaltungsort mit Schwerpunkt auf elektronische Musik. Das Eröffnungsevent wurde mit DJ Florian Meindl aus Berlin gefeiert. Bereits nach einem Jahr musste die Skala aus finanziellen Gründen schließen.
Der Club war bekannt für sein hochwertiges Soundsystem, das Void Acoustics Incubus System, und bot Platz für verschiedene Veranstaltungen wie Clubnächte, Modenschauen, Konzerte und Tagungen.
Zeitleiste
- November 2014: Eröffnung
- 31. Oktober 2015: Schließung
Stadtpalais / Heimatliebe
Papenmarkt 11, 33602 Bielefeld
Das Stadtpalais eröffnete im September 1996 im „Haus des Handwerks“. Hinter dem Projekt standen die Gastronomen Dieter Hanhardt, Carsten Oberhoff, Jürgen Winter und Walter Henkenjohann, letzterer auch als Betreiber des Go-Parc in Herford bekannt. Für den aufwendigen Umbau des früheren Funktionalbaus, Baujahr 1952, zu einer modernen Großraumdiskothek investierten sie rund 2,5 Millionen Mark.
Stargast bei der Eröffnung war Comedy-Ikone Karl Dall.
Im Inneren des Stadtpalais
Auf rund 1.600 m² bot das Stadtpalais mehrere voneinander getrennte Bereiche, die auch für Privatevents angemietet werden konnten. Dazu gehörten ein Restaurant, ein Bistro und drei weitere Räume, die „Chexx“, „Fresco“ und „Piano-Raum“ hießen. Herzstück der Anlage war jedoch der ehemalige Festsaal des Hauses, der als Haupttanzfläche konzipiert war und Platz für bis zu 500 Besucher bot.
Die Ausstattung der Räume bestand aus viel schwarzem Samt und Holz in hellen Naturfarben. Über der Haupttanzfläche hing ein großer Kronleuchter. Zielgruppe des Clubs waren Menschen jenseits des 30. Lebensjahrs.
Gespielt wurde überwiegend ein Mix aus Charts, House, Dance Classics und Black Music, ergänzt durch wechselnde Themenabende.
Übernahme und das schleichende Ende
Im Mai 2014 übernahmen die Düsseldorfer Unternehmer Stefan Buschhüter und Thomas Trautsch den Betrieb. Zeitgleich betraf das auch den Elephant Club, der damals ebenfalls von Henkenjohann und Hanhardt geführt wurde.
Fortan wurde das Konzept im Stadtpalais mehrfach modifiziert. Die größte Änderung kam im Oktober 2016 mit der Umbenennung in Heimatliebe. Bei diesem Schritt entschied man sich für einen dauerhaften freien Eintritt und kündigte an, dass die Türkontrollen jetzt „sehr locker“ seien. Außerdem reduzierte man das Preisniveau der Getränke deutlich. Laut Betreiber wollte man damit einen „Gegenentwurf zum spaßbremsenden Schickimicki-Trend“ anbieten. Musikalisch änderte man das Programm jetzt hin zu Charts, Pop und Stimmungsmacher, wie sie auf Volks- und Schützenfesten sowie in Urlaubsorten zu hören waren.
Die Heimatliebe blieb jedoch erfolglos und wurde daher im März 2017 wieder geschlossen. Im September des Jahres unternahm man dann nochmal einen weiteren Anlauf und eröffnete wieder unter dem Namen Stadtpalais. Aber auch mit dem neuen Konzept konnte sich der Club nicht mehr dauerhaft etablieren. Im Januar 2020 wurde das Stadtpalais schließlich mit einer Closing Party geschlossen.
Zeitleiste
- 20. September 1996: Eröffnung als Stadtpalais
- Mai 2014: Betreiberwechsel, jetzt Stefan Buschhüter und Thomas Trautsch
- 29. Oktober 2016: Umbenennung in Heimatliebe
- März 2017: Schließung der Heimatliebe
- 15. September 2017: Wiedereröffnung als Stadtpalais
- 11. Januar 2020: Schließung
Star-Club / Volkshaus Sudbrack
Lange Str. 35, 33613 Bielefeld
Das Volkshaus Sudbrack an der Ecke Lange Straße / Sudbrackstraße war ursprünglich ein zentraler Treffpunkt der Arbeiterschaft in Bielefeld. Eine völlig neue Phase begann 1964, als der Gastronom Willi Gabelmann hier den Star-Club eröffnete – inspiriert vom Hamburger Original. Mit Auftritten von The Rattles (mit Achim Reichel), Pete Best (Ex-Beatles), Brenda Lee, Gene Vincent oder Marc Bolan mit John’s Children entwickelte sich das Haus zum Hotspot der Bielefelder Jugend. Auch lokale Nachwuchsbands nutzten die Bühne für Auftritte.
Ein großer Unterstützer des Star-Club war der Musikalienhändler Rost am Adenauer Platz, der wegen seines immerwährenden Einsatzes auch „Papa Rost“ genannt wurde. Er stellte beispielsweise die Musikanlage, die legendären „Rost-Boxen“, zur Verfügung. Bis 1968 erlebte der Star-Club volle Säle, viele Jugendkontrollen und auch skurrile Shows wie eine dänische „Oben-ohne-Mädchenband“. Der Star-Club konnte sich das leisten, denn er war seinerzeit ohnehin verpönt – weil damals alles rund um Beat verpönt war. Mit dem Aufkommen klassischer Diskotheken endete diese Ära und der Star-Club wurde nach nur vier Jahren geschlossen.
Zeitleiste
- um 1914: Bau des Volkshauses durch die Arbeiterschaft, großer Saal für 1000 Gäste.
- 1920er–1950er: Zentrale Veranstaltungsstätte für Arbeitervereine, Sport- und Gesangsvereine, Jubiläen und Boxkämpfe.
- 2. Oktober 1964: Gastronom Willi Gabelmann eröffnet den Star-Club Sudbrack mit einem Eröffnungskonzert. Mit dabei: The Rattles, Pete Best Four, Gipson and the Eyes, Mike Warner and the Shatters, The Jaguars
- 1968: Schließung des Star-Clubs
Stereo / Elephant Club / NachtArena / Hinterzimmer
Boulevard 1, 33613 Bielefeld
Im neuen Bahnhofsviertel eröffnete 2002 die NachtArena, die auf 3500 m² bzw. vier Tanzflächen Programm für junges Publikum bot. Die Main-Area benannte man „NachtVision“, daneben gab es noch das „NachtStudio“, das „NachtTheater“ und den „NachtClub“. Mit der Eröffnung neuer Alternativen wie dem Ringlokschuppen gingen die hohen Anfangszahlen jedoch spürbar zurück.
Die Betreiber Walter Henkenjohann und Dieter Hanhardt passten das Konzept daher zwei Jahre später an und eröffneten im Oktober 2004 auf der Fläche des „NachtStudio“ den Elephant Club. Er wurde als separater, eigenständiger Club von der NachtArena abgetrennt und warb für älteres Publikum. Der neu geschaffene Club wurde so erfolgreich, dass man im Jahr 2006 die NachtArena schloss und den ehemaligen Bereich „NachtClub“ zum Elephant Club hinzuzog. Bei der NachtArena hatte man schon einige Monate zuvor den Bereich „NachtTheater“ an das benachbarte Edelweis abgegeben, das gerade eröffnet worden war. Die so immer weiter verkleinerte NachtArena bestand damit insgesamt etwa dreieinhalb Jahre.
Das Stereo zieht ein
Es folgte das Stereo, das auf 800qm unter anderem den ehemaligen Bereich „NachtVision“ übernahm. Die neuen Betreiber Mirko Schmidt und Ivo Klumpp von der Agentur 2P Media versprachen mit Rock und Alternative und ein Programm, das nun mehr für älteres Publikum ausgelegt sein sollte und warben auch gezielt ehemalige Gäste des PC69. Es wurde aufwendig umgebaut und der Eingang näher an das Cinemaxx verlegt. Auch die Deckenhöhe wurde tiefer gezogen und das DJ-Pult verkleinert. Ein separater Bereich wurde zudem zu einer zweiten Club-Area umfunktioniert.
Wechselnde Besitzer und Schließung des Elephant Club
Die Betreiber der ehemaligen NachtArena führten den Elephant Club parallel weiter, bis dieser im Mai 2014 von den Düsseldorfer Unternehmern Stefan Buschhüter und Thomas Trautsch übernommen wurde. Diese erwarben zeitgleich das Stadtpalais in der Altstadt, das zu dieser Zeit ebenfalls von Henkenjohann und Hanhardt geführt wurde.
Im Jahr 2017 gab es einen weiteren Besitzerwechsel. Jetzt wurde der Elephant Club von der Agentur 2P Media übernommen, die wie oben erwähnt auch das Stereo betrieb – und schloss ihn etwa ein Jahr später. Wie der 2P Media später mitteilte, war die Schließung und auch das Ablegen des Namens Elephant Club bereits bei der Übernahme geplant.
Max Raebel: Die Bar mit DJ
Nach einer Umbauphase eröffnete hier im Sommer 2018 schließlich das die Bar Max Raebel. Zwar legte hier an allen Wochentagen ein DJ auf, jedoch verstand sich das Max Raebel mehr als Bar, als als Diskothek. Die Betreiber wollten damit ein Konzept im Boulevard schaffen, das neue Impulse ins Bielefelder Nachtleben bringt.
Der Name der Bar ging im Übrigen auf einen umtriebigen Bielefelder zurück, der von 1874 bis 1946 lebte. Die Benennung nach einer weitgehend vergessenen lokalen Figur sollte Neugier wecken. Die Betreiber waren dabei nach eigenen Angaben im Internet auf diese Person gestoßen und hatten deren Reputation zunächst nicht in Zweifel gezogen. Als Historiker später jedoch dessen Nähe zur NSDAP ans Licht brachten, wurde der Name zur Belastung.
Im März 2022 wurde dann aus dem Max Raebel die Bar LIV, zu der in einem Nebenraum die Diskothek Hinterzimmer gehört.
Zeitleiste
- 20. September 2002: Eröffnung der NachtArena
- Oktober 2004: Eröffnung des Elephant Club
- Juli 2005: Der Bereich NachtTheater wird geschlossen, das Edelweiss zieht dort ein
- 18. Februar 2006: Schließung der NachtArena
- 2006: Der ehemalige Bereich „NachtClub“ wird zum Elephant Club hinzugenommen
- 07. April 2006: Eröffnung des Stereo durch die Agentur 2P Media
- Mai 2014: Übernahme des Elephant Club durch Stefan Buschhüter und Thomas Trautsch
- 2017: Übernahme des Elephant Club durch 2P Media
- 10. Februar 2018: Schließung des Elephant Club
- 30. Juni 2018: Eröffnung der Bar Max Raebel in den ehemaligen Räumen des Elephant Club.
- März 2022: Eröffnung der Bar LIV mit der Diskothek Hinterzimmer
Subito / Big-Ben / Salon Lounge Club
Obernstr. 17., 33602 Bielefeld
Das Big-Ben war eine Diskothek an der Obernstraße, die von Hans-Joachim „Jochen“ Westermann geführt wurde. Sie befand sie sich im Keller des Gebäudes, dessen Zugang an der Neustädter Straße lag. Zuvor befand sich dort das Domino, das bereits eine Art Diskothek-Vorläufer war und sich als Mischung aus Eisdiele, Milchbar, Gaststätte und Diskothek verstand – jedoch keinen DJ hatte.
Mit dem Einzug des Big-Ben im April 1972 änderte sich das grundlegend. Die Räume wurden zum Club umgebaut, und das Publikum bestand nun vorwiegend aus Gästen im Mittzwanziger-Bereich. Zahlreiche Zeitzeugen berichten zudem von vielen britischen Soldaten, die dort regelmäßig feierten. Besonders präsent in den Erinnerungen ist DJ Jerry (siehe auch Gretna Green), der im Big-Ben lange Zeit aufgelegt hatte. Groß angekündigt wurde aber auch der DJ „Hans von Bredow“ (bürgerlich Hansi Winkler) aus Detmold, als er im Januar 1973 als Resident-DJ engagiert wurde.
Erwähnenswert sind nicht zuletzt auch die mehrfach im Big-Ben ausgetragenen Miss-Bielefeld-Wahlen, bei denen auch prominente Juroren wie Arminia-Torwart Uli Stein vertreten waren.
Jetzt folgte das Subito
Nach dem Big-Ben eröffnete in den Räumen das Subito, in dem man im eleganten Dress abfeierte. Der Name „Subito“ bedeutet übersetzt „plötzlich“ und sollte sinngemäß auf das unerwartete Erscheinen eines einzigartigen Tanzschuppens mitten in der Innenstadt hindeuten. Getanzt wurde zu Funk & Soul, und zwar neben den Wochenenden auch dienstags und mittwochs. Betreiber des Subito waren Regine Saabe und Michael Möller.
Nach dem Subito eröffnete in den Räumen noch der Salon Lounge Club, der von Sharam Honarbakhsh (s. auch Pelican-Club) geführt wurde. Gespielt wurden in dieser Zeit House und Soul. Der Club existierte im Jahr 2001, wann er öffnete oder schloss, konnte ich noch nicht eruieren. Hinweise dazu gern in die Kommentare.
Zeitleiste
- April 1972: Eröffnung als Big-Ben
- 1986: Wiedereröffnung als Subito
- 05. Dezember 1995: Schließung des Subito
- ????: Eröffnung des Salon Lounge Club
- ????: Schließung des Salon Lounge Club
Titanic / Flash / Gurke / Drive In
Karl-Eilers-Str. 6a, 33602 Bielefeld
Die erste Diskothek des späteren größten Gastronoms Ostwestfalens, Hans-Günter Eickhoff, eröffnete er im Keller seiner elterlichen Kleiderfabrik zwischen Bahnhofstraße, Friedenstraße und Karl-Eilers-Straße. Es war das Drive In, das der Anfang eines 15-jährigen Höhenflugs Eickhoffs werden sollte, in dem er sein Millionenerbe in mindestens 20 Bielefelder Gaststätten und Diskotheken investierte und am Ende verlor. Mehr Details dazu unter Gesellschaftshaus.
„Das Drive In war Kult“
Das Drive In war in seiner Zeit äußerst beliebt, sowohl bei Bielefeldern als auch bei vielen aus dem Umland. In Erzählungen wird dem Drive In oft ein gewisser Kultcharakter zugeschrieben. Etwa 1977 wurde aus dem Drive In dann die Gurke und im selben Haus öffnete Eickhoff dann auch noch die urige Kneipe Holzwurm. Das Ganze wurde noch durch ein ganztägig geöffnetes Café ergänzt, das Peppermint hieß. Erreichbar war alles über einen Weg von der Karl-Eilers-Straße, der links neben der beliebten Fischgaststätte – im Volksmund ‚Fischbratküche‘ genannt – begann. Dieser ganze Komplex wurde dann nach etwa zwei Jahren wieder geschlossen. Ein paar Monate später eröffnete dann das Flash in den Räumen der Gurke. Nach etwa 6 Monaten war allerdings wieder Schluss und es wurde ruhig auf dem Areal.
Musikalisch ging es in diesen Lokalen rockig bis kultig zu. Beispielhafte Hits aus der Gurke sind, wie Stonie in den Kommentaren schreibt, „Kicks“ von Lou Reed, „Faith Healer“ von Alex Harvey und das oft falsch verstandene „No woman no cry“ von Bob Marley.
Neustart auf der gesamten Fläche
Im Sommer 1980 begannen dann die Planungen für eine Reaktivierung des Standorts. Initiatoren waren unter anderem Ekkehard Bischoff, der damals u.a. einige Vorverkaufsstellen für Konzerte betrieb und der Konzertveranstalter Jürgen Hellweg. Aus der Diskothek Flash, der Kneipe Holzwurm und dem Peppermint entstand nun die Diskothek Titanic. Betreiber, Geschäftsführer und erster DJ war Jürgen Hellweg. Im Haupteingang der Titanic eröffnete dann noch der Plattenladen Rund Und Bunt, den Ekkehard Bischoff betrieb. Für Bischoff war dies einer von rund 20 Musikläden, die er innehatte und über seinen ebenfalls eigenen Großhandel bestückte.
Im hinteren Teil des Cafés, also des ehemaligen Peppermint, gab es dann noch einen Saal für Konzerte. Als Vorbild dafür diente das SO36 in Berlin. Aufgetreten sind hier beispielsweise DAF, Einstürzende Neubauten, KFC, Abwärts, Palais Schaumburg, Nichts, Lene Lovich und COS. Hier tobten sich also Punk, Neue Deutsche Welle, New Wave und Avantgarde ungehemmt aus.
Mit dem Bau der Marktpassage auf dem Areal endete schließlich auch die Ära der Diskothek Titanic.
Zeitleiste
- 20. Juli 1968: Eröffnung des Drive-In
- ca. 1977: Wiedereröffnung als Gurke
- ca. 1979: Schließung der Gurke
- ca. 1979: Wiedereröffnung als Flash, nach mehrmonatiger Umbauphase
- Sommer 1980: Beginn der Planungen für die Titanic
- 1981: Eröffnung der Titanic
- Ende 1983: Schließung der Titanic
- 30. Oktober 1984: Eröffnung der Marktpassage
Trocadero
Oberntorwall 18, 33602 Bielefeld
In dieser Übersicht ist das Trocadero eher als Vorläufer der klassischen Diskotheken zu betrachten. Benannt nach dem Pariser Palais du Trocadéro galt es als eines der größten und schönsten Kabarett- und Varietéhäuser Deutschlands seiner Zeit. Eine besondere Attraktion war die beeindruckende, sieben mal acht Meter große, rotierende Tanzfläche – daher wurde das Lokal auch als Kreisel Trocadero beworben.
Tagsüber lockte das Haus ein breites Publikum mit Kaffee, Kuchen, Artistik, Zauberkunst und Tiernummern; abends entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer. In den 1950er- und 1960er-Jahren fanden hier populäre Veranstaltungen wie Modeschauen sowie Wahlen zu Miss Bielefeld, Miss Westfalen und Miss Germany statt.
Auch zahlreiche bekannte Künstler traten im Trocadero auf – darunter Peter Frankenfeld, Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt, Lale Andersen, Maria Valente mit ihrer Tochter Caterina, Marika Rökk und Willi Fritsch.
Mit dem Aufkommen der Fernsehkultur und dem Tod des langjährigen Leiters Carl Schreiber gingen die Besucherzahlen zurück. Der Betrieb wurde ab 1962 schrittweise reduziert, bis das Trocadero schließlich 1971 endgültig schloss.
Zeitleiste
- 30. August 1930: Eröffnung
- 01. September 1944 bis zum 02. April 1946: Kriegsbedingte Unterbrechung des Betriebs
- 10. Mai 1961: Tod von Carl Schreiber
- 30. September 1971: Schließung
- 17. Mai 1972: Abriss
Western-Saloon und Nachfolger
Siekerwall 21, 33602 Bielefeld
Zur großen Zeit der Westernhelden entstand 1966 am Siekerwall Bielefelds erste Konzept-Disco im Western Style. Sie war auch die einzige zu dieser Zeit, trotz des parallel existierenden Saloon 1900, denn dieser war im altenglischen Stil eingerichtet.
Geführt wurde der Western-Saloon von Friedel Merz, der dort auch auflegte. Mit moderaten Preisen warb er gezielt um ein junges Publikum und bot in seinem Club Platz für rund 100 Gäste. Die Wände waren dekoriert mit einem Pferdehalfter und Steckbriefen von diversen Revolverhelden. Darüber hinaus war der ganze Raum mit Holz vertäfelt und hatte blockhausähnliche Nischen. Die Theke wiederum war mit Kalbfellen bespannt und diverse Whiskeyfässer dienten als Sitzgelegenheiten. Und selbstverständlich fehlte auch die für Western-Saloons typische Swingdoor nicht.
Das Musikprogramm war aber offenbar nicht auf Country & Western beschränkt, denn laut Merz sollte es eine „Diskothek für alle“ sein. Teilweise traten auch Stargäste auf, so war beispielsweise am 22. September 1969 Chris Howland vor Ort.
Der Western-Saloon existierte acht Jahre und war der Beginn einer ganzen Reihe weiterer Diskotheken, die hier nacheinander einzogen.
Jetzt wird es britisch
Nach dem Western Style folgte im Juli 1972 die Diskothek Queen’s Pub, die, wie der Name schon vermuten lässt, im englischen Stil ausgestattet war. Es handelte sich dabei um ein Gastro-Konzept, das es damals schon in Berlin, Düsseldorf und München gab – und nun war ausgerechnet Bielefeld dran.
Im Oktober 1974 zog dann das Inside ein, das sich als „Diskothek mit Atmosphäre“ verstand. Um bei der Eröffnung möglichst viele Leute zu mobilisieren, griff man auf den ältesten Trick zurück: Es gab Freibier. Und damit das nicht zu teuer wurde, beschränkte man das – auf Altbier.
Nach karibischen klängen folgt das Bijou
Etwa 1980 eröffnete in den Räumen die Diskothek Sloopy, die sich ganz dem Reggae verschrieben hatte.
Etwa vier Jahre später folgte dann das Bijou, das außerordentlich erfolgreich lief. Der Betreiber Gerd Günzel akquirierte dazu den DJ Bernd Schoenfelder aus dem Circus, Circus, der offenbar ein Erfolgsrezept mitbrachte. Besonders beliebt war das Bijou immer dienstags. Günzel und DJ Bernd entschieden sich später, zusammen in das Cafe Europa zu wechseln und dort 1986 zunächst das Opera und später das Charly Banana zu eröffnen.
Als Nachfolger des Bijou zog 1986 das Shake in die Räume ein, das sich eher als Cocktail Bar verstand, mit Discobetrieb nur am Wochenende. Das erinnert etwas an das Boca Chica. Eine ganz andere Gangart legte dann aber das Tolstefanz ein, das noch im selben Jahr das Shake ablöste. Vermutlich wurde hier der Name von der West-Berliner Szene-Disco übernommen. Zur Eröffnung spielte die Bielefelder Band Interschwein unter dem Motto „Das Niveau singt“.
Namensrecycling von Trocadero und Sloopy
Nach knapp zwei Jahren kam ein weiterer Wechsel. Und dieses Mal wurde der Name Trocadero recycelt, den ursprünglich der Traditionsbetrieb von Carl Schreiber trug (s. Trocadero). In dieser Liste bezeichne ich die gleichnamige Diskothek am Siekerwall daher das Trocadero (2). Es schloss etwa 1990 seine Pforten. Weitere Infos zum Trocadero (2) liegen mir derzeit nicht vor.
Das tragische Ende
Vermutlich nach einem längeren Leerstand eröffnete im Sommer 1995 dann eine weitere Diskothek in den frisch renovierten Räumen. Dieses Mal erneut unter dem Namen Sloopy, wie schon ein Jahrzehnt zuvor – in dieser Liste ist das daher das Sloopy (2).
Das Sloopy (2) stand unter türkischstämmiger Führung und richtete sich an ein ebensolches Publikum. Nach wenigen Wochen der Existenz wurde es am 27. August 1995 Opfer eines Brandanschlags, bei dem niemand verletzt wurde, jedoch ein Sachschaden von 60.000 Mark entstand. Ob es danach noch einmal öffnete, ist nicht dokumentiert. Mit der Schließung des Sloopy (2) endete jedenfalls die lange Reihe von Diskotheken am Siekerwall 21.
Zeitleiste
- 29. oder 30. April 1966: Eröffnung des Western-Saloon
- 29. Juli 1972: Wiedereröffnung als Queen’s Pub
- 04. Oktober 1974: Wiedereröffnung als Inside
- ca. 1980 – 1984: Diskothek Sloopy
- ca. 1985 – 1986: Diskothek Bijou
- 25. April 1986: Wiedereröffnung als Shake
- 05. September 1986: Wiedereröffnung als Tolstefanz
- 28. April 1988: Wiedereröffnung als Trocadero (2) (namensgleich mit dem Traditionslokal)
- Ca. 1990: Schließung des Trocadero (2)
- Sommer 1995: Eröffnung des Sloopy (2)
- 27. August 1995: Brandanschlag
ZAK Jöllenbeck / Jugendzentrum Jöllenbeck
Heidsieker Heide 1, 33739 Bielefeld
Das ZAK Jöllenbeck war ein bedeutendes sozio-kulturelles Zentrum in Jöllenbeck. Es befand sich in der ehemaligen Dorfschule an der Heidsieker Heide und entwickelte sich schnell zum wichtigen Treffpunkt der regionalen Musik- und Kulturszene. Unter anderem traten dort Die Ärzte, Nena (mit den Stripes) und Die Toten Hosen auf – letztere spielten gleich zwei ausverkaufte Konzerte hintereinander. Auch viele lokale Bands waren hier auf der Bühne, wie beispielsweise ZZZ Hacker oder Die Rambowskis. Nennenswert ist auch das Konzertfestival „Bielefelder Allnighter“, das hier in den 1980er Jahren mehrfach stattfand. In diesem Rahmen traten beispielsweise auch Die Bienenjäger auf, dessen Bandmitglieder später unabhängig voneinander in vielen bekannten Bands mitwirkten (Blumfeld, Die Goldenen Zitronen, Die Sterne, usw.). Im ZAK fanden neben Konzerten und Discoveranstaltungen auch Proben, Kabarettveranstaltungen und Radiobeiträge im dazugehörigen Studio statt.
Zeitleiste
- 1974: Gründung des Jugendzentrums Jöllenbeck (bzw. JZ Jöllenbeck) in der alten Dorfschule an der Heidsieker Heide.
- 1988: Umbenennung in ZAK – Zentrum für andere Kultur
- 31. Mai 2018 – Offizielles Ende: Die Stadt Bielefeld kündigt die Mietverträge, das ZAK stellt den Betrieb ein.
- Juli 2019: Abriss
Zazoo / Circus, Circus / Drops / ZK
Ritterstr. 20, 33602 Bielefeld
Das Circus, Circus in der Altstadt bot 300 Gästen Platz und war damit nach damaligen Maßstäben die erste Großdisco Bielefelds. Sie wurde 1980 im ehemaligen Gebäude der Firma Emil Giesow von Michael Brinkmann und Thomas „Thommy“ Riekenberg eröffnet, die auch das Sheeta in Oerlinghausen besaßen. Das gegen den Widerstand der Anwohner eröffnete Circus, Circus hatte Öffnungszeiten bis morgens um 5:00 Uhr. Nach dem Vorbild einer Zirkusmanege waren die Wände im Inneren aufwendig mit Tiermotiven wie beispielsweise Löwen gestaltet. Highlight des Interieurs war der gewaltige Elefantenkopf aus Beton, der von der Wand auf die Gäste herabschaute.
Konkurrenz und Krise
Als die ersten Konkurrenten eröffnet wurden, fing es an zu kriseln. Allein das 1984 eröffnete PC69 hatte mit 1200 m² (die Empore gab es noch nicht) eine viermal so große Fläche zu bieten. Kurz darauf ging das Circus, Circus in die Pleite. Nach einer aufwendigen Umbauphase kam der Neustart unter dem Namen Zazoo. Die Wände waren nun weiß gestrichen und vieles wurde erneuert. Was blieb, war der Elefant. Die Inhaber allerdings wechselten mehrfach – zuletzt war es die Zone GmbH. Es war schwierig und es währte nicht lange bis zur nächsten Krise, auch weil z.B. das Cafe Europa wieder ein frisches Konzept bot. Als schließlich das Haus für den Bau des Altstadt Carrés abgerissen werden sollte, schloss man das Zazoo zusammen mit dem darunterliegenden ZK.
Unter dem Zazoo: Die Diskothek ZK
Im Keller unter dem Zazoo befand sich die Diskothek ZK. Sie hatte zu Beginn den Namen Drops und war zu der Zeit eine urige Musikkneipe im Pub-Stil. Im ZK wurde alternative Musik gespielt, Resident DJ war unter anderem Hans-Jürgen „Hannes“ Wagner, besser bekannt als DJ Hannes.
DJ Hannes war es auch, der diverse Künstler ins Haus geholt hat. Er organisierte beispielsweise die Auftritte von Cassandra Complex, Blaine L. Reininger und den Meteors im Circus, Circus und später auch Laibach im Zazoo.
Kurz nach der Schließung konnte das ZK noch eine Zeitlang, also bis zum Abriss des Hauses, für externe Veranstaltungen angemietet werden. In dieser Zeit gab es dort auch eine Partyreihe mit dem Namen „Black Is The Night“, mitinitiiert durch Frank Barkey, der zuvor u.a. DJ im Zazoo war.
Bielefelds damals aufstrebender „Rap-Master“ Wale Bakare hatte dort unter seinem damaligen Künstlernamen Woolley live zur Musik gerappt. Zusammen mit Tonio Neuhaus, ebenfalls früher DJ im Zazoo, entstand daraus die Crossover-Band N-Factor.
Zeitleiste
- 1980: Eröffnung als Circus, Circus
- 1985: Schließung des Circus, Circus mit anschließender mehrmonatiger Umbauphase
- 1986: Eröffnung als Zazoo
- Oktober 1988: Schließung des Zazoo und des ZK
Zweischlingen
Osnabrücker Str. 200, 33649 Bielefeld
Das Zweischlingen ist ein traditionsreiches Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Geschichte bis ins Jahr 1835. Ursprünglich als Schankwirtschaft für Reisende gegründet, wurde es 1980 von der Begegnungsstätte Zweischlingen e.V. übernommen und zu einem selbstorganisierten Tagungs- und Kulturzentrum umgebaut. Die Betreiber kamen aus der alternativen Szene und das Ambiente war dem Zeitgeist entsprechend ebenfalls „alternativ“. Es war normal, die Zigarette auf dem Teppich auszutreten. Das änderte sich aber ab 1985 nach einem aufwendigen Umbau. Das Publikum wurde sehr gemischt, zwischen Schlipsträgern saßen Punker, Studenten und Original-68er. Im zugehörigen Saal mit Galerie gab es neben Kleinkunst auch Standardtanz-Abende. Geführt wurde das Zweischlingen von einem 12-köpfigen Kollektiv, bei dem Dieter Enger und Jörg Eichhorn als Betreiber nach außen auftraten.
In den 1990er Jahren entwickelte sich der Tanzsaal an einigen Tagen der Woche zur Disco und zum Treffpunkt für Fans der Alternative-Music. Anfangs galt die auffällige Musikanlage mit scheinbar selbstgebauten Hörnern in jeder Ecke und einem übergroßen „Pegelmeter“ (VU-Meter) an der Galerie als Unikum. Inzwischen ist das aber alles ersetzt – und der Klang damit erheblich verbessert worden. Auch das DJ-Pult wurde verlegt. Vorher war dies in einer Nebenkammer, von der man kaum Blick auf die Tanzfläche hatte. Jetzt ist es direkt im Saal. Praktisch zeitgleich gab es Anfang der 2000er nochmal einen Betreiberwechsel, die neue Geschäftsführerin ist Esha Münkemüller, sie hatte vorher die gleiche Rolle im Far Out. Wie schon in den 1980ern gibt es auch heute noch Kabarett, Kleinkunst und verschiedene Themenabende. Und auch die Freunde des Alternative und des Standardtanzes sind dort immer noch anzutreffen.
Zeitleiste
- 1835: Ursprung als Schankwirtschaft an der heutigen Schlingenstraße; älteste Gaststätte in Quelle
- November 1979: Gründung des Vereins Begegnungsstätte Zweischlingen e.V.
- 1983 – Trennung von Ein- und Zweischlingen; das Team von Einschlingen übernimmt die Begegnungsstätte Zweischlingen.
- Mitte 1983: Beginn aufwendiger Umbauarbeiten
- 18. Januar 1985: Wiedereröffnung nach rund 1½-jähriger Renovierung
- August 1990: Verein gibt das Kulturzentrum ab; Verpachtung an GuK GmbH (Tagungshaus und Kulturzentrum nun getrennt).
- August 2001: Kulturzentrum wird von der Zweischlingen Gastro GmbH übernommen
Bielefelder Discokultur seit den 1960ern
Wie man sieht, ist die Bielefelder Discokultur ausgesprochen vielschichtig – und entsprechend lang ist dieser Beitrag geworden. Es gibt noch unzählige weitere Geschichten und Anekdoten, die diese Auflistung bei Weitem sprengen würden. Viele davon sind inzwischen in diversen Büchern verewigt. Trotzdem könnt ihr die Kommentarfunktion natürlich gerne für eure eigenen Erinnerungen und Geschichten nutzen – feel free. Bitte haltet eure Kommentare dabei neutral und fair; unsachliche Beiträge werden gelöscht.
Für eine Übersicht wie diese sind vor allem Daten und Fakten entscheidend. Diese habe ich aus unterschiedlichen Quellen, aus vielen Erinnerungen und unzähligen Gesprächen zusammengetragen. Mein besonderer Dank gilt allen, die mich mit zusätzlichen Informationen und Hinweisen unterstützt haben – ohne euch wäre dieser Beitrag deutlich lückenhafter geblieben.
Einige offene Punkte gibt es dennoch. Der Artikel wird regelmäßig aktualisiert, sobald mich neue Erkenntnisse erreichen.
Häufige Fragen zur Diskothekengeschichte in Bielefeld
Welche war die erste Diskothek in Bielefeld?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, da es davon abhängt, was man zur jeweiligen Zeit als „Diskothek“ bezeichnet. Häufig wird die Eisenhütte als erste Diskothek Bielefelds genannt. Allerdings existierten bereits zuvor Clubs wie der Ambassador Club, die mit DJ, Tanzfläche und eigener Plattensammlung arbeiteten. Ob diese Lokale als Diskothek gelten, hängt davon ab, ob man sie eher als Gastronomie mit Musik oder als frühen Clubbetrieb einordnet.
Wann begann die Diskothekenkultur in Bielefeld?
Die Anfänge der Diskothekenkultur in Bielefeld lassen sich grob auf die 1960er-Jahre datieren. In dieser Zeit entwickelten sich aus Tanzlokalen, Clubs und Musikbars erste Betriebe, bei denen das Auflegen von Schallplatten und das Tanzen im Mittelpunkt standen.
Warum haben viele Diskotheken mehrfach den Namen gewechselt?
Namenswechsel waren häufig Teil von Betreiberwechseln, Konzeptänderungen oder musikalischen Neuausrichtungen. Oft blieben Standort und Konzession gleich, während Name, Publikum und Programm an neue Trends angepasst wurden.
Warum befanden sich viele Diskotheken an denselben Standorten?
Diskotheken entstehen selten völlig neu, sondern übernehmen häufig bestehende Konzessionen und Räumlichkeiten. Dadurch wurden bestimmte Standorte über Jahrzehnte hinweg immer wieder als Club- oder Diskothekenbetriebe genutzt.
Was unterscheidet eine Diskothek von einer Musikkneipe?
Eine Diskothek ist primär auf Tanz und Musikbetrieb ausgerichtet, meist mit DJ, Tanzfläche und entsprechender Technik. Musikkneipen sind stärker gastronomisch geprägt, auch wenn dort ebenfalls Musik gespielt wird. Die Übergänge waren historisch oft fließend.
Ist die Liste vollständig?
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Trotz umfangreicher Recherche können einzelne Betriebe fehlen oder Zeiträume ungenau sein. Sie wird laufend ergänzt und aktualisiert.
Warum fehlen manche Lokale oder Musikbars?
Um den Rahmen überschaubar zu halten, wurden reine Musikkneipen oder kurzlebige Bars meist nicht aufgenommen. Der Fokus liegt auf Diskotheken und Clubbetrieben im engeren Sinne.

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